Jim Paulsen, ein erfahrener Marktstratege, sagt, dass der US-Aktienmarkt den Großteil des üblichen Spielraums, auf den er bei Kursanstiegen angewiesen ist, bereits ausgeschöpft hat, auch wenn das nachlassende Momentum nun auf Rekordbewertungen trifft.
Paulsen, ein langjähriger Ökonom und ehemaliger Chef-Investmentstratege der Leuthold Group, sprach darüber in der CNBC-Sendung „Closing Bell Overtime“. Er wies darauf hin, dass Gewinne, Bewertungen und die Positionierung der Investoren sich alle in der Nähe historischer Höchststände befinden.
Paulsen: Rekordbewertungen am Aktienmarkt
Paulsen erklärte im Juli, dass das Kursniveau des S&P 500 etwa 60% über seinem Trendwert seit dem Zweiten Weltkrieg liegt. Dieses Niveau wurde bisher nur einmal erreicht, nämlich beim Höchststand der Dotcom-Blase.
Auch die Gewinne der letzten zwölf Monate liegen 60% über ihrem jeweiligen Trendwert. Paulsen bezeichnete dies als neuen Rekord, sogar noch höher als in früheren Boomphasen, etwa während der Dotcom-Zeit.
Die Gewinnmargen der Unternehmen sowie die Investitionen außerhalb des Wohnungsbaus, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, haben laut Paulsen ebenfalls Rekordhöhen erreicht. Die Schätzungen für zukünftige Gewinne im Vergleich zu den vergangenen Gewinnen sind ebenfalls ungewöhnlich hoch und nähern sich laut Paulsen einem neuen Höchststand in den Daten seit 1990.
Bewertungen liegen zwar nicht in allen Bereichen bei Rekordwerten, so Paulsen, aber nach den meisten Kriterien sind sie historisch hoch. Er ergänzte, dass der Anteil der Aktien an den Finanzvermögen der Haushalte auf einem Rekordhoch liegt. Im Verhältnis zum Marktwert sind die Barbestände nahe an einem Rekordtief.
Paulsen beschrieb die Gesamtstimmung als selbstzufrieden, da Investoren sich daran gewöhnt haben, jeden Kursrückgang direkt auszunutzen.
„Keiner sorgt sich mehr um eine Rezession, Michael, weil wir seit 16 Jahren keine mehr hatten.”
Jim Paulsen, CNBC
Nachlassendes Momentum könnte das Zinssenkungs-Narrativ umkehren
Paulsen verwies auf schwächere Daten, etwa aktuelle ADP-Arbeitsmarktdaten, schwächere Einzelhandelsumsätze und eine schleppende Bautätigkeit. Er nannte zudem den Citigroup US Economic Surprise Index, der zeigt, wie aktuelle Daten im Vergleich zu Prognosen ausfallen. Dieser Index ist in den letzten Wochen von 60 auf 25 gefallen.
Paulsen warnte, dass sinkende Zinsen mit fallenden Aktienkursen einhergehen könnten, anstatt eine Rallye auszulösen, wie es Investoren meist erwarten. Das Risiko steigt, wenn die niedrigeren Zinsen auf ein schwächeres Wachstum hindeuten statt auf eine nachlassende Inflation.
Er wies zudem auf den US-Dollar hin. Real betrachtet liegt er noch immer innerhalb von 8% des Allzeithochs aus dem Jahr 1970.
Ängste im Zusammenhang mit dem Anleiherückkauf-Plan der Treasury, den Milliardär Stanley Druckenmiller kritisiert hat, sieht Paulsen gelassen. Die jüngsten Bewegungen der Renditen bewertet er als eher unwichtig.
Auch steigende Ölpreise erzeugen laut Paulsen weiteren Druck auf das System. Dieser Druck belastet sowohl die Gewinnmargen der Unternehmen als auch die Kaufkraft der Haushalte.
Ob das nachlassende Momentum zu einem deutlichen Rücksetzer führt, ist noch nicht klar. Vieles hängt davon ab, wie stark sich die zugrundeliegenden Daten in den nächsten Wochen weiter verschlechtern.









