Interview Teil II mit Jed Grant: Krypto Patente und die Open Crypto Alliance

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IN KÜRZE
  • „Die Menschen müssen den Libertarismus verstehen, der auf Eigenständigkeit und Verständnis beruht, dass wir alle für unser eigenes Handeln verantwortlich sind.“

  • „Das heutige Patentsystem behindert Innovationen.“

  • „Gemeinsam können wir eine starke Allianz von Unternehmen aufbauen, die über die Ressourcen und die Fähigkeit verfügen, Patent-Trolle im Namen aller kleinen Leute auf der Welt zu anzugehen.“

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Trotz des langjährigen Vertrauens der Welt in zentralisierte Systeme erklärt das Mitglied des Beirats der Open Crypto Alliance (OCA), Jed Grant, dass die Umstellung der modernen Gesellschaft auf die Bevorzugung dezentraler Systeme unvermeidlich ist.



„Die Dinge werden sich ändern, daran besteht kein Zweifel. Die Hoffnung zu verlieren wäre falsch – es wird Veränderungen geben.“

In Teil I des Interviews mit Jed Grant ging es vor allem um Dezentralisierung als Buzzword und die Frage, wie dezentral Bitcoin in Bezug auf die Hashrate-Verteilung mit Schwerpunkt in China wirklich ist.



Jed Grant ist nicht nur einer der „Top 200 European FinTech Leaders 2018“ und „Top Blockchain Experts in the EU 2019“, sondern auch der Gründer von KYC3, der Erfinder des Peerchain-Protokolls, eines Blockchain-Layer-2-Protokolls. Jed ist Gründer und Vorstandsmitglied mehrerer gemeinnütziger Organisationen für Integrität, Nachhaltigkeit und Innovation.

Neue Technologien bringen Patente auf den Plan

Bei der Entwicklung dezentraler Lösungen geht es meistens um Open Source Anwendungen. Das sehen wir auch bei vielen dezentralen Projekten. Grant erklärt:

„Bei der Dezentralisierung wird Technologie eingesetzt, um einer großen Anzahl von selbstsouveränen Einheiten – großen oder kleinen – die Zusammenarbeit zu ermöglichen. Dies ist die ultimative Vision: Projekte mit Governance, aber ohne Regierung. Die Menschen müssen den Libertarismus verstehen, der auf Eigenständigkeit und Verständnis beruht, dass wir alle für unser eigenes Handeln verantwortlich sind.“

Um das Problem mit Patenten in einer Welt zu verstehen, in der offene Zusammenarbeit und Innovationsfreiheit in vielen Bereichen der Gesellschaft eine absolute Notwendigkeit sind, gilt es weit auszuholen. Aber Grant gibt ein ziemlich klares Bild:

Wenn ich ein Patent habe, kann ich dich zu einem intellektuellen Sklaven machen. Du musst mich bezahlen, um das Patent zu nutzen. Und das ist das Problem. Patente werden von Menschen angemeldet, die nicht praktizieren. Sie verhindern so, dass andere etwas tun, anstatt Innovationen zu fördern.“

Patente behindern Innovation

Grant erklärt, warum Patente vor allem im Bereich der dezentralen Projekte Innovation eher behindern statt fördern:

Das heutige Patentsystem behindert Innovationen. Wir müssen die Dinge aus der Perspektive der Selbstsouveränität und der Selbstverantwortung betrachten, eine unabhängige, selbstverantwortliche Einheit zu werden. Hier geht es um Libertarismus und Freiheit – diese Freiheit zu schaffen und zu genießen, um maximal zu agieren. Patente? Die sind so ziemlich gegen all diese Prinzipien. Und wir wollen die schlechten loswerden. Hinter Bitcoin steht keine Organisation. Es gibt es niemanden, der aus Sicht der Patentverteidigung nach der Bitcoin-Community Ausschau hält.“

Um den Übergang zu einer echten Dezentralisierung zu fördern, darf die Freiheit, offene Innovationen zu schaffen und zusammenzuarbeiten, durch Patente nicht behindert werden. Damit dies Realität wird, ist dringend ein starkes Unternehmen erforderlich, das sich gegen Patent-Trolle einsetzt. Und deshalb haben Grant und seine Kollegen OCA gegründet.

Ein Bild von BeInCrypto.com.

Die Open Crypto Alliance

Grant berichtet, dass die Open Crypto Alliance erst im Dezember 2020 gegründet worden ist.

„Deshalb brauchen wir Werbung und Unterstützung, um so schnell wie möglich starten zu können. Marc Kaufman und Jean-Paul Wagner, beide im Beirat, prüfen bereits Patente. Wir haben einen Forumsbereich, über den Mitglieder auf der Website diskutieren können. Wir wollen offen und transparent sein, welche Patente wir angehen. Und wir möchten mit Ingenieuren zusammenarbeiten, um eine Datenbank mit „Stand der Technik“ zusammenzustellen, mit der missbräuchliche Patentanmeldungen bekämpft werden können.“

Dazu benötigt die Open Crypto Alliance mindestens 30.000 US-Dollar, um überhaupt starten zu können.

„Der nächste Meilenstein liegt bei 100.000 US-Dollar, damit wir Maßnahmen ergreifen können. Im Idealfall kommt ein Unternehmen oder eine Organisation und spendet beispielsweise 200.000 US-Dollar. Dan kommen mehr und mehr Unternehmen dazu. Gemeinsam können wir eine starke Allianz von Unternehmen aufbauen, die über die Ressourcen und die Fähigkeit verfügen, Patent-Trolle im Namen aller kleinen Leute auf der Welt zu anzugehen.

Patente verstehen, schützen und nutzen

Grant weist darauf hin, dass es genügend globale Technologie-Giganten gibt, die hinsichtlich Patenten und offener Zusammenarbeit dieselben Prinzipien teilen, wie beispielsweise Branchenschwergewichte wie Square und Tesla. Solche Unternehmen könnten in der Tat die Branche durch Zusammenarbeit verändern.

Tesla hat im Grunde alle Patente – oder eine große Anzahl von ihnen – geöffnet und gesagt, dass sie die Leute, die sie benutzen, nicht verklagen. Es ist, als würden sie gemeinfrei gemacht. Elon Musk versteht, was wir tun. Es gibt auch viele Unternehmen im Kryptoraum sowie große Mining-Pools. Sie haben einen klaren Anreiz, uns zu unterstützen, da wir ihr Geschäft letztendlich schützen können. Zu diesem Zeitpunkt könnten Bitcoin Cash und BSV Patente gegen Bitcoin einreichen, um die Hash-Rate zu reduzieren. BitFury und einige der größeren Mining-Pools könnten uns unterstützen, weil wir die Technologie schützen, mit der sie ihr Einkommen generieren.

Auf der Webseite der Open Crypto Alliance und Twitter findest du weitere Informationen. Das Ziel der Open Crypto Alliance ist es Bitcoin durch den Kampf gegen schlechte Patente zu schützen.

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Alex hat ihren Bachelor in Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert, danach Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut studiert und ihren Master in Arabistik an der Freien Universität Berlin absolviert. Seit 2017 ist sie als Krypto-Journalistin tätig.

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