War der Nikola-Crash vorherzusehen?

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IN KÜRZE
  • Was hat es mit dem Nikola-Hype auf sich?

  • Steckt hinter dem Projekt tatsächlich ein Betrug?

  • Und warum haben die Millioneninvestoren diesen nicht kommen sehen?

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Am Morgen des 8. September 2020 erwachten die Aktionäre von Nikola mit einer angenehmen Überraschung: Das Brennstoffzellenunternehmen hatte eine Partnerschaft mit General Motors geschlossen.

Zusammen planten die Unternehmen ein sauberes Energiefahrzeug, das mit den Elektroautos von Tesla mithalten können sollte. Die Aktie stieg beim Börsengang um 20 % und an diesem Tag um 39 %.

Allerdings war der Traum bald ausgeträumt.

Das geplante Auto, der Nikola Badger, sollte ein vollelektrischer Wasserstoff-Brennstoffzellen-Pickup sein. Die Kooperation gab an, dass Nikola das Ultium-Batteriesystem von GM und eine Brennstoffzellentechnologie namens Hydrotec verwende.



Nikola-Aktien im Wert von 2 Milliarden USD sollten GM 11% des Unternehmens und Nikola Zugang zum GM-Imperium für Autoteile verschaffen. Nikola rechnete in 10 Jahren mit Einsparungen von 5 Milliarden USD bei den Kosten für Technik, Energie und Antriebsstrang.

Die Grüne Energie sollte das kleine Unternehmen in ein 20-Milliarden-Dollar-Start-up mit einem großen 3-Autohersteller-Deal verwandeln. Dies wäre dann GMs Antwort auf Tesla gewesen.

Das einzige Problem war, dass die Technologie nicht existierte.

Der nächste Theranos

Am 10. September veröffentlichte das Finanzforensikunternehmen Hindenburg Research einen detaillierten Bericht. Dieser Bericht zeigte auf, dass die öffentlichen Äußerungen von Nikola nicht der Wahrheit entsprachen und dass die von ihnen angepriesene Wunderbrennstoffzellentechnologie größtenteils nicht existierte.

Das warf auch die Frage auf, warum Nikola, ein Unternehmen für saubere Energie, die Hydrotec-Technologie von GM eher für die Brennstoffzellen als ihre eigenen verwenden wollte. Im Hindenburg Artikel wurde Nikola als „komplexer Betrug“ gewertet und Nikola-Gründer Trevor Milton als Elisabeth Holmes von grünen Automobilen bezeichnet. Der Bericht betont, dass der Betrug von großem Ausmaß war: Partnerschaften mit großen Filialisten wie Walgreens und Experten auf der ganzen Welt waren Teil dessen.

Holmes wartet derzeit auf einen Prozess wegen kriminellen Betrugs in Bezug auf das Diagnostikunternehmens Theranos, das Ergebnisse für viele Labortests vor Ort durchführen sollte. Berichten zufolge sollen  „Geisteskrankheiten“ die Ursache für das Fehlverhalten sein.

In ähnlicher Weise deuten die Untersuchungen darauf hin, dass es sich bei den Technologien von Nikola hauptsächlich um heiße Luft handelte. Die Presse berichtete über die bahnbrechende Technologie. Eine Prüfung ergab jedoch, dass die öffentliche Erklärung und die Pressemitteilungen des Unternehmens nicht wahr sind.

Marktkräfte

Natürlich brach Nikolas Aktie nur zwei Tage nach ihrem kometenhaften Aufstieg ein. Bis zum 14. September notierte die Aktie bei 28 USD, was etwa der Hälfte ihres Hochs vom 8. September von 54 USD entspricht. Die Aktie muss noch das Niveau von vor der Partnerschaft aufarbeiten.

Gründer Trevor Milton ging in die Defensive und bezeichnete Hindenburgs Bericht als „Hit Job“. Es ist legal Leerverkäufe zu tätigen, wenn negative Nachrichten im Rahmen unabhängiger Forschung entdeckt werden. Er implizierte, dass der Bericht durch Preismanipulationen und nicht durch Whistleblowing motiviert war.

Das falsche Imperium schlägt zurück

Nach der Veröffentlichung des Berichts versprach Nikola eine offizielle Antwort, die etwa zehn Tage auf sich warten ließ und nur weitere Fragen aufwarf. Zum Beispiel behauptete Hindenburg Research, dass ein Lastwagen in einem Werbevideo, das seinen grünen Energiemotor demonstrierte, überhaupt nicht fuhr, sondern einen Hügel hinunterrollte.

Als Antwort erklärte Nikola, dass der Lastwagen nicht fuhr, behauptete jedoch auch, dass zu keinem Zeitpunkt im Video darauf hingewiesen wurde, dass das Semi tatsächlich „aus eigenem Antrieb“ gefahren sei.

Die Erklärung des Autoherstellers kam auch, bevor die Financial Times berichtete, dass Nikola die Entwicklung seiner „bahnbrechendenBatterie ausgelagert habe. Das Unternehmen sagt, dass sie in ihrer offiziellen AntwortFehlaussagen aufgeklärt hätten“. Aber es gibt kein Statement hinsichtlich späterer Enthüllungen.

Unabhängige Analysten zweifeln an Nikola

In einem Post, der drei Monate vor dem GM-Deal datiert, legte der Reddit-Benutzer Radiokali mehrere Gründe für einen möglichen Betrug durch das Unternehmen dar. Der Post ging online, nachdem der Aktienkurs in weniger als vier Tagen von 35 USD auf fast 80 USD gestiegen war.

Die Ankündigung für mögliche Reservierungen für den Einzelhandel Badger Truck löste diesen Kursspurng aus. Radiokali zeigte sich skeptisch. Die Anschuldigungen waren größtenteils Indizien. Aber sie weisen darauf hin, dass Milton extravagante Erfolgsansprüche und extravaganten Reichtum hat, obwohl er nie direkt ein Produkt hergestellt hat.

Während Nikola-Befürworter überall zu finden waren, muss man den Subreddit r/RealNikola besuchen, um Nikola-Kritiker zu finden.

Ooh La Tes-La

Ein Reddit-Beitrag in diesem Forum beschuldigt Milton, nur ein Nachahmer von Elon Musk zu sein. Natürlich ist der Name des Unternehmens, Nikola, nur der Vorname des Namensgebers des Elektrofahrzeugherstellers Tesla, Nikola Tesla. Aber Milton ist noch weiter gegangen, hat sich oft mit Elon Musk, dem CEO von Tesla, verglichen.

Besonders hervorzuheben ist ein Forbes-Interview. Darin behauptete Trevor Milton, dass Tesla-Fans Nikola liebten, dass Nikola ein Pionier im Trucking war und Tesla sie kopierte, nicht umgekehrt. Milton machte viele andere derartige Behauptungen ohne Beweise.

Die Behauptungen des CEO sind größtenteils unbegründet. Klar ist, dass Trevor Milton wohlhabend ist. Ein Milliardär und dennoch kaum mehr als ein einziger Hype (zumindest während seiner Amtszeit bei Nikola). Der Autohersteller hat derzeit noch keine Fahrzeuge verkauft und sicherlich kein emissionsfreies Fahrzeug, wie die Website behauptet.

Auch wenn Miltons Aussagen wahr waren, sind die Parallelen zu Tesla und Elon Musk ein wenig übertrieben. Niemand kann im Jahr 2020 eine Universität gründen, sie als „New Harvard University“ bezeichnen und dann behaupten, dass New Harvard an erster Stelle stand. Zumindest nicht ohne Verdacht zu erregen.

Die Strategie funktioniert jedoch. In vielen Artikeln wird gefragt, ob Nikola „der nächste Tesla“ ist. Und einige schlagen sogar vor, dass es sich bei der Technologie um unechtes Vaporware handelt. Nikola profitiert vom Erfolg von Tesla, da die Anleger Tesla-ähnliche Gewinne erzielen möchten (400 % seit Jahresbeginn).

Mainstream-Neinsager

Die SEC und eine Gruppe unabhängiger Anwälte untersuchen derzeit Nikola auf Betrug. Der Investor und Hedgefonds-Manager Whitney Tilson (der den Fall genau verfolgt hat) schrieb in einem Newsletter:

Ich bin zuversichtlich, dass General Motors (GM) die in der vergangenen Woche angekündigte Partnerschaft mit Nikola beenden wird, dass die Aktien von Nikola zusammenbrechen und Milton wegen Wertpapierbetrugs hinter Gittern landen wird.

Wenn die Behauptungen wahr sind, wirft dies die Frage auf, warum niemand die Komplikationen kommen sah. Und warum haben Großinvestoren, die angeblich hervorragende Geschäftsanalysten sind, Milliarden in ein betrügerisches Unternehmen gesteckt?

Eine Antwort ist, dass sie es kommen sahen. Wie Skeptiker in Reddit und anderswo darlegen. Ein Redditor hatte eine aufschlussreiche Antwort darauf, warum niemand Nikola untersucht hatte, bevor die Dinge außer Kontrolle gerieten. Freespirit Running sagte:

Der Markt hat keine Emotionen. Geld ist Geld. Es interessiert niemanden, dass dieser Typ eine 35-Millionen-Dollar-Villa hat, die mit gestohlenem Investorengeld finanziert wird, wenn er nur 10.000 – 100.000 Dollar investiert. Es wird niemanden interessieren, dass der LKW heiße Luft war, wenn sie ihren neuen Tesla fahren.

Diese Art von mutmaßlichem Betrug erinnert an den Kryptoraum und die Altcoin-Verkäufe. Unternehmen erstellen Websites mit falschen Versprechungen, um Investitionen abzugreifen. Dieser Schlag gegen Nikola deutet darauf hin, dass die Kluft zwischen traditionellen Finanz- und Kryptounternehmen nicht allzu groß ist.

Inzwischen hat Milton die fallenden Aktien aufgekauft. Die ersten Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeuge von Nikola sollen 2022 auf die Straße kommen.

Im Verlauf der Geschichte fällt es Trevor Milton schwerer, Schritt zu halten. Am 21. September trat er als CEO von Nikola zurück und löschte am 22. September seinen Twitter-Account.

Im Rahmen seines Exit-Deals musste Milton am vergangenen Freitag 166 Millionen USD abgeben, berichtete CNBC, aber er durfte 3,1 Milliarden USD behalten.

 

Auf Englisch geschrieben von Harry Leeds, übersetzt von Alexandra Kons

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