Kommentar: Binance startet Optionshandel, aber nicht ohne Kritik

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IN KÜRZE
  • Binance startet den Handel mit Bitcoin-Optionen.

  • Der Optionshandel ist, sowohl in der klassischen Finanzwelt, als auch in der Krypto-Industrie umstritten.

  • Die Optionen auf Binance ähneln den in vielen Ländern illegalen Binäroptionen.

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Binance hat den Handel mit BTC-Optionen auf seiner Terminhandelsplattform gestartet. Die Plattform steht allerdings für die Irreführung ihrer Benutzer in der Kritik. Ihre BTC-Optionen haben einige Ähnlichkeiten mit dem umstrittenen Binärhandel.

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Viele Exchanges haben in den letzten Monaten den Handel mit Bitcoin-Optionen eröffnet. Wie BeInCrypto bereits berichtete, hat CME ihren Optionshandel im Februar gestartet. Schon vorher starteten Optionen auf Bakkt im Dezember der letzten Jahres.

Während somit einige Konkurrenten der größten Krypto-Börse solche Märkte bereits anbieten, steigt nun auch Binance in den Optionshandel ein. Dieses Finanzprodukt sollte jedoch hinterfragt werden.

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Binance bietet zum ersten mal Bitcoin-Optionen an

Als Marktführer im Terminhandel hat die Krypto-Börse in dieser Woche Pläne enthüllt, auch Optionen in die Liste der Handelsmöglichkeiten aufzunehmen. Seit dem 13. April können Trader Call- und Put-Optionen für BTC kaufen, die zwischen 10 Minuten und einen Tag lang laufen.

Als Ziel gibt Binance an, Handelsmöglichkeiten mit einem niedrigen Spread über ihre hochliquide Handelsplattform anzubieten. Derzeit beschränkt sich der Optionshandel auf Bitcoin. Binance hat allerdings bereits angekündigt, dass sie die Einführung weiterer digitaler Assets für den Optionshandel freizuschalten, sobald der Handel mit BTC-Optionen angelaufen ist.

Die Aufnahme des Optionshandels stellt eine Erweiterung des Terminhandels auf Binance dar und ist zumindest umstritten.

Binance dominiert (wohl oder übel) den Terminhandel

Binance hofft auch im BTC-Optionshandel eine so dominante Stellung einzunehmen, wie in Termingeschäften (Futures). Wie BeInCrypto berichtete hat der Marktcrash im März die Marktführer im Terminhandel aufgewühlt. Obwohl BitMEX in der Vergangenheit die beliebteste Anlaufstelle war, führen jetzt Binance und Huobi den Terminmarkt an. Das tägliche Handelsvolumen auf Binance erreichte in der letzten Woche ein neues Allzeithoch. Die Handelsplattform erwartet daher, dass dieser Enthusiasmus auch auf den Optionshandel überschwappt.

Der Handel mit Bitcoin-Futures läuft derzeit nach einem eher schwachen März wieder an. Die ausstehenden Zinsen sind nach einem drastischen Rückgang im letzten ebenfalls wieder angestiegen. Obwohl die insgesamt ausstehenden Zinsen immer noch weit geringer sind, als noch im frühen Januar, kehrt der Markt langsam wieder auf dieses Niveau zurück.

Der Terminhandel wird also vermutlich weiter wachsen, allerdings gibt es auch Kritiker. Wie BeInCrypto berichtete, gab es jedes mal Anschuldigungen des Insiderhandels bevor Binance weitere Kryptowährungen auf der Futures-Plattform listete. Beispielsweise geriet die Börse in die Kritik, nachdem XRP einen drastischen Anstieg kurz vor der tatsächlichen Ankündigung verzeichnete. Eine ähnliche Entwicklung gab es vor der Kotierung von Litecoin (LTC).

Binance wurde auch dafür kritisiert, einen Hebel von bis zu 125 auf BTC/USDT-Terminhandelsverträge zu erlauben. Laut den Kritikern kommt eine so hohe Leverage eher einem Glücksspiel, als Trading gleich. Der CEO von Binance, Changpeng Zhao, antwortete auf die Kritik, dass hohe Hebel nur mit extremer Vorsicht eingesetzt werden sollen.

Wer ist der Gewinner im Optionshandel?

Da Binance nun der Marktführer im Krypto-Handel mit Leverage ist, sollte die Plattform einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Die Freigabe des Optionshandels auf der Börse hat einige Sorgen aufgeworfen, da dies einige Ähnlichkeiten zu Binäroptionen hat.

Binäroptionen sind von vielen in der Finanzindustrie scharf kritisiert worden. Oft werden diese auch “Alles oder Nichts” Optionen genannt. Das FBI und die israelische Polizei haben sie mit kriminellen Unternehmungen in Verbindung gebracht. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat den Handel mit Binäroptionen vollständig verboten.

Auch im Kryptowährungssektor ist diese Handelsmöglichkeit umstritten. Im November 2019 wurden beispielsweise die Gründer von ATM Coin vor einem Gericht in New York des betrügerischen Handels mit Binäroptionen angeklagt. Sie wurden zu einer Strafzahlung von $4,25 Mio. verurteilt. Im Juni 2019 gab die österreichische Finanzaufsicht eine Warnung vor CryptoTrader wegen betrügerischem Binärhandel heraus.

Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen. Tatsächlich waren betrügerische Handelsmöglichkeiten wie diese der Grund dafür, dass Facebook, Google und Andere alle Werbungen für Kryptowährungen für längere Zeit verboten haben.

Der Unterschied zwischen dem BTC-Optionshandel auf Binance und Binäroptionen befindet sich auf einem schmalen Grat. Zum einen haben die Optionen auf Binance eine extrem kurze Laufzeit. Auch sagte die Handelsplattform in einem Blogbeitrag:

“Binance-Optionen haben keine feste Auszahlungsstruktur, wie sie bei Binäroptionen zu finden sind.”

Da die Auszahlung variabel ist, behauptet Binance dass alles in Ordnung ist. Allerdings wird deutlich, dass die Handelsplattform solche Anschuldigungen bereits erwartet hat. Andernfalls hätte sie nicht bereits im Vorfeld darüber geschrieben.

Binäroptionen waren für die extrem negative Presse über Forex-Märkte und andere Finanzsektoren verantwortlich. Falls Binance solche umstrittenen Taktiken im Kryptowährungs-Sektor umsetzt, könnte das ein Risiko für die gesamte Krypto-Industrie darstellen. Es geht um den guten Ruf der Blockchain-Technologie.

Wir sollten uns also fragen, wer der eigentliche Gewinner im Optionshandel ist.

Das Spiel mit dem Feuer

Für jedes neue Finanzprodukt von Binance können wir erwarten, dass es die gesamte Krypto-Industrie betrifft. Das liegt daran, dass sie bei Weitem die größte Krypto-Börse der Welt ist. Die Führungsriege von Binance scheint die Vorstellung zu haben, dass die Handelsplattform “Too big to fail” ist. Grundlegende Fragen wie die, wo die Börse ansässig ist und welcher Jurisdiktion sie untersteht, werden immer noch nicht öffentlich diskutiert.

Binance hat wiederholt behauptet, dass sie ihre User so gut wie möglich schützen will. Beispielsweise hat Binance aus diesem Grund im letzten Monat alle Leverage-Tokens dekotiert. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass Leverage-Tokens ein Finanzprodukt der FTX Exchange sind. Obwohl sie einige der am stärksten gehandelten Assets der Börse waren, hat die Handelsplattform diese gestrichen, vermutlich weil der Handel nicht profitabel war. Andere Krypto-Börsen sind seitdem eingesprungen, um von den verärgerten Binance-Nutzern zu profitieren.

Wenn die Leverage-Tokens dekotiert wurden, um Nutzer zu schützen, wie sollen wir dann eine 125-fache Leverage auf Binance-Futures sehen? Oder die Tatsache, dass Binance den Margenhandel auf illiquide Altcoins wie MATIC angeboten hat, die einen Verlust von 70% innerhalb einer Stunde verzeichneten? Oder die dubiose Handelsaktivität, die LINK auf beinahe $0 abstürzen ließ? Tatsächlich scheint der Schutz ihrer Nutzer nicht die Motivation von Binance zu sein.

Binance muss verantwortlich gemacht werden

Wenn Binance das Aushängeschild der Krypto-Industrie ist, muss sie auch Verantwortung übernehmen.

Finanzprodukte aufzulegen, von denen hauptsächlich Binance profitieren treibt die Industrie nicht voran, sondern ist ein Anzeichen für Stagnation. Nun, da die Adoption von Kryptowährung abgeschwächt wurde, scheint die Krypto-Industrie eher zu einem Abbild der klassischen Finanzwelt zu werden, was viele von uns kritisieren.

Wenn wir den Optionshandel bewerten wollen, sollten wir uns fragen, ob davon nicht hauptsächlich die Handelsbörsen profitieren und ob diese nicht Binäroptionen darstellen. In den kommenden Wochen werden Finanzanalysten sicherlich auf den Optionshandel der führenden Krypto-Börse schauen und ihre eigenen Schlüsse ziehen.

Nur weil Binance diese Handelsmöglichkeiten anbietet, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie auch legitim sind. Die Krypto-Industrie ist noch jung und ihr guter Ruf steht auf dem Spiel. Analysten sollten daher vorsichtig und kritisch sein. Das hilft dabei, die gesamte Industrie zu verbessern.

BeInCrypto hat einen Kommentar von Binance angefragt, aber vor der Veröffentlichung dieses Artikel noch keine Antwort erhalten.

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Lucian wuchs in den USA auf und schloss sein Studium mit einem BA in Wirtschaftsgeschichte ab. Als versierter freiberuflicher Journalist ist er darauf spezialisiert, über den Kryptowährungsraum und die digitale „4. industrielle Revolution“ zu schreiben, in der wir uns befinden.

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