Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch den Leitzins um einen Viertelpunkt erhöht, zum ersten Mal seit 2023. Dennoch ist der Bitcoin-Kurs (BTC) gestiegen, obwohl viele lange davon ausgingen, dass eine straffere Geldpolitik Risiko-Vermögenswerte belastet.
Die Märkte hatten den Schritt schon seit Tagen erwartet. Diese Lücke zwischen Erwartung und Reaktion erklärt den Großteil der Kursentwicklung am Mittwoch, ist aber nicht die ganze Erklärung.
Der Zinsschritt war bereits eingepreist
Futures auf den Leitzins zeigten die Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung wenige Stunden vor der FOMC-Entscheidung laut BeInCrypto bei 92,7%. Trader hatten sich darauf bereits frühzeitig eingestellt.
Bitcoin fiel kurz vor der Entscheidung auf etwa 75.350 USD, stieg dann aber innerhalb weniger Minuten nach der Veröffentlichung über 76.100 USD. Nach Börsenschluss in den USA lag er zwischenzeitlich bei 76.500 USD und pendelte sich schließlich bei rund 76.138 USD ein.
Untersuchungen zu früheren Zinszyklen der Fed zeigen ein ähnliches Muster. Trader, die sich schon vor der Ankündigung positionieren, reagieren auf die tatsächliche Entscheidung oft kaum oder nutzen sie sogar für Kursgewinne.
Eine straffere Überraschung hätte stärker geschadet
Scott Melker, Moderator von Yahoo Finance’s Daily Wolf, meint, dass eine glaubwürdige Einmal-Erhöhung die langfristigen Renditen beruhigen kann, statt die Märkte zu verunsichern. Wichtig sei, dass Vorsitzender Kevin Warsh keinen längeren Zyklus weiterer Straffungen andeute.
Aktualisierte Prognosen der Fed zeigen: 16 von 18 Entscheidern rechnen mittlerweile mit einer weiteren Anhebung bis Jahresende, deutlich mehr als noch 9 im Juni. Dennoch verlief die Entscheidung mit einstimmigem Ergebnis von 12:0, und die Stellungnahme der Fed war eher zurückhaltend formuliert.
Auch Gold zeigte ein ähnliches Verlaufsmuster. Die Spotpreise stiegen nach der Veröffentlichung kurzfristig auf 4.360 USD, fielen dann aber wieder und pendelten sich zwischen 4.280 und 4.300 USD ein. Diese Bewegung deutet eher auf schnelle Gewinnmitnahmen als auf echte Sorge hin.
Krypto-spezifische Faktoren bestimmen das Kursgeschehen
Die US-Notenbank ist diese Woche nicht der einzige Preistreiber. Bitcoin und XRP waren bereits nach dem Scheitern des CLARITY Act im US-Senat gefallen, ein Gesetz, das regeln sollte, welche Behörde für digitale Vermögenswerte zuständig ist.
Allein dieser Rückschlag führte zu Liquidationen von gehebelten Positionen im Wert von über 300 Millionen USD. Bitcoin- und Ether-ETFs verloren am 15. September zusammen 592 Millionen USD durch Nettoabflüsse, der schwächste Einzel-Tag seit Monaten.
Der breite Kryptomarkt unter den Top 10 zeigte sich zudem uneinheitlich, nicht überall bullisch. Zcash (ZEC) legte in sieben Tagen über 20% zu, während XRP nachgab – ein Hinweis darauf, dass Altcoin-spezifische Narrative das große makroökonomische Umfeld manchmal vollständig ausblenden.
Da 16 Entscheidungsträger für dieses Jahr eine weitere Zinserhöhung anvisieren, steht der nächste echte Test für Krypto möglicherweise nicht bei der nächsten Fed-Sitzung an. Vielmehr könnte entscheidend sein, ob die Debatte um den CLARITY Act bis dahin wieder aufgenommen wird.









