Der Zuckerpreis ist in den vergangenen fünf Wochen um fast 30% gestiegen. Am Donnerstag erreichte er mit 18,15 US-Cents je Pfund den höchsten Stand seit April 2025.
Die Rallye begann am 3. August bei 13,97 US-Cents. Sie wurde durch drei Angebotsschocks ausgelöst, zudem haben spekulative Fonds den Anstieg verstärkt.
Warum der Zuckerpreis stark steigt
Brasilianische Zuckerfabriken haben Zuckerrohr von der Zuckerproduktion auf Ethanol umgestellt. Brent-Öl liegt bei fast 94 USD pro Fass, daher lohnt sich Kraftstoff mehr. Die Schließung von Hormuz hält die Energiekosten weiter hoch. Viele Fabriken hatten zu Beginn der Saison weniger als die Hälfte ihrer Produktion abgesichert und reagierten schnell. Im Zentrum-Süd von Brasilien sank die Zuckerproduktion im Juni laut UNICA um 26,3% gegenüber dem Vorjahr.
Indien ist inzwischen zum Käufer geworden. Neu-Delhi verbot im Mai Exporte, erlaubte aber bis zum 31. Oktober zollfreie Rohzucker-Importe von 1 Million Tonnen. Es ist der erste größere Einkauf seit der Saison 2017/18. Die Inlandspreise stiegen auf ein 16-Jahres-Hoch, außerdem begrenzte die Regierung den Lagervorrat der Großabnehmer auf 15 Tage.
Auch die Prognosen für den globalen Markt haben sich geändert. Green Pool erwartet für 2026/27 ein Defizit von 3,2 Millionen Tonnen, StoneX rechnet mit 1,7 Millionen Tonnen. Noch im Juni gingen Covrig Analytics und Czarnikow von Überschüssen aus.
Czarnikow sagt nun für 2027/28 ein weiteres Defizit voraus. Ein starker El Niño erhöht zudem das Risiko für Zuckerrohr in Indien und Thailand, worauf Goldman bereits im Juni hingewiesen hatte.
Technische Analyse: Zuckerpreis im Blick auf 19,48 US-Cents
Der Wochen-Chart zeigt eine Gegenbewegung zum Rückgang von 23,38 US-Cents. Im August überschritt Zucker das 0,236-Fibonacci-Level bei 15,58 US-Cents, das nun als mögliche Unterstützung dient.
Der Kurs liegt aktuell am 0,5-Retracement bei 18,28 US-Cents. Am Donnerstag erreichte er kurzzeitig 18,58 US-Cents, fiel jedoch wieder zurück, sodass der Widerstand zunächst gehalten hat.
Ein Wochenschlusskurs über 18,28 US-Cents würde das 0,618-Retracement bei 19,48 US-Cents ansteuern. Dieser Bereich überschneidet sich mit dem fallenden 200-Wochen-Durchschnitt, wodurch er als starker Widerstand gilt. Darüber liegt das 0,786-Niveau bei 21,20 US-Cents.
Auf der Unterseite bietet das 0,382-Retracement bei 17,08 US-Cents die erste Unterstützung. Bei einer tieferen Korrektur würde 15,58 US-Cents erneut getestet werden.
Das Handelsvolumen ist in den vergangenen drei Wochen stark gestiegen, was auf Überzeugung hinter dem Ausbruch hindeutet. Auch der wöchentliche RSI steht nun so hoch wie seit April 2023 nicht mehr. Daher spricht das Momentum aktuell für die Rohstoff-Bullen.
Verwaltetes Geld hielt Ende August netto 207.100 Long-Kontrakte, der höchste Stand seit zwei Jahren, nachdem im Mai noch Netto-Short-Positionen dominiert hatten. Allerdings könnte die hohe Positionierung jeden Richtungswechsel verstärken.









