Standard Chartered plant, die kundenseitigen Verwahrungsdienste von Zodia Custody wieder in die digitale Vermögenswerte-Abteilung seiner Corporate and Investment Bank (CIB) zu integrieren.
Die Umstrukturierung, die bereits in diesem Monat angekündigt werden könnte, würde laut mit der Angelegenheit vertrauten Bloomberg-Quellen dazu führen, dass Zodia künftig nur noch als eigenständige Software-as-a-Service (SaaS)-Plattform für Verwahrungstechnologie tätig ist.
Von der Gründung zur Unabhängigkeit und nun zur Rückführung
Standard Chartered gründete Zodia Custody Ende 2020 über seinen Innovationsbereich SC Ventures gemeinsam mit Northern Trust.
Der Verwahrer konnte später weitere Minderheitsinvestoren gewinnen, darunter SBI Holdings, National Australia Bank und Emirates NBD. Heute beschäftigt Zodia etwa 150 Personen an sieben Standorten global.
Zodia konnte sich am Markt etablieren. Im Januar 2026 wurde es der erste Verwahrer, der AUDM, einen australischen Dollar Stablecoin, unterstützt hat.
Im darauffolgenden Monat führte Zodia mit Zodia Switch eine Möglichkeit ein, Vermögenswerte direkt über die Verwahrungsplattform zu tauschen, ohne externe Vorfinanzierung.
Allerdings startete Standard Chartered im vergangenen Jahr eine eigene Luxemburger Verwahrungslösung für digitale Vermögenswerte und baute das institutionelle Krypto-Handelsgeschäft separat aus.
Die Überschneidungen zwischen Mutterunternehmen und Tochter machten eine Umstrukturierung wahrscheinlich.
Es bleibt unklar, ob Standard Chartered die Minderheitsaktionäre von Zodia konsultiert hat.
Banken holen Verwahrungsdienste wieder ins Haus
Der Markt für die Verwahrung digitaler Vermögenswerte beträgt derzeit mehr als 1 Billionen USD und wird voraussichtlich bis 2035 laut Prognosen auf 7 Billionen USD anwachsen — mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 23,7%.
Laut der EY-Parthenon-Umfrage 2026 planen 73% der institutionellen Investoren, in diesem Jahr ihre Beteiligungen an digitalen Vermögenswerten zu erhöhen.
Diese steigende Nachfrage sorgt dafür, dass Banken sich zunehmend direkt mit der Verwahrung befassen. State Street und BNY Mellon haben ihre eigenen internen Verwahrungseinheiten für digitale Vermögenswerte ausgebaut.
Morgan Stanley beantragte im Februar ein spezielles nationales Trust-Bank-Charter, um Kryptowährungen unter Bundesaufsicht verwahren und staken zu können.
Analysten betrachten die Umstrukturierung als Wendepunkt. Einige argumentieren, dass es kein Wettbewerb zwischen Krypto und traditionellem Finanzwesen mehr sei, wenn eine globale Bank der Spitzenklasse die Verwahrung von Kryptowährungen in ihre Investmentbank holt. Vielmehr werde Krypto direkt ins traditionelle Geschäft eingebettet.
Zodia wurde ursprünglich als eigenständige Einheit gegründet, um das Feld digitaler Vermögenswerte risikofrei zu testen. Die Rückführung zeigt, dass die Muttergesellschaft digitale Vermögenswerte mittlerweile als etabliertes, margenstarkes Kapitalmarktgeschäft ansieht.
Andere erkennen zudem ein größeres Muster: Traditionelle Banken holen digitale Vermögensfunktionen zunehmend von experimentellen Ausgründungen in ihre Kernbereiche zurück, da parallele Dienstleistungen einfach ineffizient sind.
„…Den Führungskräften ist letztlich klar geworden, dass der Betrieb derselben Dienstleistung zweimal ineffizient ist. Revolutionär”, stellte ein Nutzer fest.
Was das über die Unabhängigkeit von Krypto-Verwahrern aussagt
Die Antwort wird immer klarer: Unabhängigkeit bankgestützter Verwahrer erfüllte einen bestimmten Zweck während der experimentellen Phase von 2020 bis 2023, als regulatorische Unsicherheit sogenannte Arm’s-Length-Konstrukte erforderlich machte.
Mittlerweile sorgen Regelwerke wie MiCA in Europa und der GENIUS Act in den USA dafür, dass Banken keine Pufferstrukturen mehr benötigen, um sich mit digitalen Assets zu befassen.
„Das spiegelt einen allgemeinen Trend wider, dass traditionelle Banken digitale Vermögensfunktionen aus experimentellen Ausgründungen in den regulierten Kernbetrieb holen – getrieben durch Regelwerke wie MiCA und VARA”, merkte der Nutzer an.
Das hybride Ergebnis bei Zodia ist bezeichnend. Die Technologie bleibt als SaaS-Plattform eigenständig wertvoll, jedoch kehrt die eigentliche Verwahrung und Absicherung der Kundengelder, also der vertrauens- und margenstärkste Teil der Wertschöpfungskette, zurück in die Bilanz der Mutterbank.
Diese Unterscheidung macht deutlich, was Banken wirklich selbst besitzen wollen und was sie lediglich lizenzieren würden.
Krypto-native Verwahrer wie Coinbase Custody, BitGo und Fireblocks halten weiterhin annähernd die Hälfte des globalen Marktes.
Bleibt die Frage, ob sie diesen Anteil verteidigen können, wenn Banken die Verwahrung künftig selbst übernehmen wollen.





