Adam Back stellt die größte Behauptung zu Satoshis Bitcoin-Beständen infrage

  • Adam Back, Erfinder von Hashcash, kritisiert die Annahmen der Dokumentation über Bitcoin-Mining-Muster.
  • Er erklärt, das Patoshi-Muster wird mit zunehmender Zahl von Minern im Netzwerk unzuverlässig, wodurch Satoshi-verbundene Coins schwer zu identifizieren sind.
  • Back vermutet: Satoshi könnte Coins aus späteren, weniger eindeutig erkennbaren Mining-Aktivitäten verkauft haben.
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Adam Back, der Erfinder von Hashcash und eine prägende Persönlichkeit bei der frühen Entwicklung von Bitcoin, hat den neuen Satoshi-Nakamoto-Dokumentarfilm kritisiert, indem er dessen wichtigste technische Annahmen zu Mining-Mustern und dem Besitz von Bitcoin hinterfragt.

Backs ausführliche Antwort auf X nennt entscheidende Schwächen bei der Auswertung früher Mining-Daten und bei dem sogenannten Patoshi-Muster, das zur Schätzung von Satoshis Bestand verwendet wird.

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Das Patoshi-Muster-Problem

Der Dokumentarfilm stützt sich stark auf das Patoshi-Muster, eine statistische Analyse der Zeitstempel von Bitcoin-Blöcken, mit der Forscher glauben, von Satoshi geminte Blöcke erkennen zu können. Die Analyse legt nahe, dass Satoshi zwischen 500.000 und 1 Million Bitcoin kontrollierte, indem er etwa 20 bis 40 % der Blöcke im ersten Jahr schürfte.

Back hält diese Analyse jedoch für grundsätzlich unzuverlässig.

„Offensichtlich gab es viele andere Miner (60 bis 80 % der Hashrate oder sogar mehr, sogar im ersten Jahr)”, schrieb Back.

Mit dem Wachstum des Bitcoin-Netzwerks und dem Einstieg weiterer Teilnehmer wurde das Muster zunehmend undeutlicher und ist nicht mehr eindeutig nachweisbar.

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass mit zunehmender Miner-Beteiligung im Zeitverlauf die Zuordnung immer unklarer wurde und das Patoshi-Muster möglicherweise im Hintergrund untergeht. Daraus ergibt sich, dass der Dokumentarfilm möglicherweise übertreibt, wie genau frühes Mining bestimmten Personen zugeordnet werden kann.

Die fehlerhafte „Nie verkauft“-Annahme zu Satoshi

Kernthese des Dokumentarfilms ist die Annahme, dass Satoshi niemals einen Bitcoin verkauft hat, woraus abgeleitet wird, dass der Erfinder nicht mehr lebt.

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Dieses Narrativ geht davon aus, dass ein lebender Satoshi angesichts der außergewöhnlichen Kursentwicklung von 0 bis 100.000 USD pro Bitcoin Coins ausgegeben oder verkauft hätte.

Back widerspricht dieser Logik deutlich. Er stellt in Frage, ob das Patoshi-Muster tatsächlich beweisen kann, dass Satoshi alle diese Coins unberührt besitzt. Selbst wenn das Muster Satoshis frühes Mining korrekt identifiziert, ist damit nicht bewiesen, dass diese Coins tatsächlich nie bewegt wurden.

„Wenn Satoshi Coins verkauft hat, hätte er zuerst die neueren, zweifelhafteren Coins verkaufen können”, argumentierte Back.

Mit anderen Worten, Satoshi könnte gezielt Coins aus der späteren, undurchsichtigen Mining-Phase verkauft haben, als das Patoshi-Muster keine eindeutige Zuordnung mehr erlaubte.

Unstimmigkeiten beim Zeitablauf und technische Fehler

Back weist zudem auf unsaubere Zeitabläufe im Dokumentarfilm hin. Er verweist auf frühere Untersuchungen von Jameson Lopp, die belegen, dass Hal Finney während Satoshi zu Testzwecken Transaktionen verschickte, einen Marathon lief. Diese zeitgleiche Aktivität widerlegt die Finney-Theorie klar.

Back beschreibt die Herangehensweise des Films als vom „Gell-Mann-Amnesie-Effekt” geprägt: Kritische Gegenargumente werden ignoriert, sobald eine Theorie aufgestellt wurde. Als das Problem mit Finneys Zeitablauf thematisiert wurde, änderten die Filmemacher ihre Behauptung einfach auf Len Sassaman, ohne auf die Widerlegung ihres ursprünglichen Arguments einzugehen.

Zudem schließt der Dokumentarfilm durch Analyse von Forenbeiträgen zunächst alle Personen in EU-Zeitzonen aus und benennt später dennoch Sassaman, obwohl dessen Zeitzonen nicht passen, wie Back bemerkt.

All dies deutet darauf hin, dass der Dokumentarfilm ein festes Ergebnis im Voraus hatte und im Nachhinein Belege suchte, anstatt objektiv der Indizienlage zu folgen.

Die C++- und Windows-Probleme

Back hebt außerdem den entscheidenden Einwand hervor, den Cam und die Witwe von Len Sassaman äußerten. Sassaman konnte kein C++ und besaß nie einen Windows-Computer. Da der ursprüngliche Code von Bitcoin in C++ geschrieben wurde, ergibt sich daraus eine erhebliche technische Hürde.

Darüber hinaus war Sassaman zu Lebzeiten ein offener Kritiker von Bitcoin, was eine geheime Mitwirkung als Schöpfer äußerst unwahrscheinlich macht.

Bedeutung für das Rätsel um Satoshi

Backs Analyse löst das Satoshi-Rätsel zwar nicht endgültig, widerlegt aber die zentrale These des Dokumentarfilms Schritt für Schritt. Er argumentiert, dass frühe Mining-Daten von Bitcoin zu uneindeutig sind. Die Annahme „nie verkaufte Coins” ist unbegründet. Sie ermöglicht keine sicheren Schlussfolgerungen zur Identität von Satoshi.

Die Debatte zeigt, wie schwierig es ist, Satoshis Identität ausschließlich durch technische Untersuchungen zu beweisen. Selbst die fortschrittlichste Musteranalyse verliert mit wachsender Teilnehmerzahl im Netzwerk und fortschreitender Dezentralisierung an Genauigkeit.

Nach dem Misserfolg des Dokumentarfilms wurden weitere Kandidaten wie Nick Szabo erneut diskutiert. Einige Forscher meinen, das Rätsel werde wohl ungelöst bleiben, solange Satoshi sich nicht freiwillig offenbart oder neue Beweise auftauchen.


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Haftungsausschluss

Dieser Artikel zielt darauf ab, genaue und aktuelle Informationen zu liefern. Den Lesern wird jedoch empfohlen, die Fakten unabhängig zu überprüfen und einen Fachmann zu konsultieren, bevor sie auf der Grundlage dieses Inhalts Entscheidungen treffen.

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