Der Blockchain-Ermittler ZachXBT hat ein abgestimmtes Netzwerk von mehr als zehn Accounts auf X (Twitter) aufgedeckt, die gezielt Panik über Krieg und Politik verbreiten, um Nutzer zu Memecoin- bzw. Kryptowährungs-Pump-and-Dump-Programmen zu locken. Zudem stellte er eine noch schärfere Frage: Was geschieht, wenn ein staatlicher Akteur die gleiche Methode anwendet?
Die Untersuchung zeigt eine organisierte Infrastruktur hinter Accounts, mit denen Millionen von X-Nutzern täglich interagieren, ohne zu wissen, dass die Inhalte erfunden sind.
So gehen Memecoin-Betrüger vor
Laut Berichten kaufen die Betreiber bestehende Accounts mit vorhandener Follower-Anzahl, setzen KI-generierte Persönlichkeiten ein und veröffentlichen mehrfach am Tag sensationelle Beiträge zu Krieg und Politik.
Verbundene Accounts verbreiten gegenseitig ihre Inhalte, um die Reichweite zu vergrößern, und bringen erfundene oder übertriebene Geschichten auf Millionen von Aufrufe.
Ein Beispiel-Account, @wanglaurentceo, nutzte einer Aussage von ZachXBT zufolge KI, um ein gefälschtes asiatisches Gegenstück zur bekannten X-Persönlichkeit Mario Nawfal zu erstellen.
Größere Accounts steigern unbewusst die Reichweite der Inhalte, indem sie kommentieren oder zitieren. Im Hintergrund wird das Netzwerk genutzt, um Krypto-Betrug zu bewerben.
ZachXBT konnte durch Daten auf der Blockchain nachweisen, dass alle zehn Accounts am 22. Februar 2026 den Token $ORAMAMA beworben und ihn danach nie wieder erwähnt haben. Er schätzt, dass der Betrug einen Gewinn im sechsstelligen Bereich einbrachte.
Kurz nach der Veröffentlichung blockierten alle elf Accounts gleichzeitig ZachXBT, was darauf hindeutet, dass ein einziger Betreiber das gesamte Netzwerk steuert.
Warnung vor Nationalstaaten
ZachXBTs größte Sorge betrifft jedoch nicht nur Krypto-Betrug. Er sagte, es sei „beängstigend, über die Folgen nachzudenken”, wenn nicht ein Memecoin-Betrüger, sondern ein staatlicher Akteur dieselbe Methode anwenden würde.
Dafür ist nur wenig Infrastruktur nötig. Erworbene Accounts, KI-generierte Beiträge sowie koordinierte Verbreitung sind günstig und einfach umsetzbar.
Er forderte Plattform-Sperren und rechtliche Konsequenzen für koordinierte Manipulation, da solche Propaganda von Netzwerken täglich X-Nutzer erreicht.
ZachXBT empfiehlt, immer die letzten Beiträge sowie Details eines Accounts zu prüfen, bevor man mit Inhalten interagiert, da KI-gestützter Spam in sozialen Netzwerken sehr verbreitet ist.
Die Untersuchung baut auf ZachXBTs früherer Enttarnung eines Fake-Accounts namens „Rashid bin Saeed” auf, der erfundene iranische Militärlisten gepostet hatte, um Engagement für ähnliche Betrügereien zu generieren.
Dieser Fund deutet darauf hin, dass das koordinierte Netzwerk größer sein könnte als die bisher identifizierten elf Accounts.