Der Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, sagt immer wieder einen „Familienstreit” in der Fed voraus. Am Mittwoch könnte es bei der Sitzung endlich wirklich dazu kommen, denn Ökonomen erwarten mindestens zwei ablehnende Stimmen bezüglich der Zinspolitik.
Warsh hat diesen Begriff laut einer Zählung von CNBC bereits 13 Mal seit seiner Anhörung zur Nominierung im April benutzt. Seine erste Sitzung als Vorsitzender endete im vergangenen Monat jedoch noch mit einer einstimmigen Entscheidung für keine Änderung.
Ein Streit, der sich seit Monaten aufbaut
Die Wall Street rechnet in dieser Woche mit einem anderen Ergebnis. Michael Feroli von JPMorgan erwartet eine umstrittene Abstimmung. Er nennt Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed, und Lorie Logan, Präsidentin der Dallas Fed, als wahrscheinliche Gegenstimmen.
„Die FOMC-Sitzung im Juli wird ein Familienstreit sein, genau so, wie Kevin Warsh es wollte.”
Oscar Munoz, TD Securities
Auch Oscar Munoz von TD Securities stimmt zu. Investoren passen ihre Erwartungen bereits an. Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt nun eine Wahrscheinlichkeit von 34,2 % für eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt, während es vor einer Woche noch 12,8 % waren.
Öl und Halbleiter treiben den Streit an
Ein gescheiterter Waffenstillstand zwischen den USA und Iran hat die Ölpreise erneut steigen lassen. Brent-Öl kletterte wieder über 100 USD pro Barrel und machte die letzte Entspannung beim Ölpreis zunichte. Doch eine kürzliche Pause der Kämpfe hat den Preis vorübergehend wieder gesenkt.
Auch der durch den KI-Boom ausgelöste Chipmangel hat die Preise für Unterhaltungselektronik steigen lassen. Große Technologieunternehmen investieren weiter massiv in KI-Infrastruktur, ein Ende ist nicht in Sicht. Fed-Gouverneur Chris Waller sagt, die Zentralbank könne nicht einfach nur zuschauen und hoffen, dass die Inflation zurückgeht. Das passt zu Warshs jüngster Kritik an der Inflationsstrategie der Fed.
Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed, spricht besonders offen über den Ernst der Lage. Sie sagt, Unternehmen und Verbraucher verlieren beide die Geduld mit den steigenden Preisen.
„Zum ersten Mal in meiner Amtszeit höre ich von Unternehmen, dass sie finden, wir müssten gegen die Inflation aktiv werden, und von Verbrauchern, die angesichts wachsender Not kaum noch zurechtkommen.”
Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed
Ein etwas schwächerer Inflationsbericht für Juni spricht weiterhin für eine Zinspause am Mittwoch. Die nächste Entscheidung der Fed fällt zudem kurz vor den US-Zwischenwahlen, was der Abstimmung zusätzliches politisches Gewicht gibt. Doch zwei ablehnende Stimmen könnten den von Warsh angekündigten Familienstreit Wirklichkeit werden lassen.









