Neue Vorwürfe gegen Binance: P2P-Händler beklagen sich über verlorenes Geld

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2. Februar 2023, 15:59 GMT+0100
2. Februar 2023, 16:00 GMT+0100
IN KÜRZE
  • Laut eigener Aussagen haben mehrere Händler ihre Gelder auf dem P2P-Marktplatz von Binance nicht erhalten.
  • Binance hat damit begonnen, P2P-Konten zu sperren, die mehrere Transaktionen mit demselben Betrag von derselben Person durchführen.
  • Bis zuletzt gab die Kryptobörse keine Stellungnahme zu diesen vorwürfen ab.
  • promo

Die nach Handelsvolumen größte Kryptobörse Binance kämpft derzeit mit mehreren Vorwürfen. Sie soll Gelder von Nutzern ihres P2P-Marktplatzes einbehalten haben.

Seit dem FTX-Zusammenbruch geriet die Börse immer weiter in die Kritik. Viele betroffene Nutzer und Investoren beschuldigten Binance sogar, zum Untergang von FTX beigetragen zu haben

Die Situation spitzte sich zu, als bekannt wurde, dass die Kunden der Börse keine Beträge unter 100.000 US-Dollar über das globale Zahlungsnetzwerk SWIFT abheben können.

Darüber hinaus nutzte die in Russland ansässige Plattform Bitzlato die Dienste von Binance, um Gelder illegal weiterzuleiten. Letztere war daraufhin gezwungen, die entsprechenden Konten zu sperren. Als wäre das nicht genug, hielt die Börse auch noch Kundengelder und eigene B-Token in derselben Wallet. B-Token sind repräsentative Vermögenswerte, welche genutzt werden, um über verschiedene Netzwerke hinweg zu handeln. Ein solcher Fehler wurde bereits FTX zum Verhängnis.

Binance P2P-Nutzer fordern Antworten auf verlorene Gelder

Jetzt haben sich die Nutzer des P2P-Marktplatzes (Peer-to-Peer) über die Börse beschwert, weil diese angeblich ihre Konten gesperrt hat. Einige der betroffenen Nutzer wandten sich an BeInCrypto, um ihre Erfahrungen und Geschichten zu teilen.

P2P-Händler kaufen und verkaufen Kryptowährungen direkt untereinander, ohne eine zentrale Instanz dazwischenzuschalten. Viele von ihnen nutzen dafür P2P-Plattformen, um die Transaktionen zu erleichtern. Zu den Vorteilen des P2P-Handels gehören niedrigere Gebühren, schnellere Transaktionen als auch mehr Privatsphäre und Sicherheit

Reddit-Nutzer u/minghuaa prangerte Binance als einer der ersten an. Wie er in einem Reddit-Thread schrieb, habe der P2P-Marktplatz der Börse sein Leben ruiniert – er verlor all seine Ersparnisse. Als er bei einem Handel nicht die ihm gebührende Fiat-Bezahlung erhielt, behauptete der Kundensupport, die Gelder des Käufers seien gestohlen worden und stornierte die Transaktion.

So schrieb der betroffene Nutzer:

“Ich bin neu im Kryptobereich und dachte, Binance sei das Beste. Doch als ich schließlich ein Problem hatte, merkte ich, dass der Kundenservice einem nur manchmal entgegenkommt und in anderen Fällen überhaupt nicht hilft.”

Das Problem scheint weit verbreitet

Ein anderer Nutzer in Kanada erzählte von einer ähnlichen Erfahrung bei der Nutzung des P2P-Transfersystems. Als er seine Geschichte schließlich auf Reddit teilte, löschte ein Binance-Moderator den Beitrag

Reddit Post
Ein Bild von Twitter.com

Die Börse hatte schon öfters Schwierigkeiten mit den Regulierungsbehörden, vor allem in Großbritannien und Australien. Jetzt häufen sich die Kundenprobleme in genau diesen Regionen:

Diejenigen, die tatsächlich eine Antwort vom Support-Team der Börse erhielten, waren verärgert:

Ein Twitter-Nutzer sprach mit BeInCrypto und erklärte

“Das kann doch nicht wahr sein … man kann kein Geld über Binance abheben. Dann wird man aufgefordert, ‘Berufung einzulegen’ und drei Tage auf das Ergebnis zu warten, nur um zu sehen, ob man sein eigenes Geld abheben kann. [email protected]@ing crazy.”

Während Nutzer auf der ganzen Welt über ähnliche Probleme berichten, kommen von Binance nur automatisierte Antworten:

Was haben die Führungskräfte von Binance zu sagen? 

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, bat BeInCrypto Binance um eine Stellungnahme. Doch bisher antwortete lediglich ein Vertreter und meinte:

“Ich werde das überprüfen und mich wieder bei Ihnen melden.” 

Während wir auf eine offizielle Antwort warten, konnten wir ein paar mögliche Antworten auf diese Probleme finden.

Wie eine Anwaltskanzlei für polnische P2P-Händler behauptet, habe Binance damit begonnen, P2P-Konten zu sperren, die mehrere Transaktionen desselben Betrags und von derselben Person durchführen. Dies könnte im Einklang mit den Änderungen der P2P-Richtlinien vom 31. Januar stehen. 

Im obigen Video behauptet der Anwalt: 

“Letztendlich wäre es die beste Praxis, nur einen einzigen Kredit zu gewähren und den Pool der Personen, mit denen man im Rahmen von P2P zusammenarbeitet, zu diversifizieren. Leider definieren die Vorschriften nicht, wie viele Transaktionen als ‘wiederholte Handlung’ gelten. Nach den Erfahrungen meiner Kunden kann die Sperre in den meisten Fällen bereits beim vierten Geschäft angewendet werden. Außerdem sollte man nicht viele kleine Aufträge in kurzer Zeit und nacheinander ausführen.”

Empfehlungen für die Nutzung von P2P

Weiter empfahl der Anwalt, mehrere Transaktionen mit ähnlichen Beträgen zu vermeiden, wie z. B. 2.000, 2.100 oder 2.500 EUR. Ferner sollte man möglichst keine größere Transaktion in mehrere kleine aufteilen. So ist es beispielsweise nicht ratsam, einen Auftrag über 10.000 EUR in fünf Transaktionen zu je 2.000 EUR aufzuteilen.  

Bis jetzt handelt es sich nur um Einzelfälle. Allerdings könnte Binance, genau wie jede andere Kryptobörse, technische Problemen erfahren, welche Nutzer daran hindern, ihr Geld abzuheben. Abgesehen davon sind Kryptoplattformen anfällig für Hackerangriffe und andere Sicherheitsbedrohungen. Daher empfiehlt es sich stets, Gelder in einer sicheren Cold Wallet zu speichern, anstatt sie auf einer Börse zu lassen.

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