JPMorgan Chase, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs veröffentlichen am 14. Juli ihre Quartalszahlen zum zweiten Quartal. Analysten erwarten bei allen vier Banken höhere Umsätze und Gewinne als im Vorjahr, obwohl der Krieg im Iran und die anhaltend hohe Inflation die Märkte belasten.
Die Zahlen erscheinen, während Investoren nach Hinweisen suchen, ob die US-Wirtschaft geopolitische Schocks und hohe Zinsen verkraften kann. Die Aussagen der Führungskräfte zu Kreditvergabe, Handel und Übernahmen werden das Sentiment für den weiteren Verlauf der Berichtssaison prägen.
Warum diese Quartalszahlen wichtig sind
Die vier Banken berichten in einem Umfeld mit hoher Volatilität: Erneute Kämpfe im Iran haben die Ölpreise steigen lassen, und die Inflation bleibt hartnäckig. Allerdings hat die US-Notenbank dieses Jahr die Zinsen noch nicht gesenkt, sodass die Kosten für Kredite sowohl für Verbraucher als auch für Unternehmen hoch bleiben.
Fed-Chef Kevin Warsh tritt diese Woche auch vor dem Kongress auf. Das ist noch ein zusätzlicher Faktor für die Märkte, die ohnehin bereits die Bankzahlen verarbeiten müssen.
Jay Woods, Chef-Marktstratege bei Freedom Capital Markets, sagte, ein positiver Ton der Bank-Führungskräfte könne verändern, wie Investoren die Gesamtwirtschaft sehen.
„Sollten die Banken ein positives Bild zeichnen und die Kreditqualität weiterhin stark bleiben, könnte das das Narrativ verstärken, dass die Wirtschaft widerstandsfähiger ist, als viele erwartet hatten.”
Was Analysten von den einzelnen Banken erwarten
Analysten gehen davon aus, dass JPMorgan am stärksten wachsen wird: Der Umsatz soll um fast 14% auf 51,1 Milliarden USD steigen. Das Wachstum kommt vor allem aus dem Bereich Vermögensverwaltung.
Goldman Sachs dürfte einen Umsatzanstieg von 11% und einen Gewinnsprung von 26% erzielen. Bei Bank of America sollte der Umsatz um mehr als 16% zulegen, während Wells Fargo – die schwächste Bank der Gruppe in diesem Jahr – voraussichtlich nur um 5% wächst.
Starke Quartalszahlen der Banken in dieser Woche würden ein beruhigendes Signal für den Gesamtmarkt senden. Banken stehen im Zentrum der Wirtschaft, daher zeigen hohe Gewinne, dass Verbraucher weiterhin ausgeben, Unternehmen Kredite aufnehmen und die Kreditqualität trotz Krieg im Iran und hoher Inflation stabil bleibt.
Für Anleger könnte das generell für mehr Zuversicht an den Aktienmärkten sorgen, da die Ergebnisse der Banken oft die Richtung für die restliche Berichtssaison vorgeben.
Allerdings gibt es nicht nur positive Aspekte. Steigende Einlagenkosten und Druck auf die Margen bei Krediten bedeuten, dass Banken künftig mehr Einsatz für gleiche Gewinne zeigen müssen. Diese Dynamik könnte sich später auch in höheren Kreditzinsen oder Kontogebühren für Privatkunden bemerkbar machen.
Das Risiko hinter dem Optimismus
Michael Wilson, Stratege bei Morgan Stanley, weist darauf hin, dass Banken das Wachstum bei Krediten mit teureren Einlagen finanzieren. Diese Entwicklung könnte die Gewinne bis 2027 weiter unter Druck setzen und zu leicht geringeren Gewinnprognosen führen.
Dennoch ist die Bilanz der Branche derzeit außergewöhnlich stark. Tom Michaud, CEO von KBW, rechnet mit einer sogenannten Eigenkapitalquote von 9,7% bis Ende 2027. Das wäre über 50% höher als vor der Finanzkrise 2008. Banken könnten diesen Puffer nutzen, um Dividenden zu erhöhen, eigene Aktien zurückzukaufen oder Übernahmen umzusetzen.
Die Zahlen am Dienstag geben die Richtung für eine ereignisreiche Berichtswoche vor, in der auch große Tech- und Konsum-Unternehmen berichten. Ob das Wachstum der Banken auch unter Inflation und geopolitischem Risiko Bestand hat, bleibt die entscheidende Frage an den Märkten.









