Mit jedem neuen Tag tauchen weitere DeFi Governance Tokens auf. Zefram Lou, der Gründer von Betoken, schreibt auf seinem Blog über die Probleme, welche sich aus der dezentralen Governance ergeben.

Sein Blogeintrag vom 24. Februar 2019 ist zwar schon etwas älter, aber dennoch aktuell wie nie zuvor. Dies fiel jüngst auch den Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin auf.

Governance nach wie vor nicht perfekt

Einige Probleme, die Lou benennt, drehen sich darum, dass einige wenige Nutzer von DeFi-Protokollen den Löwenanteil der Stimmrechte halten. Dadurch können die ohnehin reichsten Nutzer alleine Entscheidungen durchsetzen. Letztendlich führt dies eher zu einer Oligarchie, als einer echten demokratischen Governance. Eine vollständig demokratische Stimmenverteilung, bei der jeder Nutzer eine Stimme erhält, führt ebenfalls zu Problemen, da die Nutzer keinen Einsatz für ihr Stimmrecht erbringen müssen.

Lou spricht unter Anderem auch über Quadratic Voting, welches erst kürzlich durch Bee2 erstmals in einem DeFi-Protokoll umgesetzt wurde. Allerdings scheint die quadratische Stimmenverteilung nur auf dem Papier eine bessere Alternative zu sein. In der Praxis zeigen sich auch mit dieser Methode ernsthafte Mängel, welche unter Anderem von Sybil-Attacken herrühren.

Auch die Tatsache, dass nur wenige Besitzer von Governance Tokens überhaupt an Abstimmungen teilnehmen, kommt zur Sprache. Als Beispiel gibt Lou an, dass an der ersten Runde von Abstimmungen über die DAO-Plattform Aragon von insgesamt über 20.000 Token-Besitzern nur 45 Personen an der Abstimmung teilnahmen. Von dem gesamten Token-Angebot waren es nur 0,23 %. Er führt dies auf Trader zurück, welche lediglich auf die Tokens spekulieren, aber nicht selbst an der Governance interessiert sind.

Zwar ist die Abstimmungsrunde schon über ein Jahr her, aber auch heute sieht es nicht besser aus. Beispielsweise gingen bei den Abstimmungen über neue Sicherheiten bei Maker DAO gingen bei den verschiedenen Anträgen nur zwischen 7 und 11 Stimmen ein.

Und was ist die Lösung?

Lou schlägt vor, dass Governance Tokens nicht transferierbar sein sollen. Dadurch haben sie auch keinen spekulativen Handelswert. Dies ist jedoch mit den derzeitigen Yield Farming Strategien nicht kompatibel. Diese setzen darauf, dass Nutzer den Token zusätzlich zu ihren Erträgen erhalten und bei Bedarf auf dem Sekundärmarkt verkaufen können.

Sollten Governance Tokens nicht transferierbar sein, könnten sie zwar dennoch einen Wert besitzen. Zum Beispiel könnten ihre Besitzer durch das Verbrennen ihrer Tokens einen Anteil des Vermögens einer DAO oder einer DeFi-Plattform erhalten. Auch die Verteilung der Tokens sollte nicht nach dem Anteil des eingezahlten Gesamtvermögens, sondern auf Basis eines Reputationssystems erfolgen.

Da sich dadurch allerdings nicht die höhen Renditen erzielen lassen, welche bei Yield Farming möglich sind, ist es unwahrscheinlich dass dieses Modell in der näheren Zukunft besonders attraktiv sein wird. Lou schlägt weiterhin vor, dass sich ein geschäftsführendes Gremium um die meisten Belange der Plattformen kümmern soll, ähnlich eines Firmenvorstands in einem Aktienunternehmen. Die Besitzer von Governance Tokens können dann über die Besetzung dieses Gremiums abstimmen.

Insgesamt steht dies allerdings auch leicht Gegensatz dem Gedanken der Dezentralisierung. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wir noch sehr weit entfernt davon sind, ein ideales Governance-Modell zu haben.

Bakery und BurgerSwap: neue Plattformen auf der BSC

Die Binance Smart Chain (BSC) erhält weiteres Interesse seitens von DeFi-Plattformen. BakerySwap und BurgerSwap sind die ersten beiden dezentralen Handelsplattformen, welche auf der BSC starten. Bei Bakery handelt es sich um einen weiteren Ableger von Uniswap, während der Code bei BurgerSwap von Grund auf neu geschrieben wurde.

Damit steht die BSC als veritabler Kandidat für einen Ethereum-Killer im Raum. Auf Twitter gibt der Binance-CEO Changpeng Zhao damit an, dass die BSC bereits 14 % des Transaktionsvolumens und 10 % der Marktkapitalisierung von Ethereum besitzt.

Cronje: “SushiSwap macht DeFi zu einem Witz”

SushiSwap gab gestern (13. September) einige Updates bekannt. Dazu gehörte, dass der Airdrop von 2 Millionen SUSHI and Nutzer, welche ihre Liquidität von Uniswap abzogen und die Migration auf eine eigene Plattform unterstützen, abgeschlossen wurde.

Weiterhin stimmte die Community darüber ab, was mit den rund 14 Millionen USD in ETH geschehen soll, welche von dem Gründer der Plattform, Chef Nomi, zuerst entwendet und dann wieder zurückgegeben wurden. Die Community sprach sich mehrheitlich dafür aus, dass das gesamte Geld wieder in SUSHI umgetauscht werden soll.

Der Gründer von yearn.finance, Andre Cronje, ließ dennoch kein gutes Haar an der Plattform. Er sagte dass SushiSwap DeFi “zu einem Witz” machen würde. Er verglich den derzeitigen Hype um DeFi mit der ICO-Blase von 2017/18.

Auf den ersten Blick mag dieser Vergleich durchaus statthaft erscheinen. Zumindest schien in der Frühphase von SushiSwap die Gier der Anleger größer zu sein als ihr Misstrauen gegenüber einem anonymen Entwickler, welcher eigenhändig den Entwickler-Fonds der Plattform verwaltete.

Genau wie ICOs ist Liquidity Mining jedoch letzten Endes auch nur ein weiteres Mittel, mit dem sich Blockchain-Projekte finanzieren lassen. Airdrops, Rückkaufaktionen und Entwickler-Fonds sind, wenn sie richtig eingesetzt werden, Werkzeuge, welche diesen Prozess vereinfachen können.

DeFi ist im Moment noch ein sehr experimentelles Feld und mit der Zeit wird sich zeigen, welche Methoden für eine Projekt-Finanzierung und welche Governance-Modelle erfolgreich sind und welche nicht. Nach der Übernahme von SushiSwap durch Sam Bankman-Fried und seine acht Beisitzer können wir jedoch bereits jetzt sehen, dass die Community von SushiSwap durchaus in der Lage ist, auf dezentraler Basis sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

CoinMarketCap startet Yield Farming Ranking

CoinMarketCap hat ausgesuchte Yield Farming Plattformen in ein neues Ranking eingefügt. Neben der angelegten Summe zeigt die Seite auch die jährliche Rendite und schätzt das Risiko von Kapitalverlusten für Gelder, die in einem automatischen Kursmakler angelegt werden.

CoinMarketCap verwendet eine andere Liste von Plattformen und Liquiditätspools, als DeFiPulse. Das berichtete Gesamtvermögen unterscheidet sich daher zwischen den beiden Seiten deutlich.

Marktbericht

DeFiPulse berichtet ein Total Value Locked (TVL) von 8,51 Mrd. USD. Da SushiSwap die Auszahlung von neuen Governance-Tokens von 1000 auf 100 SUSHI pro Block reduziert hat, wurde Uniswap im Vergleich zu SushiSwap wieder deutlich attraktiver und konnte weitere Liquidität zurückgewinnen. Uniswap steht nun wieder mit 971 Mio. USD (+70,1 %) auf Platz vier im Ranking.

Die größten DeFi-Plattformen sind Aave (1,52 Mrd., -2,9 %), Maker (1,26 Mrd.. +1,2 %) und Curve Finance (1,02 Mrd., -0,8 %).

Für Yield Farming Pools berichtet CoinMarketCap ein TVL von 2,93 Mrd. USD. Die größten Pools sind Curve Finance (1,05 Mrd.), Swerve (721 Mio.), SushiSwap (403 Mio.), yearn.finance (366 Mio.) und yfv.finance (269 Mio.).

Stand: 14. September 2020, 9:01 Uhr.