DeFi Daily: Ist das Lightning Network gescheitert?

Artikel teilen
IN KÜRZE
  • Roger Ver greift auf Twitter das Lightning Network mit einem schlechten Vergleich an.

  • Binance arbeitet an einer weiteren Annäherung zwischen CeFi und DeFi.

  • Uniswap knackt als erste DeFi-Plattform die Grenze von zwei Milliarden US-Dollar.

  • promo

    Weitere Nachrichten und Updates teilen wir in unserer Telegram Gruppe. Trete uns bei und erhalte täglich Handelsideen und Analysen zu Kryptowährungen!

Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Im März 2018 ging das Lightning Network live. Seitdem hat sich Bitcoins Layer 2 Skalierungslösung eher verhalten entwickelt.

Laut DeFiPulse hält das Lightning Network derzeit eine Gesamtsumme von nur 1.100 BTC. Das entspricht nicht einmal 0,01 % des gesamten Umlaufvermögens von Bitcoin.

Ver: Lightning Network ein “totaler Fehlschlag“

Roger Ver, der Initiator hinter Bitcoin Cash nahm die niedrige Gesamtkapazität von des Lightning Networks zum Anlass, auf Twitter einen Seitenhieb gegen den Konkurrenten auszuteilen. Er meinte, das TVL von Wrapped Bitcoin, welches über einhundert mal so groß ist wie das des Layer 2 Netzes würde beweisen, um was für einen Fehlschlag es sich beim Lightning Network handeln würde.

Ein schlechter Vergleich. Schließlich handelt es sich bei Wrapped Bitcoin nicht um eine Skalierungslösung. Dazu kommt dass das hohe Interesse an in ERC-20 Tokens verpackten Bitcoins stark durch den DeFi-Sektor angetrieben wird.

Das Lightning Network vereinfacht wiederkehrende Transaktionen, besonders wenn es sich dabei um kleine Summen handelt. Das Geld bewegt sich dabei offchain über Zahlungskanäle miteinander verbundener Netzwerkknoten. Diese Aufgabe erfüllt das Netzwerk tadellos. Pro Sprung von einem Knoten zum nächsten fallen gerade einmal Transaktionsgebühren von einem Satoshi an. Sogar die Teilung von Satoshis ist möglich. Die Transaktionskapazität ist theoretisch unbegrenzt. In der Praxis soll das Netzwerk mindestens eine Million TPS schaffen.

Doch was nützen eine Million Transaktionen pro Sekunde, wenn fast gar keine Transaktionen anfallen? Zwar gibt es einige DApps die auf dem Lightning Network laufen, allerdings haben diese noch kaum Nutzer. Auch die deutlich überwiegende Mehrheit der Bitcoin-Transaktionen wird nach wie vor onchain durchgeführt. Die Nachfrage nach Lightning-Transaktionen lässt deutlich zu wünschen übrig. Dazu kommt ein hoher Grad der Zentralisierung, sowie mögliche Exploits, welche bereits nachgewiesen wurden. Insofern hat Roger Ver also Recht.

Hat das Lightning Network eine Zukunft?

Vergessen wir nicht, dass sich die Lightning-Technologie noch in der Experimentalphase befindet. Bis vor kurzem gab es noch starke Limitierungen für die einzelnen Knoten. Diese Limits betrafen wie viele Zahlungskanäle sie öffnen konnten, wie viele Bitcoins sie auf den Kanälen halten konnten und wie hoch die Transaktionen ausfallen durften. Aus diesem Grund waren Handelsplattformen noch sehr zurückhaltend was das Lightning angeht. Außer Bitfinex konnte sich bislang keine Börse für das Netzwerk begeistern. Mit dem jüngsten Wegfallen dieser Beschränkungen im August könnte sich das bald ändern.

Ausgerechnet die niedrigen Transaktionsgebühren waren auch ein Grund dafür, dass das Netzwerk nur wenige Knoten anziehen konnte. Es gibt mit DeFi und CeFi schlichtweg attraktivere Anlageformen für Bitcoin als das Lightning Network. Beim öffnen und schließen eines Zahlungskanals wird jeweils eine onchain Transaktion fällig, mitsamt Transaktionsgebühren. Daher lohnt sich der Betrieb eines Lightning-Knotens für Privatanwender in aller Regel nicht.

Gerade Börsen könnten jedoch einen starken Anreiz haben, Knoten in das Netzwerk einzubringen und somit günstigere Auszahlungen zu ermöglichen. Sie wären auch ideal dafür geeignet, zusammen mit anderen Börsen ein robustes Netzwerk von Zahlungskanälen aufzubauen. Bei der Abhebung von Bitcoin zu einer anderen Handelsplattform könnte dann automatisch das Lightning Network genutzt werden. Erst dann wird das Netzwerk seine volle Stärke ausspielen können und das Transaktionsaufkommen auf der Bitcoin Blockchain entlasten.

Venus: Ein Weiteres Projekt auf dem Binance Launchpool

Mit Venus Protocol startet Binance sein mittlerweile viertes Projekt über ihren Launchpool. Venus arbeitet an einer Kreditplattform auf der Binance Smart Chain. Dabei bringt Venus auch neben ihrem Governance Token (XVS) eine dezentrale Stablecoin (VAI) heraus. Nutzer des Launchpools können innerhalb der nächsten 30 Tage BNB, BUSD, oder SXP Tokens staken, um eine Auszahlung von XVS zu erhalten.

Insgesamt zeichnet sich der Trend ab, dass CeFi und DeFi langsam zusammenwachsen. Bei Binance handelt es sich natürlich um die weltgrößte Krypto-Börse, welche allerdings zentral von Binance-Chef Changpeng Zhao gesteuert wird. Neben dem reinen Handel mit digitalen Assets bietet die Börse auch eine zentralisierte Kreditplattform und einen automatischen Kursmakler für Stablecoins.

Trotzdem arbeitet Binance gleichzeitig an dezentralen Projekten wie der Binance Smart Chain, auf der mit Binance DEX auch ein dezentraler Ableger der Handelsplattform läuft. Kürzlich startete mit Panama ein Dienst auf Binance, mit dem man Assets von der Binance Chain wrappen und damit auf Ethereum und TRON übertragen kann. Mit Venus Protocol möchte Binance einen weiteren Schritt in die Richtung einer Zusammenarbeit zwischen DeFi und CeFi machen.

Uniswap wird erste DeFi Plattform mit zwei Milliarden Dollar

Mit ihrer Vampire Mining Attacke brachte SushiSwap Uniswap in Gefahr, ihren Status als größte Swap-Plattform zu verlieren. Nach dem Start ihres eigenen Governance Tokens zeichnete sich jedoch schnell ab, dass Uniswap die unangefochtene Nummer eins bleibt.

Nicht nur konnte Uniswap die gesamte Liquidität zurückgewinnen, welche SushiSwap durch ihre Migration abzog. Nun wurde Uniswap die erste DeFi-Plattform, welche die Grenze von zwei Milliarden US-Dollar in angelegtem Kapital durchbrach. Das Interesse an Uniswap lässt sich weitestgehend auf den UNI Token zurückführen, welcher derzeit noch für das Bereitstellen von Liquidität ausgezahlt wird.

Angelegtes Gesamtkapital von Uniswap. Quelle: DeFiPulse.

Die Auszahlung endet jedoch am 17. November. Danach werden die Anleger ihre Gelder vermutlich auf eine Plattform verschieben, welche höhere Erträge versprechen kann, sollte sich Uniswap nicht weitere Möglichkeiten einfallen lassen, um Anleger zu entlohnen.

Marktbericht

DeFiPulse berichtet derzeit ein Total Value Locked (TVL) von 11,22 Mrd. USD (+2,2 %). Der DeFiPulse Index steht bei 105,52 (+1,3 %).

Die größten DeFi-Plattformen sind derzeit Uniswap (2,11 Mrd., +2,1 %), Maker DAO (1,94 Mrd., +-0,0 %), Aave (1,61 Mrd., +6,5 %) und Curve Finance (1,22 Mrd., -4,2 %).

Laut CoinMarketCap haben Yield Farming Plattformen ein TVL von 4,06 Mrd. USD.  Die größten Plattformen sind Uniswap (1,69 Mrd.), Curve Finance  (618 Mio.), SushiSwap (402 Mio.) und yearn.finance (316 Mio.).

Stand: 29. September 2020, 1:51 Uhr.

Share Article

Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

MEHR ÜBER DEN AUTOR