Wie Infura das Web 3 dezentralisiert: Ein Interview mit E.G. Galano

Aktualisiert von Toni Lukic
IN KÜRZE
  • Infura kündigt Plan zur Förderung eines dezentralisierten Infrastruktur-Ökosystems an.
  • Als führender Anbieter von Web 3-API-Infrastrukturen erreicht Infura über 430.000 Entwickler.
  • Das dezentrale Protokoll soll im ersten Halbjahr 2023 starten.
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Infura ist der führende Anbieter von Web 3 API-Infrastrukturen, die weltweit über 430.000 Entwickler bedienen. Die ConsenSys-Tochter startet ein neues, dezentrales Infrastrukturnetzwerk. Ein bedeutender Schritt in Richtung fortschreitender Dezentralisierung. Doch wie sieht das Netzwerk aus? Was bringt es mir als Nutzer? Und kann ich aktiv daran teilnehmen? Wir haben uns mit dem Co-Founder von Infura, E.G. Galano, über diese Themen unterhalten.

Infura baut ein Open-Source Ökosystem auf, das Infrastrukturanbieter miteinander verbindet. Ein solches dezentrales Netzwerk verhindert einen “single point of failure” und gewährleistet somit nahtlose Prozesse ohne Ausfallzeiten. Der Start ist für das erste Halbjahr 2023 geplant.

Du fragst dich, was es genau mit Infura und der Vision auf sich hat? Dann freue dich auf tiefgreifende Einblicke aus erster Hand. Denn wir haben den Mitgründer und Geschäftsführer, E.G. Galano, zu diesen Themen befragt:

Was ist das übergeordnete Ziel von Infura?

Die Mission von Infura ist laut Galano, Nutzern und Entwicklern von Blockchain-Anwendungen den Zutritt in das Peer-to-Peer Ökosystem zu vereinfachen. Mit diesem Grundsatz wurde Infura 2016 geboren.

Die Web 3-Infrastruktur ist wichtig für das Konzept der Dezentralisierung. Infura stellt das zentrale Infrastruktur-Backend für beliebte Web 3-Produkte wie MetaMask, den Ethereum Name Service und Layer-2-Skalierungslösungen bereit. Die Entwicklergemeinschaft begann auf Ethereum, weitete sich aber auf mehrere neue und komplementäre Netzwerke aus.

“Bislang agiert Infura eher als Web 2-Company für Web 3-Lösungen. Doch Dezentralität war schon immer das übergeordnete Ziel von Infura”, so Galano.

Ein dezentrales Netzwerk aus Dienstleistern – geht das?

Gerade weil eine Multi-Chain-Welt der Gründungsphilosophie entspricht, unterstützt Infura eine zunehmende Vielfalt von Blockchain-APIs. Außerdem ist klar erkennbar: Die Nachfrage nach dezentralen Systemen und Diensten wächst. Und die Dezentralisierung der Dienste von Infura ist inzwischen technologisch umsetzbar. Zu Zeiten der Gründung war das nicht der Fall.

“Wir machen keine leeren Versprechungen. Seit anderthalb Jahren arbeiten wir mit hoher Priorität und voller Überzeugung an der Dezentralisierung unserer Dienste”, stellt Galano klar.

Das Projekt ist zwar noch nicht marktreif. Aber ein klar fokussiertes Team befasst sich intensiv mit der Ausgestaltung des Dienstleister-Kollektivs, den notwendigen Mechanismen und unterschiedlichen Modelloptionen.

Warum kam die Dezentralisierung nicht früher?

Laut Galano kommt der Schritt zur richtigen Zeit. Doch in den Anfängen von Infura ging es sprichwörtlich darum, “die Kirche zuerst voll zu bekommen, bevor gepredigt wird”. Markteintritt, Weiterentwicklung der Dienstleistungen und Massenadoption waren wichtiger als Bemühungen um den Aufbau eines dezentralen Netzwerks.

Außerdem war das Ökosystem im Gründungsjahr 2016 sehr übersichtlich. Anders als heute fristete das Web 3 ein Schattendasein. Deshalb gab es schlichtweg keine Web 3 API-Anbieter, um ein Infrastrukturnetzwerk auszubilden. Ein Schritt folgte dem anderen. Zu frühe Versprechen erhöhen den Druck und schaden dem Ruf. “Infura tritt erst dann mit Projekten und Entwicklungen an die Öffentlichkeit, wenn die Zeit dafür reif ist”, so Galano.

Was sind die Vorteile für den Endnutzer?

Die Frage brennt: Was haben wir Anwender von einem dezentralen API-Kollektiv für das Web 3? Schließlich setzt die Massenadoption einen relevanten Nutzen voraus!

An erster Stelle spricht Galano von der Wahlmöglichkeit in Bezug auf Anbieter für nachgefragte Dienstleistungen. Dank des Pools an teilnehmenden Anbietern stehen mehrere Optionen für Dienstleistungspakete zur Verfügung. Der Nutzer kann nach eigenen Wünschen und Ansprüchen wählen.

Daneben werden Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit verbessert. Laut Galano sind dies die Kernvorteile von dezentralisierten, verteilten Systemen. Ein Kollektiv kann mehr leisten, unterstützt sich gegenseitig und fällt viel seltener aus. Das ist auch für Infura wichtig: Denn auch MetaMask-Nutzer waren in der Vergangenheit von Ausfällen betroffen.

Demzufolge richtet sich Infura mit dem Aufbau des Anbieternetzwerks sowohl an die philosophische Grundhaltung des Web 3 als auch an aktuelle Problemfelder der Web 3 Applikationen. Es verhindert Dienstausfälle, Überlastungen und die Ausbildung eines Machtzentrums. Die Zusammenarbeit im Ökosystem wird gestärkt.

“Wir wollen mit dem dezentralisierten Netzwerk Daten-Traffic auf Superbowl-Ebene bedienen können”, visioniert Galano.

Der zukünftige Start des dezentralisierten Infrastrukturnetzwerks wird den derzeitigen Dienst von Infura ergänzen. Denn: Auch wenn das Infrastruktur-Backend jahrelang durch Anfragen mit hohem Durchsatz erprobt wurde, sind die Kapazitäten eines einzelnen Dienstanbieter limitiert.

Ist es für normale Nutzer möglich, eine dezentralisierte Node zu betreiben?

Zurzeit arbeitet Infura an den technischen Spezifikationen des Netzwerks. Wie könnte es aussehen? Welches Verhalten ist im Netzwerk gefordert? Und wer führt die Aufgaben aus? Hier kommen Individuen und Entitäten infrage. Bestimmte Funktionen können von Einzelnen ausgeführt werden. Doch es wäre ein 24-Stunden-Job, um einen Service wie Infura zu betreiben.

Generell incentiviert Infura seine NutzerInnen nicht, Nodes zu betreiben. Vielmehr lebt das Netzwerk durch die Bereitstellung individueller Dienste. Nutzer sollen als Entitäten wirken. Und das ermöglicht das Protokoll. In kleinen Teams ist die Teilnahme am Netzwerk also durchaus denkbar.

Allerdings ist die technische Umsetzung noch unklar. Wenn die Details abgestimmt sind und die Dienstleistung ins Portfolio passt, steht einer Anknüpfung nichts im Weg. Über diesen Link können sich qualifizierte Infrastrukturanbieter für ein Early-Access-Programm als Testbetreiber für das neue Netzwerk bewerben.

Wie dezentralisiert ist das Blockchain-Universum tatsächlich?

Da sich Galano intensiv mit den Prinzipien der Dezentralität auseinandersetzt, interessiert uns seine Definition. Seiner Auffassung nach steht Dezentralität in direktem Zusammenhang zur Möglichkeit für die Teilnehmer eines Netzwerks, an Entscheidungsprozessen zu partizipieren. Ein ausgeglichenes Wahlrecht innerhalb einer Organisation ohne Machtzentrum ist aus Galanos Perspektive Grundlage für dezentrales Wirken. Die dezentrale Ausrichtung stützt in einem solchen System die gesamte Verwaltung.

Schließen möchten wir mit einem Zitat von E.G. Galano:

„Infura wurde in der Überzeugung gegründet, dass die Web 3-Entwicklergemeinschaft eine Welt schaffen kann, in der wirtschaftliche Freiheit, gemeinsame Wahrheit und digitale Sicherheit für alle auf dem Planeten garantiert sind. Ein dezentralisiertes Infrastrukturnetzwerk war schon immer ein unvermeidlicher Teil unserer Zukunft.“

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