Der Vorsitzende der US-Notenbank, Kevin Warsh, forderte die Märkte am Mittwoch auf, nicht mehr seine Absichten zu handeln, sondern sich auf die Daten zu konzentrieren. Die Marktteilnehmer lernen laut ihm, das Spiel zu spielen und nicht mehr auf den Schiedsrichter zu achten.
Diese Aussage erfolgte nur wenige Stunden nachdem das Federal Open Market Committee (FOMC) die Leitzinsen in einer Abstimmung mit 9 zu 3 Stimmen unverändert beließ. Warsh wollte das Ergebnis nicht als Pause bezeichnen.
Warum Warsh den Märkten riet, sich auf die Daten zu konzentrieren
Warsh stellte seine Pressekonferenz unter ein zentrales Thema. Die Inflation liegt deutlich über dem Ziel, und das Gremium will sie senken.
Die FOMC-Erklärung ließ die Spanne für den Leitzins bei 3,50% bis 3,75%. Es gab keine Aussagen zum zukünftigen Kurs, was einen klaren Bruch mit der Ära von Jerome Powell darstellt.
Warsh lehnte zudem die Vorstellung eines flexiblen Ziels ab. Er betonte, dass fünf Jahre hoher Preise den Eindruck hinterließen, die Fed hätte eine Inflation über 2% stillschweigend akzeptiert.
Er relativierte auch die Entwicklung des Kernverbraucherpreisindexes (CPI) im Juni. Nicht ein einzelner Monat, sondern der Trend sei entscheidend, und die Inflation könne nicht in neun Wochen überwunden werden.
„Wir werden Preisstabilität erreichen”, versicherte Warsh.
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Dieses Versprechen gilt mit einer Bedingung. Wo es notwendig und angemessen ist, wird das Gremium laut Warsh nicht zögern zu handeln. Bereits der Ton war anders als bei Warshs erster FOMC-Pressekonferenz im Juni, die Risiko-Assets sinken ließ.
Wie Anleihen, SPY und Bitcoin reagierten
Warsh wies darauf hin, dass die nominalen und realen Renditen nun über die gesamte Treasury-Kurve hinweg deutlich höher liegen. Die Fed hält sich laut ihm aus dieser Neubewertung heraus und lässt die Marktsignale ungefiltert wirken.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe sank auf 4,620%, nachdem sie zuvor etwa 4,650% erreicht hatte. Trader nutzten die Woche, um die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung abzuwägen, bevor drei widersprechende Fed-Mitglieder eine Anhebung um einen Viertelpunkt befürworteten.
Der SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) stieg auf 742,00 USD, ein Plus von 0,17%. Der Goldpreis kletterte über 4.100 USD, das bisher höchste Niveau in dieser Sitzung.
Auch Bitcoin (BTC) legte zu. Die aktuelle Kursentwicklung von Bitcoin brachte den Coin auf rund 64.237 USD, ein Plus von 0,84% in 24 Stunden, mit einer Marktkapitalisierung von 1,29 Billionen USD.
Das lange Laufzeitende bleibt trotzdem unter Druck, nachdem die globalen Anleihenrenditen auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen sind.
Warum Peter Schiff meint, Warsh könne nicht liefern
Nicht alle stimmen dieser Einschätzung zu. Peter Schiff, Chefökonom und Vorstand von Euro Pacific Asset Management, sagt, dass sich nur die Wortwahl verändert habe.
„Trotz Warshs harter Worte zur neuen Entschlossenheit der Fed, das 2%-Inflationsziel zu erreichen, das bereits unter Powell verfehlt wurde, hat die Fed bisher weder die Zinsen noch die Bilanz anders gehandhabt. Es läuft weiter wie bisher”, sagte Schiff.
Schiff verwies auf das lange Ende der Kurve zur Begründung. Investoren verkaufen laut ihm US-Staatsanleihen und kaufen Gold, anstatt dem Versprechen zu trauen.
Warsh bezeichnete die kommenden Wochen eher als Phase des aufmerksamen Nachdenkens denn als abwartende Zeit. Im September zeigt sich, ob die Daten, und nicht der Schiedsrichter, Warshs Einschätzung bestätigen. In der Zwischenzeit äußerte US-Präsident Trump, dass er den Fed-Chef für brillant hält.
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