Gold wird nahe 4.020 USD gehandelt, 28% unter seinem Rekord vom Januar von 5.598 USD und vor der Entscheidung der US-Notenbank am Mittwoch. Die Prognose für den Goldpreis im August 2026 hängt von zwei wichtigen technischen Marken ab.
Wöchentliche Momentum-Indikatoren zeigen nach unten, jedoch deutet die geringe Volatilität auf eine bevorstehende entscheidende Bewegung hin. Gleichzeitig gleicht die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken weiterhin starke Nettoabflüsse bei den ETFs aus.
Fed-Entscheidung am 29. Juli gibt die Richtung vor
Das Federal Open Market Committee (FOMC) verkündet seine Zinsentscheidung am Mittwoch, 29. Juli. Die CME FedWatch-Daten zeigen eine Wahrscheinlichkeit von 64,2% für eine Beibehaltung bei 350 bis 375 Basispunkten. Allerdings sehen Trader weiterhin eine Chance von 35,8% für eine Anhebung auf 375 bis 400.
Das Risiko einer Erhöhung bleibt also bestehen, obwohl alle 104 befragten Ökonomen der Reuters-Umfrage mit einer Beibehaltung rechnen. Die Inflation im Juni ging auf 3,5% zurück, der Kernwert lag bei 2,6%. Dennoch weigert sich US-Notenbankchef Kevin Warsh, seine Position zu lockern.
„Es gibt vielleicht einige, die auf die heutigen Daten schauen und sagen: ‚Alles geschafft, alles ist bestens.‘ Das ist nicht meine Sichtweise.”
Warsh äußerte diesen Kommentar nach dem Inflationsbericht für Juni, wie von CNBC berichtet.
Auch geopolitische Ereignisse beeinflussen den Kurs. Die Pause der US-Iran-Angriffe ließ den Ölpreis um etwa 6% sinken und dämpfte Inflationsängste. Sollte es in den Gesprächen erneut zu Spannungen kommen, könnten im August sowohl die Nachfrage nach sicheren Anlagen als auch der Zinsdruck wieder steigen.
ETF-Nettoabflüsse verlangsamen sich, während Zentralbanken weiter kaufen
Höhere Zinsen auf längere Sicht minderten die ETF-Nachfrage. In den USA notierte Goldfonds verzeichneten etwa 5,3 Milliarden USD monatliche Nettoabflüsse. Die rollierenden 90-Tage-Ströme schwankten von nahezu 30 Milliarden USD im Februar ins Negative. Rund 298 Tonnen ETF-Gold liegen jetzt bei Kursen um 4.000 USD im Minus.
Das untenstehende Diagramm zeigt jedoch, dass sich die Änderung der 30-Tage-Ströme Ende Juli wieder auf nahezu null einpendelt. Der Verkaufsdruck scheint abzunehmen, während der Kurs die Marke von 4.000 USD verteidigt.
Zentralbanken wirken dem entgegen. Sie kauften im ersten Quartal netto 244 Tonnen hinzu. Außerdem planen laut einer Umfrage des World Gold Council rekordverdächtige 45%, noch mehr Gold zu kaufen. Auch Fondsmanager bezeichneten Gold als am stärksten unterbewertet seit März 2023.
Wöchentliche Charts bestätigen bärischen Gold-Markt
Die wöchentliche Struktur begünstigt weiterhin Verkäufer. Gold hat im Juni die 0,382-Fibonacci-Umkehrzone zwischen 4.300 und 4.400 USD verloren, diese Zone wirkt jetzt als Widerstand. Der Kurs liegt aktuell auf dem 0,5-Retracement bei 3.943 USD, also innerhalb des Unterstützungsbereichs von 3.900 bis 4.000 USD.
Des Weiteren schloss Gold drei Wochen in Folge unterhalb der Mittellinie seines langfristigen Gauß-Kanals. Das bestätigt das bärische Signal, das Mitte Juli erstmals auftrat.
Der wöchentliche Relative-Stärke-Index (RSI) verstärkt das bärische Bild. Der Indikator durchbrach bereits Anfang Juni seine aufsteigende Unterstützungslinie seit September 2022. Aktuell zeigt er einen Wert von 37, den niedrigsten Stand seit Ende 2023. Zusammen mit einem Rückgang von 28% erfüllt dies die klassische Definition für einen Bärenmarkt.
Werte nahe 37 markierten in den Jahren 2022 und 2023 jedoch jeweils massgebende Tiefpunkte. Daher könnte das negative Momentum eher vor dem Ende als vor einer erneuten Beschleunigung stehen.
Goldpreis-Prognose hängt an der 3.900-USD-Unterstützung
Im Tages-Chart wird die Entscheidung auf eine enge Spitze komprimiert. Eine absteigende Widerstandslinie vom 5.598-USD-Hoch hat den Kurs bereits viermal abgewiesen. Diese Linie trifft nun mit der 3.900- bis 4.000-USD-Unterstützungszone zusammen. Zudem handelt Gold 10,4 % unter dem 200-Tage-Durchschnitt, der sich abgeflacht hat und nach unten zeigt.
Gleichzeitig zeigt der Bollinger Band Width Percentile (BBWP), dass die Volatilität abnimmt und sich zusammenzieht. Historisch geht einer solchen Kompression oft eine deutliche Kursbewegung in beide Richtungen voraus. Der Auslöser dürfte die FOMC-Entscheidung sein.
Wenn die Unterstützung hält und Gold die Trendlinie zurückerobert, liegt das erste Ziel in der 4.300- bis 4.400-USD-Widerstandszone. Das Erreichen des 0,382-Levels bei 4.333 USD entspräche einem Anstieg von rund 7,8 %. Die Prognose von JPMorgan für das vierte Quartal, nämlich 4.500 USD, liegt knapp über dieser Zone (siehe Quelle).
Umgekehrt würde ein Schlusskurs unter 3.900 USD das bullische Szenario zunichte machen. Die nächste Unterstützung findet sich dann am 0,618-goldenen Bereich nahe 3.552 USD, etwa 11,6 % unter dem aktuellen Kurs. Darunter liegt die Zone zwischen 3.300 und 3.400 USD.
August beginnt damit, dass Gold zwischen einer Trendlinie mit vier Berührungen und dem letzten wichtigen Support festhängt. Je nachdem, welche Marke zuerst bricht, dürfte sie das weitere Quartal bestimmen.









