Wie lange kann die Europäische Zentralbank (EZB) noch Geld drucken, ohne dass es beim Euro zu einer Hyperinflation kommt? Dieses Frage stellt sich der Ökonom Dr. Markus Krall in einem auf Tichys Einblick veröffentlichten Artikel.

Der Volkswirt und Autor Markus Krall sagte bereits für das Jahr 2020 einen massiven Finanzcrash voraus. Dank COVID-19 dürfte er mit dieser Vorhersage auf jeden Fall Recht behalten haben, obwohl Regierungen und Zentralbanken das unvermeidliche immer weiter hinauszögern.

Wo bleibt die Euro-Inflation?

Die EZB druckt bereits seit Jahren massiv weiter Geld. Dennoch liegt die jährliche Inflationsrate durchweg unter dem von der EZB angepeilten Zielwert von 2 %. Wie kommt es also, dass trotz Aufblähung der Geldmenge die Verbraucherpreise weitestgehend konstant geblieben sind?

Quelle: Statista.

Zu diesem Zweck führt Krall dem Begriffs des Seignoragekapitals ein. Im Wesentlichen drückt er damit aus, dass die Geldmenge eben nur eine Seite der Gleichung ist, welche die Inflationsrate bildet. Auf der anderen Seite steht die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Diese ist naturgemäß nach der Finanzkrise wieder angestiegen. Zusätzlich führte die quantitative Lockerung der EZB zu einem künstlich erzeugten Aufschwung auf Pump.

Steigt zum Beispiel die Wirtschaftsleistung um 3 %, so kann die Zentralbank auch 3 % mehr Geld in Umlauf bringen, ohne dadurch eine Inflation zu verursachen. Dazu Krall:

Ich definiere (preisniveauneutrale) Seigniorage zunächst als den Gewinn, den die Zentralbank durch Ausnutzung ihres Geldschöpfungsmonopols erzielen und dem Staat zur Verfügung stellen kann, ohne dass es zu einer Steigerung des Preisniveaus in der Gesamtwirtschaft kommt.

Das bittere Ende kommt 2021

Die EZB konnte also durch die gestiegene Wirtschaftsleistung inflationsfreies Geld drucken. Nun stellt sich allerdings die Frage, was passiert, wenn die EZB die Aufblähung der Geldmenge weiter beschleunigt, während die Wirtschaft gleichzeitig durch COVID-19 und die dadurch eingeführten Lockdowns einen massiven Dämpfer erhält.

Krall schätzt, dass die EZB ihr Seignoragekapital innerhalb der nächsten 9 Monate vollständig aufbrauchen wird. Dann wirkt jeder Euro, der neu in Umlauf gebracht wird, inflationär. Krall warnt davor, dass die Stimmung auf den Währungsmärkten dann einen kritischen Kipppunkt erreichen wird, nach dessen Überschreiten Unternehmen und Anleger das Vertrauen in den Euro verlieren und sich in andere Assets flüchten werden. Erste Anzeichen von Unternehmen, welche Fiatwährungen zu Gunsten von Bitcoin abstoßen, sehen wir bereits.

Dies heizt die Inflation weiter an. Durch Verkäufe wird der Preis des Euro im Vergleich zu anderen Währungen zusätzlich nach unten gedrückt. Gleichzeitig werden die Verbraucher versuchen, möglichst zügig zu konsumieren um dem Wertverfall zuvorzukommen. Das übt zudem einen Druck nach oben auf die Verbraucherpreise aus. Die Hyperinflation nimmt ihren Lauf.

Aufgrund seiner Lage als Weltreservewährung hat der US-Dollar ein weitaus höheres Seignoragekapital als der Euro. Markus Krall sagt daher voraus, dass der US-Dollar erst sehr viel später in die Phase der Hyperinflation eintreten wird. Der Euro dürfte dann längst zu einer Randnotiz in der Geschichte der Schwundwährungen geworden sein.