Die US-Notenbank Federal Reserve veröffentlicht am Mittwoch um 20 Uhr die Protokolle ihrer Sitzung vom 16. und 17. Juni. Investoren, die sich klare Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung im September erhoffen, könnten weniger erfahren, als sie erwarten.
Vorsitzender Kevin Warsh hat in diesem Zyklus keine eigene Zinsprognose abgegeben. Zusätzlich veröffentlichte er eine sehr kurze Stellungnahme mit nur 130 Wörtern, in der komplett auf eine Orientierung für die Zukunft verzichtet wurde. Daher bleiben die Protokolle die einzige ausführliche Übersicht über die internen Diskussionen des Komitees.
Ein geteiltes Komitee: Falke gegen Taube
Das FOMC beließ den Leitzins am 17. Juni bei 3,50% bis 3,75%. Das war die vierte Pause in Folge. Neun von 18 FOMC-Mitgliedern rechneten mit mindestens einer Zinserhöhung für das Jahr 2026. Warsh gab selbst keine Prognose ab.
Das Treffen fand vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts für Juni statt. Dieser Bericht zeigte mit nur 57.000 neuen Jobs den schwächsten Zuwachs seit vier Monaten. Jede entschiedene Sprache in den Protokollen spiegelt also einen Arbeitsmarkt wider, der zu diesem Zeitpunkt noch stabil wirkte. Das schwächere Bild wurde erst einige Tage später deutlich.
Das CME FedWatch Tool zeigt inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 50% bis 55% für eine Zinserhöhung im September. Vor dem unerwartet schwachen Arbeitsmarktbericht im Juni lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei 66%. Warsh ging in seiner Pressekonferenz direkt auf die Unsicherheit ein.
„Wir erkennen an, dass die Inflation deutlich über dem langjährigen Ziel der Fed von 2% liegt, und das bereits seit mehr als fünf Jahren. Ständig hohe Preise sind eine Belastung für die amerikanische Bevölkerung. Doch die jüngste Vergangenheit muss nicht zur Zukunft werden.”
— Kevin Warsh.
Warum gerade das Schweigen zum Thema wird
Seit seinem Amtsantritt setzt Warsh auf einen schlankeren Kommunikationsstil. Er ist der Meinung, dass zu große Orientierungshilfen die Fed zu sehr an die Märkte binden, die besser auf die Wirtschaftsdaten reagieren sollten.
Diese Vorgehensweise macht die Protokolle am Mittwoch besonders relevant. Es gibt keine begleitenden Stellungnahmen zum Vergleich. Bei einer Rede auf dem Politikforum in Sintra im Juli machte Warsh deutlich, wie er zur Inflation steht. Seiner Meinung nach sollte niemand damit rechnen, dass seine Fed eine Inflation über 2% einfach akzeptiert.
Die Protokolle könnten zeigen, wie knapp eine Zinserhöhung im Juni tatsächlich war. Sie könnten aber auch das Ausmaß der Meinungsverschiedenheiten genauso vage lassen wie die kurze Stellungnahme.
So oder so, ein Vorsitzender, der das Schweigen bevorzugt, wird Investoren wohl auch nach Mittwoch noch auf mehr Klarheit warten lassen.









