Die Intel-Aktie (INTC) schloss am Freitag bei 82,54 USD. Damit hat sich der Kurs in nur einem Monat etwa verdoppelt, neue Allzeithochs erreicht und viele Trader fragen sich nun, ob vor Ende Mai die 100-USD-Marke erreicht werden kann.
Der starke Kursanstieg nach den Quartalszahlen hat Intel in eine deutlich überkaufte Zone gebracht, während sich leise bärische Optionenpositionen aufbauen. Ob das Chip-Unternehmen weiter zulegen oder einen Rücksetzer macht, hängt jetzt von einem bestimmten Muster im Chart im Zwei-Tages-Intervall ab.
Volumen-Divergenz bei Intel: Warnsignal bei überkauftem RSI
Die Intel-Aktie ist seit sieben Monaten im Zwei-Tages-Chart gestiegen, aber das Handelsvolumen wurde dabei immer geringer. Zwischen 17. September und 23. April stieg der Kurs stetig, während das gehandelte Volumen zeitgleich zurückging.
Diese Lücke ist eine typische Volumen-Divergenz und warnt davor, dass die Zuversicht für diese Kursbewegung nachlässt.
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Der Relative-Stärke-Index (RSI), ein Momentum-Indikator, zeigte zuletzt einen Wert von 80,92. Das ist bereits das zweite Mal in weniger als einem Jahr, dass INTC diese überkaufte Zone erreicht.
Beim ersten Mal, Anfang 2026, folgte nach dem Erreichen dieses Werts eine Korrektur von rund 23% in den darauffolgenden Tagen. Auch damals zeigte sich zuvor die gleiche Volumen-Divergenz wie aktuell.
Diese technische Überdehnung ist relevant, weil sie die Grundlage der aktuellen Rallye betrifft.
Intel wird derzeit mit mehr als dem 120-Fachen der für das kommende Jahr erwarteten Gewinne gehandelt. Das ist die höchste Bewertung unter den großen Chip-Unternehmen. Jeder zukünftige Dollar Gewinn ist damit bereits vielfach im Kurs eingepreist.
Auf Basis klarer Rechnungslegung verzeichnete das Unternehmen im letzten Quartal einen Nettoverlust von 3,7 Milliarden USD wegen einer Mobileye-Abschreibung. Das Foundry-Geschäft, das im Mittelpunkt der Trendwende-These steht, brachte im gleichen Quartal weitere 2,4 Milliarden USD Verlust ein.
Aktuell hält einzig das Momentum den Kurs noch deutlich über dem eigentlichen Geschäft. Sobald der RSI zurückgeht, nähert sich der Kurs meist wieder den Unternehmenskennzahlen an.
Ob die Optionenpositionierungen dieses Rücksetzer-Risiko bestätigen oder widerlegen, ist der nächste wichtige Faktor.
INTC Put-Call-Ratio steigt, während Analysten weiter vorsichtig bleiben
Am 27. März, als Intel bei 43,13 USD schloss, war der Optionsmarkt ausgeglichen. Die Put-Call-Ratio nach Volumen lag bei 0,93, die Open-Interest-Ratio bei 0,91. Weder Calls noch Puts dominierten den Markt.
Bis zum 23. April, als Intel die Q1-Zahlen veröffentlichte und der Kurs bei 66,78 USD stand, war das Volumen-Verhältnis auf 1,23 und das Open-Interest-Verhältnis auf 0,96 gestiegen. Die bärischen Positionen nahmen also mit steigendem Preis zu.
Diese Positionierung hat zwei Seiten: Steigt Intel weiter, geraten diese bärischen Investitionen unter Druck und Zwangseindeckungen könnten die Bewegung zusätzlich verstärken, ähnlich wie beim massiven Kurssprung von 24% am 24. April.
Bricht der Kurs hingegen ein, könnte die dominante Put-Mauer als Magnet wirken und den Kurs weiter nach unten ziehen.
Die implizite Volatilität, die zeigt, welche Kursbewegungen Options-Trader im kommenden Jahr erwarten, liegt aktuell bei 73,63%. Mit einem IV-Rang von 90,76 liegt dieser Wert nahe an der Spitze des vergangenen Jahres. Daher stellt sich der Markt auf eine der größten erwarteten Bewegungen in beide Richtungen ein.
Die Wall Street hat die Rallye bisher nicht aktiv unterstützt. Zwar wurden die Analystenziele nach den Quartalszahlen teilweise angehoben, aber die meisten Bewertungen bleiben vorsichtig.
Barclays hat das Kursziel auf 65 USD mit einer Halten-Empfehlung angehoben. Die Bank of America bestätigte ihre Verkaufsempfehlung bei 56 USD, was auf einen möglichen Rückgang von etwa 32 % hindeutet. Morgan Stanley bewertet die Aktie mit „Halten” und einem Kursziel von 73 USD. RBC setzte das Ziel auf 80 USD, ebenfalls Halten. Nur Roth MKM mit 100 USD und Northland mit 92 USD empfehlen einen Kauf.
Da die Positionierung bärisch ist und die meisten Kursziele unter dem aktuellen Kurs liegen, entscheidet letztlich der Chart selbst.
Intel-Aktie: Kursniveaus und die 100-USD-Frage für Mai
Die Rallye von 40,76 USD bis zum Hoch am 24. April bei 85,37 USD bildet die Stange eines möglichen bullischen Flaggenmusters. Das ist ein Fortsetzungs-Narrativ, bei dem auf einen starken Anstieg eine enge Seitwärtsbewegung folgt, bevor es weiter nach oben geht. Die Intel-Aktie konsolidiert aktuell nahe 82,54 USD.
Die Flagge bleibt bestehen, solange der Kurs über 64,84 USD notiert. Schließt der Kurs zweimal über 83,10 USD, dem 0,618-Fibonacci-Level, bestätigt dies den Ausbruch.
Das kann den INTC-Kurs in Richtung 94,39 USD und sogar 112,66 USD treiben. Im mittelfristigen Zeitraum ist auch eine Bewegung bis 171,76 USD möglich.
Für das 100-USD-Ziel im Mai muss die Aktie zunächst klar über 83,10 USD steigen und dann 88,07 USD (0,786 Fibonacci) sowie das 1,0 Fibonacci-Level bei 94,39 USD überwinden. Oberhalb von 94,39 USD ist der Weg zu 100 USD frei und führt weiter bis zur 1,618-Extension bei 112,66 USD.
Dieses Narrativ birgt allerdings ein Risiko. Mit einem RSI von bereits 80,92 und sinkendem Volumen auf dem Weg nach oben, kann es vor einem möglichen Ausbruch rasch zu einem Rückfall auf 76,13 USD (0,382 Fibonacci) oder sogar 71,81 USD (0,236 Fibonacci) kommen.
Ein zweimaliges Schlusskurs unter 64,84 USD macht die bullische Flagge und das positive Narrativ ungültig. Die nächste starke Unterstützung liegt dann erst wieder beim Tiefpunkt von 40,76 USD aus Ende März, also dem Niveau vor Beginn der Rallye.
Fällt der Kurs darunter, spiegelt er nicht mehr die KI-Veränderung wider, sondern lediglich das verlustreiche Geschäft, das in der aktuellen Bilanz sichtbar ist.
Der Schlusskurs bei 83,10 USD ist die entscheidende Marke. Ein klarer Ausbruch kann die Intel-Aktie im Mai bis 100 USD treiben. Ein Rückfall an dieser Stelle, angesichts bärischer Optionen, eines extremen RSI-Werts und einem Bereich, in dem Intel weiter 2,4 Milliarden USD Verlust pro Quartal macht, würde einen Rückgang um 23 % wie beim letzten überkauften Reset ermöglichen.





