Libra 2.0: Zu Tode reguliert

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Mark Zuckerberg hat die Widerstände gegen seine geplante Kryptowährung unterschätzt. Nun präsentierte er mit Libra 2.0. ein Konzept, das er ursprünglich selbst nicht wollte.



Es war einmal eine Währung, die die Welt verändern wollte. Zunächst waren sich alle über einen möglichen Erfolg einig. Doch dann kam Gegenwind auf und provozierte die Frage, ob das Projekt überhaupt noch eine Berechtigung hat. 

Libra, die “Unbanked” und die Regierungen

Es geht um die Libra, die geplante Währung des Facebook Chef Mark Zuckerberg. Im Grunde genommen war die ursprüngliche Vision von Libra eine Art wilder Krypto-Traum. Ein privates Geld und ohne Regulierung. Außerdem hätte Facebook einen Vorteil gegenüber Bitcoin: Der Internetgigant hat bereits rund 2,7 Milliarden Nutzer – ein Drittel der Weltbevölkerung. 



Für diese Menschen wollte Facebook eine digitale Währung einführen, den Libra-Coin. Sie sollte von einem in der Schweiz ansässigen Firmenkonsortium herausgegeben werden, der Libra Association. So könnten die Facebook-Nutzer nativ in den Facebook-Apps billige Überweisungen tätigen. Gerade Menschen in ärmeren Ländern ein grundlegendes Bedürfnis.

Trotzdem bekam Zuckerberg starkes Kontra. Denn für die Regierungen ist mit Geld nicht zu spaßen. Man müsse dafür sorgen, “dass die Herausgabe einer Währung eine Angelegenheit von Staaten bleibt”, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz. “Und nicht die Angelegenheit großer privater Firmen”.

Mit Version 2.0 zum (regulierten) Erfolg

Infolgedessen weicht die überarbeitete Version in mehreren wesentlichen Punkten von seiner ursprünglichen Form ab. Der politischen Widerstand machte es notwendig. 

Im April 2020 veröffentlichte Libra dass das Whitepaper 2.0. In vier Punkten passt sich das Projekt an das Feedback der Regulationen an.

  1. Anstatt einer einzigen neuen kommt zusätzlich eine Reihe verschiedener Stable Coins auf den Markt, die jeweils an Dollar, Euro Pfund etc. gebunden.
  2. Ein robustes Compliance Framwork soll die Sicherheit des Zahlungsnetzwerk verbessern.
  3. Der für die Zukunft geplante Übergang zu einem erlaubnislosem System fällt weg.
  4. Der Aufbau eines starken Schutzes für die Reserve.

Damit weicht die Libra Association in den wichtigsten Punkten von ihrem ursprünglichen Ideal ab. Gerade der Übergang zu einem offenen, erlaubnislosem System war für Viele ein rettender Lichtblick. Doch selbst 2019 bei der Veröffentlichung des ersten Whitepapers gaben sich Einige skeptisch, ob dieser Übergang jemals stattfinden würde. Sie sollten Recht behalten.

“Libra 2.0 dürfte für die Community nicht überzeugend zu sein“, sagte Garrick Hileman, Forschungsleiter bei Crypto Wallet Company Blockchain. „Es fehlt Zensurresistenz – das wohl wichtigste und alleinige Merkmal von Blockchain-Netzwerken wie Bitcoin und Ethereum“.

Das Projekt scheitert bereits in den Kinderschuhen an der Architektur. Im Gegensatz zu Bitcoin mit dem unbekannten Erfinder Satoshi Nakamoto, liefert Libra mit Facebook und Mark Zuckerberg eine große Angriffsfläche für Regierungen. Eventuell erblickt der Facebook-Coin noch das Licht der Welt, doch eine echte Kryptowährung ist Libra nicht.

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Manfred interessiert sich schon seit einigen Jahren für den Krypto-Raum und setzt seine intensive Erfahrung im journalistischen Bereich mit unterschiedlichen Schwerpunkten um.

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