Terminmärkte: Bitcoin, Gold und weitere sichere Häfen steigen durch Ängste vor globalen Unruhen

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Mit dem Abschluss der letzten Woche nahm der Handel an Terminmärkten Fahrt auf. Die Preise für Bitcoin, Gold und andere Edelmetalle stiegen beträchtlich aus Angst vor globalen Unruhen.



Während sich Bitcoin und Gold keinesfalls äquivalent verhalten, haben diese beiden Assets einige ökonomische Gemeinsamkeiten. Durch die Funktion von Edelmetallen als Wertspeicher und die dezentrale Funktionsweise von Bitcoin werden beide als “sichere Häfen” bezeichnet. Diese bieten sichere, werterhaltende Anlageformen, welche nur wenig von Aktienmärkten beeinflusst werden.

Wirtschaftliche Ängste beeinflussen Terminmärkte

Neben den Kursstürzen an chinesischen Aktienmärkten im Zuge des Coronavirus ging der Handelskrieg Donald Trumps gegen China und die EU in die nächste Runde. Dabei erhöhten die USA Einfuhrzölle auf Produkte, welche mit Aluminium oder Stahl gefertigt wurden. Die daraus resultierende wirtschaftliche Unsicherheit beeinflusste zunächst die Terminmärkte, da diese besonders sensibel auf globale Entwicklungen reagieren. Bei der Spekulation mit Termingeschäften geht es darum, den zukünftigen Preis eines Handelsguts vorherzusagen. Diese stellen damit im Prinzip ein Frühwarnsystem für Preisentwicklungen dar.



Mit dem Abschluss der letzten Handelswoche stiegen die Terminpreise für sichere Häfen, insbesondere Gold. Gleichzeitig rutschte der US-Aktienmarkt um mehr als ein Prozent ab. Da auch Kryptowährungen durch ihre dezentrale Natur als sichere Häfen gelten, sind diese ebenfalls eine Möglichkeit für Anleger, sich gegen Kurseinbrüche auf den traditionellen Finanzmärkten abzusichern.

Kryptowährung als Absicherung gegen Inflation

Insbesondere in Schwellenländern mit hohen Inflationsraten bieten sich Kryptowährungen als gleichzeitig sichere und liquide Anlageform an. So vermeldete die Kryptowährung Dash einen Anstieg ihrer Nutzerzahlen in Venezuela um 562% zwischen Mai und Dezember 2019. Alleine im Dezember stieg die Zahl der Aktiven Nutzer um 29%. Bei einer gleichbleibenden Wachstumsrate würde dies bedeuten, dass Dash am Ende dieses Jahres über eine Million aktive Nutzer in Venezuela haben wird.

Mit einer Inflationsrate von über einer Million Prozent im Jahr 2018, wurde die venezolanische Nationalwährung Bolívar fuerte als Währung untauglich. Auch ein Währungsschnitt mit einem Wechsel auf die neue Währung Bolívar soberano, sowie die Einführung der Digitalwährung Petro, welche angeblich durch die Ölreserven des Landes gedeckt sein soll, brachte nur wenig um die Hyperinflation in Venezuela einzudämmen. In Folge der Hyperinflation und einem schwindenden Vertrauen in die Regierung wendet sich die venezolanische Bevölkerung zunehmend dezentralisierten Kryptowährungen zu, welche keiner staatlichen Kontrolle unterstehen.

Sichere Häfen für Europäische Anleger

Während der Handelskrieg mit den USA zunehmend Druck auf europäische Märkte ausübt, droht der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Fortsetzung der Finanzkrise von 2007. Zwar konnte die Niedrigzinspolitik der EZB nach der Finanzkrise die europäischen Märkte wieder beleben, allerdings wurde die expansive Geldpolitik niemals beendet, wodurch es zu wirtschaftlichen Fehlallokationen und der Bildung von Zombiefirmen und Zombiebanken kam.

Gleichzeitig verleiten die niedrigen Zinsen Anleger dazu, immer riskantere Spekulationen einzugehen, wodurch eine erneute Spekulationsblase entstanden ist. Weiterhin wird die derzeitige Situation dadurch verschärft, dass die EZB einer Konjunkturkrise nicht durch weitere expansive Geldpolitik begegnen kann. Durch die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit im Euroraum wenden sich viele Anleger sicheren Häfen wie Edelmetallen zu.

Bisher sehen nur wenige Europäer die Vorteile der Anlagemöglichkeiten, welche durch Kryptowährungen und dem dezentralisierten Finanzwesen (DeFi) entstehen. Dies könnte sich insbesondere in Deutschland bald ändern, da Banken seit Beginn diesen Jahres mit Kryptowährungen handeln und diese als Finanzprodukte an ihre Kunden anbieten dürfen.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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