Warum wir die Blockchain brauchen, um unseren Planeten zu retten – und zwar schnell

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IN KÜRZE
  • Viele Umweltschützer kritisieren Bitcoin und die Blockchain-Technologie wegen deren Auswirkungen für die Umwelt.

  • Doch sind die Auswirkungen wirklich so schlimm?

  • Dabei bieten die neuen Technologien zahlreiche Möglichkeiten, echten Umweltschutz zu optimieren.

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Das derzeitige System für die Ausgabe von umweltbezogen Assets wie Emissionszertifikate ist übermäßig langsam und teuer: Die Blockchain wird die Effizienz bringen, die wir dringend brauchen, um unseren Planeten zu retten, sagt Luis Adaime, der Mitbegründer und CEO von Moss.

In einer kürzlich veröffentlichten Erklärung verkündete Greenpeace (auf ziemlich reißerische Weise), dass “Bitcoin die Klimakrise anheizt”. Eine Änderung des Bitcoin Codes soll Problem lösen, so Greenpeace. Das ist alles jedoch etwas übertrieben: Beim Bitcoin-Mining werden jährlich 114 Millionen Tonnen emittiert. Das sind 0,15 % der weltweiten Emissionen (im Vergleich: 1,4 Milliarden entstehen bei unserer jährlichen Internetnutzung).

Wie ich in meiner vorherigen Kolumne dargelegt habe, sind die Emissionen des Bitcoin-Minings pro Vermögenswert minimal. Und der Ausgleich ist mit minimalen Kosten von 0,05 % pro Vermögenswert verbunden. “Proof of Stake”-Assets wie Celo und Polygon verursachen 99 % weniger Emissionen als Ethereum.

Halten wir also fest, dass die Emissionen oder Umweltauswirkungen der Blockchain minimal und irrelevant sind. Erörtern wir nun, warum der Einsatz der Blockchain für die Rettung des Planeten so wichtig ist.

Das globale Umweltdienstleistungssystem ist archaisch, analog, manuell gesteuert und ineffizient. Der Umweltsektor ist einer der wenigen Sektoren, der noch nicht von der Technologie überrollt wurde. Betrachten wir zum Beispiel die Ausstellung und Überprüfung von Emissionsgutschriften für vermiedene Entwaldung. Globale Register legen auf der Grundlage wissenschaftlicher Arbeiten ein Protokoll (eine Liste von Anforderungen) fest und erheben zur Finanzierung ihrer Tätigkeit eine Gebühr pro erzeugtem Kohlenstoffkredit.

Waldeigentümer oder Befürworter von Naturschutzprojekten beauftragen ein Beratungsunternehmen, das sogenannte Zertifizierungsunternehmen, das bei der Erstellung eines Dokuments, des sogenannten “PDD” (Project Design Document), behilflich ist. Das PDD muss mehrere Analysen zu den Merkmalen des Gebiets, wie z.B. Artenvielfalt und Niederschlagsmenge, enthalten, vor allem aber die Prognosen für die vermiedenen Emissionen, die durch den Schutz dieses spezifischen Gebiets entstehen.

Das Konzept basiert auf der Tatsache, dass die Hälfte eines Baumes aus Kohlenstoffatomen besteht. Wenn man also einen Wald schützt, schützt man einen großen Bestand an Kohlenstoff und vermeidet Emissionen. Wenn man einen Baum verbrennt, werden die Kohlenstoffatome in den Zellulosemolekülen des Baumes in Form von CO2, CH4 (Methan) und anderen Schadgasen an die Atmosphäre abgegeben. Experten schätzen, dass 20 % der weltweiten Emissionen auf das Abholzen und Verbrennen unserer Wälder zurückzuführen sind. Wenn wir also aufhören, unsere Wälder abzubrennen, werden wir die weltweiten Emissionen um ein Fünftel reduzieren. Wenn die Menschen durch den Verkauf von Emissionsgutschriften bezahlt werden, verdienen sie Geld mit der Erhaltung der Wälder. Damit können sie einen wirksamen Beitrag zur Rettung des Waldes leisten.

Blockchain
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So erstaunlich es auch klingen mag, der Großteil der von diesen Beratern durchgeführten Analysen wird immer noch von Hand auf Arbeitsblättern erstellt.

Die Festlegung der Baseline, also des Vergleichsmaßstabs für die Schutzmaßnahmen im Wald, ist subjektiv und variiert von Fall zu Fall stark. In vielen Fällen besuchen die Forstingenieure das Projekt mehrmals, bevor sie ihre Analyse abschließen. Oft messen sie die Baumstämme mit einem Maßband.

Sobald das PDD fertig ist, wird es (manuell) von einer zuvor beauftragten Prüfungsgesellschaft geprüft. Schließlich wird das Dokument erneut zur (manuellen) Überprüfung durch das Register eingereicht. Diese Art des Arbeitens ist nicht nur kostenintensiv, sondern auch zeitintensiv. Es dauert drei Jahre und kostet mehr als 700.000 US-Dollar, um ein Gebiet zu zertifizieren, unabhängig von dessen Größe.

Dieser Prozess hat sich in den letzten 20 Jahren nicht wesentlich verändert. Und die Effizienz, die die Blockchain für dieses oben beschriebene Verfahren mit sich bringt, ist gewaltig. Zunächst einmal haben die globalen Register 3 Funktionen:

  • Protokolle erstellen
  • Dann überprüfen sie die Daten und zertifizieren den Prozess der Kohlenstoffzertifikate
  • Anschließend verwalten sie die Datenbank und erheben eine (saftige) Gebühr für die Registrierung der Transaktionen

Nun, der letzte Teil ist durch Blockchain vollständig ersetzbar.

Das ist einer der Hauptgründe für die Schaffung der Blockchain: Die Registrierung von Transaktionen auf sichere, transparente und kostengünstige Weise. Es gibt absolut keinen Grund für etablierte Register, eine Off-Chain-Datenbank zu betreiben (und für diesen Service überhöhte Gebühren zu verlangen).

Gegenwärtig basiert das System auf der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen dieser Registrierungsstellen, die die Datenbanken betreiben. Da diese jedoch eine sehr veraltete Technologie verwenden, sind sie anfällig für menschliche Fehler, Hackerangriffe, Stromausfälle usw. Die Blockchain ermöglicht eine permissionless und anonyme, dezentrale Verwaltung solcher Informationen und Transaktionen. Und das Beste daran ist, dass sie das Risiko der “Doppelverwendung” ausschließt.

Carbon Offsets (gleichbedeutend mit Kohlenstoffgutschriften) haben in der Vergangenheit einen schlechten Ruf gehabt. Nicht zuletzt, weil sie mehr als einmal verwendet oder mehr als einmal verkauft wurden. Oder weil sie verkauft wurden, ohne dass ein Projekt dahinter stand. Diese Probleme kann die Blockchain-Technologie lösen.

Man kann heute die verschiedenen Datensätze, wie z.B. Satellitenbilder, in die Blockchain einspeisen, wodurch die Prüfung der Richtigkeit der Daten überflüssig wird. Letztendlich sind Zertifizierungsprotokolle nichts anderes als Algorithmen (eine Reihe von Regeln), bei denen man auf der einen Seite Daten eingibt und auf der anderen Seite potenzielle Kohlenstoffgutschriften als Ergebnis erhält. Heutzutage, insbesondere im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, der optischen Zeichenerkennung und der Automatisierung durch Codierung, muss nichts von dieser Arbeit der Zertifizierung von Prozessen und Protokollen von Hand gemacht werden. Tatsächlich haben viele Institutionen wie NCX Restor und Nori damit begonnen, digitale Datenbanken und künstliche Intelligenz für die Bestimmung und sofortige automatische Ausstellung von Emissionsgutschriften zu nutzen.

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Planet Erde: DAOs auf dem Vormarsch

Die beste und sinnvollste Nutzung von Blockchain und Web 3.0 ist schließlich die Festlegung des Protokolls. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir diesen Prozess über eine DAO, eine dezentralisierte autonome Organisation, abwickeln sollten.

Die Nutzung der Blockchain-Governance in einer DAO würde es den verschiedenen Interessengruppen ermöglichen, das Protokoll zu formen, und zwar auf kollaborative, quelloffene Weise, im Gegensatz zu dem undurchsichtigen und unglaublich langsamen Verfahren, das von den etablierten Akteuren angewandt wird.

Wenn der Prozess der Festlegung der Regeln für die Ausgabe für alle offen und öffentlich wäre, mit dem Vorteil einer dynamischen Governance, anstatt hinter verschlossenen Türen von Ausschüssen, die auf politische oder unklare Weise gewählt wurden, würden wir die Schaffung von Emissionsgutschriften wahrscheinlich legitimieren und dem System viel mehr vertrauen.

Über die Blockchain können wir den Prozess der Ausstellung von Kohlenstoffgutschriften und der Vergütung von Naturschutzmaßnahmen schnell, kostengünstig und glaubwürdig gestalten. Und wir können die kleinen Naturschutzprojekte erreichen, die vom System ausgeschlossen wurden. Hoffen wir, dass die Welt dies noch rechtzeitig erkennt, damit wir die Welt retten können.

Über den Autor

Luis Adaime ist der Mitbegründer und CEO von Moss. Luis arbeitete von 2012 bis 2019 als Portfoliomanager und Partner für Latam Equities Long-only-Fonds bei Newfoundland Capital Management. Zuvor war er Managing Director bei York Capital Management, wo er als Portfoliomanager für die Investitionen des Unternehmens in Lateinamerika zuständig war. Vor seiner Tätigkeit bei York war Luis Partner bei BRZ, einem brasilianischen Hedgefonds, wo er als Rohstoffanalyst und Portfoliomanager für die Value- und Long/Short-Fonds des Unternehmens tätig war. Luis begann seine Karriere als Research Associate für lateinamerikanische Finanzinstitutionen bei der Credit Suisse und wechselte später zum bankeigenen Desk in São Paulo. Luis hat einen B.Sc. in Management Science and Engineering mit Nebenfach Wirtschaft von der Stanford University und schloss sein Studium an der Phillips Academy, Andover, mit Auszeichnung ab. Er ist gebürtiger Brasilianer und spricht fließend Englisch, Portugiesisch und Spanisch.

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Alex hat ihren Bachelor in Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert, danach Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut studiert und ihren Master in Arabistik an der Freien Universität Berlin absolviert. Seit 2017 ist sie als Krypto-Journalistin tätig.

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