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Ethereum: Führt der Wechsel zu Proof-of-Stake zu mehr Zentralität?

6 min
Von Jay Speakman
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IN KÜRZE

  • Welche Auswirkungen hat der Wechsel auf Proof-of-Stake (PoS) auf die Zentralisierung von Ethereum?
  • Wie kann das Netzwerk von PoS profitieren und welche Probleme tauchen dadurch auf?
  • Auf welche Art und Weise beeinflussen die anderen Upgrades die Zentralisierung des Ökosystems?
  • promo

Während Ethereum seine Entwicklung in Richtung einer nachhaltigeren und dezentraleren Zukunft fortsetzt, fragen sich viele Mitglieder der Krypto-Community: Führt der Wechsel zu Proof of Stake (PoS) eigentlich zu einer Zentralisierung des Netzwerks?

In diesem Artikel gehen wir auf die Details der Zentralisierungsdebatte ein und untersuchen die verschiedenen Vorteile und Probleme von PoS. Außerdem werfen wir einen Blick auf die möglichen Auswirkungen der bisherigen und zukünftigen Ethereum-Upgrades auf die Dezentralisierung.

PoS: Eine grüne Revolution

Auch nach der Umstellung auf Proof of Stake möchte das Entwickler-Team den Weg für eine nachhaltige Zukunft ebnen. Im Gegensatz zu dem früheren, energieintensiven Proof of Work (PoW)-Mechanismus ist der ökologische Fußabdruck bei PoS wesentlich geringer.

Bitcoin steht aufgrund seines massiven Energieverbrauchs in der Kritik. Das Ethereum-Team hingegen setzt sich für eine umweltfreundlichere Alternative ein, schließt sich dem weltweiten Kampf gegen den Klimawandel an und möchte so Vorbild für andere Blockchain-Netzwerke sein.

PoS schafft ein inklusiveres Netzwerk

In PoW-Systemen dominieren Mining-Unternehmen mit leistungsstarker Hardware und reichhaltigen Ressourcen das Netzwerk. Kleinere Netzwerkteilnehmer:innen haben es schwer, gegen diese gut ausgerüsteten Großanbieter anzukommen. PoS hingegen ermöglicht es den Nutzer:innen, selbst mit geringeren Mengen an ETH am Netzwerk teilzunehmen.

Durch die Förderung eines inklusiveren Umfelds unterstützt das Ethereum-Team die Dezentralisierung und die Widerstandsfähigkeit seines Netzwerks. Die Umstellung auf PoS spiegelt in dieser Hinsicht die Vision der Blockchain-Community von einem egalitären Netzwerk wider, in dem Teilnehmer:innen unabhängig von ihrem Markteinfluss einen Beitrag leisten können.

Validatoren sichern das Netzwerk in PoS-Systemen, indem sie ihre Anteile riskieren. Wenn sie sich nicht korrekt verhalten oder es versäumen, Transaktionen zu validieren, können sie so ihren Einsatz verlieren. Diese Strafe schafft einen starken Anreiz für die Validatoren, im besten Interesse des Netzwerks zu handeln. Auf diese Art und Weise profitiert auch die Sicherheit von Ethereum. Ein sicheres Netzwerk wiederum zieht mehr Nutzer:innen und Entwickler:innen an und fördert gleichzeitig das Wachstum und das Vertrauen in das Ökosystem.

Wieso führt PoS zur Zentralisierung?

Doch auch wenn PoS aufgrund seiner Vorteile durchaus attraktiv erscheint, entstehen durch den Konsensmechanismus möglicherweise Zentralisierungsprobleme. Validatoren mit großen Anteilen am Netzwerk besitzen nämlich auch gleichzeitig größeren Einfluss. Die großen Stakeholder:innen dominieren unter Umständen die Validierung der Transaktionen und begünstigen so eine Konsolidierung der Macht im System. Diese potenzielle Bündelung der Macht steht jedoch im Widerspruch zu Ethereums Kernprinzip der Dezentralisierung.

So könnten beispielsweise Kartelle oder Absprachen zwischen großen Stakeholder:innen entstehen. Die Validatoren wären dann in der Lage, das Netzwerk zu ihren Gunsten zu manipulieren – mit negativen Konsequenzen für das Ökosystem. Das Ethereum-Team muss diese Probleme angehen, um die dezentrale Natur des Netzwerks zu erhalten.

Einstiegshürden für die Sicherheit: Sinnvoll, oder nicht?

Um an den mit PoS verbundenen Validierungsprozessen teilzunehmen, müssen die Validatoren mindesten 32 ETH in das Netzwerk einzahlen und sperren. Doch auch wenn diese Einstiegshürde dabei helfen kann, die Sicherheit im Netzwerk zu gewährleisten, hält sie kleinere Akteure davon ab, an diesem teilzunehmen. Wenn die größeren Stakeholder:innen immer mehr an Bedeutung gewinnen, wachsen auch gleichzeitig die Sorgen vor einer Zentralisierung weiter an. Um ein wirklich dezentrales Netzwerk zu erhalten, muss das Team daher die Voraussetzungen für das Staking an eine breitere Teilnehmerzahl anpassen.

Ethereum Staking-Anteile Balkendiagramm
Anteile am Ethereum Staking Chart Quelle; Dune Analytics

Riskantes Geschäft: Die Gefahren des Staking

Das Staking in PoS-Systemen bringt außerdem neue Risiken mit sich. Validiatoren können beispielsweise ihre Einsätze aufgrund von Softwarefehlern, Sicherheitslücken oder Benutzerfehlern verlieren. Jedes System birgt Risiken, allerdings kann PoS diese sogar verstärken. Validatoren müssen deswegen mit Vorsicht handeln und sich der lauernden Gefahren bewusst sein.

Darüber hinaus bestraft das sogenannte Slashing im PoS-System von Ethereum Validatoren, die sich nicht an die Protokollregeln halten. Auch wenn das Slashing die Sicherheit verbessert, erhöht es auch die Komplexität des Systems und birgt dadurch neue potenziellen Gefahren für die Validatoren. Das Staking ist damit äußert risikoreich, bietet aber auch gleichzeitig Chancen auf hohe Renditen.

Die Evolution von Ethereum: Der Merge und das Shanghai Upgrade

Im Laufe der Entwicklung zu einem hochwertigen PoS-System durchlief die Blockchain bereits mehrere entscheidende Upgrades, darunter der Merge und das Shanghai Upgrade. Bei diesen Entwicklungen handelt es sich Meilensteine auf Ethereums Weg, das Ideal eines effizienteren, sichereren und dezentralisierten Netzwerks zu verwirklichen.

Der Merge: PoW und PoS veschmelzen

Der Merge behandelte die Integration des PoW-Mainnets von Ethereum in das PoS-System der Beacon Chain. Bei dem Event führten die Entwickler:innen das System komplett in PoS über, wodurch die beiden parallel laufenden Systeme fusionierten. Bei dem Merge handelt es sich um einer der wichtigsten Entwicklungsschritte von Ethereum, da das System nach langem Warten endlich auf den wesentlich nachhaltigeren PoS-Mechanismus umgestellt wurde.

Der Merge beeinflusste jedoch auch immer wieder die Zentralisierungsdebatte – und wird dies wahrscheinlich auch weiterhin tun. Der neue Konsensmechanismus bringt verschiedene Vorteile und Nachteile mit sich, die die Dezentralisierung entweder fördern oder untergraben können. Eine kritische Beobachtung der Entwicklung und der Auswirkungen des Merge auf die Machtverteilung im Netzwerk ist entscheidend, um die weiteren Auswirkungen von PoS auf die Zentralisierung von Ethereum zu bewerten.

Shanghai Upgrade: Verbesserung der Ethereum-Infrastruktur

Das ursprünglich für 2022 geplante Shanghai-Upgrade zielt darauf ab, mehrere Verbesserungen und Funktionen einzuführen. Dazu zählen unter anderem, die Abstraktion von Konten und Möglichkeit, staatsunabhängig zu agieren.

Die Kernentwickler von Ethereum haben jedoch beschlossen, den Merge vor dem Shanghai-Upgrade durchzuführen. Das Team betrachtete die vollständige Umstellung auf PoS als dringlicher.

Sobald alle Komponenten des Shanghai Upgrade vollständig implementiert wurden, spielt es für die Entwicklung der Infrastruktur eine entscheidende Rolle, da es bestehende Probleme behebt und das Netzwerk weiter optimiert. Diese Verbesserungen dürften sich auch auf die Zentralisierungsdebatte auswirken. Die verbesserte Effizienz, Sicherheit und Zugänglichkeit fördern entweder eine stärkere Dezentralisierung oder ziehen unbeabsichtigt Zentralisierungstendenzen nach sich.

Die Rolle des dezentralen Finanzwesens (DeFi)

Das primär auf Ethereum aufbauende DeFi-Ökosystem demokratisiert den Zugang zu Finanzdienstleistungen. Daher könnte DeFi die Zentralisierung von Ethereum entscheidend beeinflussen. So ermöglichen es beispielsweise Staking-Pools und dezentrale autonome Organisationen (DAOs) kleineren Stakeholder:innen, ihre Ressourcen gemeinsam in das Netzwerk einzubringen. Derartige Innovationen sind in der Lage, die Macht größerer Stakeholder:innen auszugleichen und somit die Dezentralisierung voranzutreiben.

Ethereum Logo
Ethereum Coverbild Quelle; BeInCrypto.com

Ein Blick in die Zukunft: Das Dezentralisierungsdilemma von Ethereum

Der Übergang von Ethereum zu PoS löste eine kontroverse Debatte über dessen Zentralisierung aus. Der neue Konsensmechanismus bietet bemerkenswerte Vorteile wie ökologische Nachhaltigkeit, Chancen auf höhere Netzwerkteilnehmerzahlen und eine verbesserte Sicherheit. Allerdings gibt es auch berechtigte Bedenken hinsichtlich einer möglichen Zentralisierung, welche mehrere Nachteile für das System hätte. Zu den Bedenken gehören die mögliche Dominanz großer Interessengruppen und die aktuellen Eintrittsbarrieren für kleinere Netzwerkteilnehmer:innen.

Während sich das Ethereum-Team auf neuen Terrain bewegt, muss es sich diesen Herausforderungen stellen, um die dezentrale Natur des Systems zu bewahren. Die Community muss wachsam bleiben und gemeinsam daran arbeiten, ein Gleichgewicht zwischen den Vorteilen von PoS und den damit verbundenen Zentralisierungsrisiken zu finden.

Darüber hinaus müssen die Entwickler:innen und die Community von Ethereum weiterhin innovative Lösungen erarbeiten. So können beispielsweise die Stärkung von DeFi hinsichtlich des Stakings, die Optimierung der Slashing-Mechanismen und die Förderung eines inklusiveren Umfelds dazu beitragen, der Zentralisierung entgegenzuwirken.

Dezentralisierung und Fortschritt: Ein Akt der Balance

Letztendlich wird der Erfolg des Ethereum-Teams beim Erhalt der Dezentralisierung von der Fähigkeit abhängen, das Ökosystem anzupassen und weiterzuentwickeln. Mit der Einführung von PoS beginnt für das System ein neues Kapitel seiner Reise, das sowohl Chancen als auch Herausforderungen beinhaltet. Die Zukunft des Netzwerks hängt davon ab, ob es in der Lage ist, seine Grundwerte zu sichern und gleichzeitig die Anforderungen einer sich ständig verändernden technologischen Landschaft zu meistern.

Der Wechsel zu Proof of Stake bietet unbestreitbare Vorteile. Dennoch setzt sich Zentralisierungsdebatte weiter fort, während möglicherweise die mit der Zentralisierung verbundenen Probleme in Erscheinung treten. Die Ethereum-Community muss sich den Herausforderungen stellen, um sicherzustellen, dass ihre dezentralisierte Vision inmitten neuer und aufkommender Risiken Bestand hat. Der fortlaufende Dialog und die Zusammenarbeit innerhalb der Community spielen eine entscheidende Rolle bei der Zukunftsgestaltung von Ethereum und der Aufrechterhaltung seines Engagements für die Dezentralisierung.

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Maximilian Mußner
Maximilian Mußner machte sich Anfang 2018 im Markt für Freizeit und Kulturdienstleistungen selbstständig und begann im Oktober 2018 mit dem Handel von Kryptowährungen. Mitte 2019 gründete er dann ein Startup-Unternehmen in diesem Marktsegment - bis ihn März 2020 der erste Corona-Lockdown traf. Um diesen zu überbrücken, widmete er sich vollständig dem Trading im Krypto-Bereich - mit Erfolg. Im November 2020 begann er dann als Copywriter bei BeInCrypto und unterstützte das damals noch recht...
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