Justin Sun: Steemit enteignet Dissidenten

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Das soziale Netzwerk Steemit wurde vor Kurzem von TRON übernommen. Da Justin Sun dadurch eine enorme Macht innerhalb des Netzwerks bekam, lösten sich Dissidenten über einen Hard Fork von Steemit ab.



Durch den Hard Fork von Steemit über das Hive-Netzwerk bekamen alle Besitzer von STEEM Tokens den gleichen Betrag in HIVE Tokens ausbezahlt, nur nicht Justin Sun, der CEO von TRON. Nun hat Sun einen Hard Fork aktiviert, um die Dissidenten seinerseits zu enteignen. Es geht um nichts geringeres als 23,6 Millionen STEEM, im Wert von rund $5 Millionen.

Sun verbreitet Falschaussagen

Sun erreicht damit einen neuen Tiefpunkt mit seinen Verbrechen gegen die Dezentralisierung. Alleine schon die Tatsache, dass er nach dem Kauf von Steemit eine enorme Steuerungsmacht besaß, gefährdete die dezentrale Natur des sozialen Netzwerks. Diese Tendenz setzt sich mit dem Hard Fork, welcher am 20. Mai 2020 um 16:00 Uhr offiziell in Kraft trat, fort.



Die Gründe für Suns Vorgehen halten einer genauen Überprüfung nicht stand. So gibt er als einen Grund an, die Hive-Gemeinde hätte “FUD” verbreitet. Das erinnert in stark totalitärer Weise an den geplanten “Anti-FUD-Fonds” und die geforderte Regulierung von Krypto-Medien durch Binance. Auch Sun gab an, sich an einem solchen Fonds beteiligen zu wollen.

Suns Erklärung ist gespickt mit Falschaussagen. Beispielsweise soll sich die Hive-Gemeinde eines “kriminellen Verhaltens gegen die Steemit Blockchain und den Besitzern von STEEM Assets” schuldig gemacht haben. Dies ist schlichtweg falsch. Der Hive-Fork hat niemandem seine STEEM Tokens weggenommen, auch nicht Justin Sun. Es war ein üblicher Fork, wie er in dezentralen Ökosystemen zur Lösung festgefahrener Konflikte eingesetzt wird.

Im Gegensatz dazu hat Sun den betreffenden STEEM-Besitzern ihre Tokens de facto weggenommen. Dies ist nichts anderes als Diebstahl.

Das Ende von Steemit?

Viele hochrangige Vertreter der Krypto-Gemeinde unterstützten den Hive-Fork, unter anderem Vitalik Buterin. Seit rund zwei Wochen hat HIVE eine höhere Marktkapitalisierung als STEEM, allerdings hat sich dies nach der Enteignung der Dissidenten wieder angegelichen.

Mit seinem unüberlegtem Handeln dürfte Justin Sun jedoch eigenhändig den letzten Nagel in Steemits Sarg geschlagen haben. Die Hive-Gemeinde sah in Sun eine Gefahr für die Dezentralisierung des sozialen Netzwerks. Nun hat er alle diese Befürchtungen bestätigt.

Das Steemit-Netzwerk war darauf ausgelegt, dass die Community mit allen Problemen die sich ergeben könnten, umgehen soll. Dies beinhaltet Spam, FUD, Falschaussagen, sowie sonstiges Probleme bis hin zu einem Fork. Wenn sich fortan Justin Sun um jedes Problem selbst kümmert, ist es eben kein dezentrales System mehr.

Davon abgesehen steht die Enteignung von Token-Besitzern im Widerspruch mit dem Geist der Krypto-Gemeinde. In dem Wissen dass sie jederzeit enteignet werden könnten, nur weil sie Justin Sun auf die Füße getreten sind, werden sie ihre Assets mit Sicherheit eher Hive, als Steemit anvertrauen.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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