Michael Saylor, bitte höre auf, deinen schrecklichen Bitcoin-Twitter-Plan zu verbreiten

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IN KÜRZE
  • Michael Saylor hat einen Plan, um Twitter aufzuräumen. Leider ist der Plan nicht besonders gut.

  • Der CEO von MicroStrategy ist der Meinung, dass das Lightning Network von Bitocin dabei helfen kann die Plattform zu retten. Damit liegt er falsch.

  • Der Plan von Saylor würde dem Social-Media-Riesen novh mehr Macht verleihen, zum Nachteil der normalen Nutzer.

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Michael Saylor hat einen Plan, wie er Twitter vor Spambots und anderen Scams retten kann. Und er will scheinbar, dass du davon weißt.

Michael Saylor, CEO des Softwareunternehmens MicroStrategy, wurde 2020 zu einem führenden Bitcoin-Maxi, als MicroStrategy begann, Bitcoin-Reserven aufzubauen. Saylor selbst kaufte über 17.000 Bitcoin-Token unter 10.000 US-Dollar.

Zurzeit ist MicroStrategy das Unternehmen mit den größten Bitcoin-Reserven, dicht gefolgt von Tesla. Am Mittwoch fiel die MicroStrategy-Aktie auf einen Tiefstand von 165 US-Dollar pro Aktie, während der Bitcoin Kurs unter 30.000 US-Dollar fiel.

Der “Orange Check” Plan

Der “Orange Check” Plan ist etwas, über das Saylor seit mindestens 2021 nachgedacht hat. Damals schlug der Unternehmer zum ersten Mal vor, dass das Bitcoin Lightning Network irgendwie genutzt werden könne, um Twitterkonten zu “verifizieren”. Konkret schlug Saylor vor, orange Häkchen auf Twitterprofilen zu verwenden, um Bots von tatsächlichen Menschen unterscheiden zu können.

Er hat Elon Musk bei mindestens fünf verschiedenen Gelegenheiten öffentlich über seinen Plan informiert. Daran waren unter anderem auch Twitter-CEO Parag Nawal, Cameron Winklevoss und Jordan Peterson beteiligt. Saylor machte jedoch keine Angaben darüber, wie der Verifizierungsvorgang genau ablaufen soll. Und eine Zeitlang wirkte es so, als wäre sein Plan in Vergessenheit geraten.

Dann kam 2022 und Saylor beschloss, dass es an der Zeit war, den Plan wieder hervorzukramen und über Twitter und jeden, der die Möglichkeit hatte, ihn zu hören, zu verbreiten.

Der “Orange Check” Plan beschreibt den Vorgang, bei dem einzelne Nutzer das Lightning Network von Bitcoin nutzen würden, um etwa 20 US-Dollar bei Twitter einzuzahlen. Im Gegenzug würden diese Nutzer ein oranges Häkchen neben ihrem Namen erhalten.

Wenn jemand mit einem orangefarbenen Häkchen ein unangemessenes Verhalten an den Tag legen würde, würde das Twitter-Moderationsteam die 20 US-Dollar als Strafmaßnahme einbehalten. Die Theorie von Saylor ist, dass der Verlust der Einzahlung Spammer und anderweitig störende Akteure davon abhält, sich unangebracht zu verhalten.

Quelle: Twitter

Es gibt allerdings ein kleines Problem. Der “Orange Check” Plan den Saylor immer wieder propagiert ist in der Tat sehr schlecht. Er würde einfach nicht so funktionieren, wie er soll.

Nutzer können dem Moderationsteam von Twitter nicht trauen

Von den vielen Gründen, warum die orangen Häkchen eine schlechte Idee sind, ist der erste, dass die Häkchen falsche Anreize setzen. Man muss kein Experte für Spieltheorie sein, um festzustellen, dass ein 20 US-Dollar-Pfand die gesichtslosen Twitter-Moderaten weiter stärken und gleichzeitig zusätzliche Risiken für normale Nutzer schaffen würde.

Für diejenigen unter euch, die das Glück hatten, noch nie mit einem Twitter-“Moderatoren” in Konflikt zu geraten, erkläre ich kurz, wie das System funktioniert. Sobald Twitter dich eines Verstoßes für “schuldig” befindet, haben Nutzer zwei Möglichkeiten.

  • Die erste Möglichkeit ist, den Fehler einzugestehen und die Bestrafung, die Twitter für angemessen hält, zu akzeptieren.
  • Die zweite Möglichkeit ist, den Fall anzufechten. Dann ein Schlichtungsverfahren zu durchlaufen, das länger dauert als die eigentliche Strafe (währenddessen bleibt dein Konto gesperrt). Anschließend erneut für schuldig befunden zu werden und eine noch härtere Strafe dafür zu erhalten, dass du von Anfang an deine Unschuld beteuert hast.

Meiner Erfahrung nach ist der Moderationsprozess ein Scheingefecht und es ist unwahrscheinlich, dass überhaupt ein intelligentes menschliches Eingreifen stattfindet.

Ich wurde zum Beispiel einmal für schuldig befunden, gegen die Twitter-Regel zur “Selbstverletzung” verstoßen zu haben. Ich hatte scherzhaft erwähnt, dass ich wegen eines kleinen Fehltritts Seppuku begehen würde. Im Verfahren erklärte ich dann, dass ich nicht im feudalen Japan lebe, nicht selbstmordgefährdet bin und kein Samurai-Schwert besitze. Nachdem das Twitter-Moderationsteam sein offensichtlich falsche Urteil sorgfältig überdacht hatte, befand es mich erneut für schuldig.

Wenn nun 20 US-Dollar auf dem Spiel stehen würden, wären die Twitter-Moderatoren dann mehr oder weniger geneigt gewesen, meinem Fall gegenüber wohlwollender zu sein? Ich glaube eher weniger.

Orange Häkchen würden es Twitter ermöglichen, von der Misere gewöhnlicher Krypto-Twitter-Nutzer zu profitieren. Es würde sie sogar dazu ermutigen, Unschuldsbeteuerungen mit weniger Wohlwollen zu betrachten.

Es gibt einen Grund, warum Geschworene keine Prämien für Schuldsprüche erhalten.

Fälschliche Kennzeichnung “anstößiger” Beiträge

Im Kulturkrieg zwischen Linken, Rechten und Menschen, die einfach nur ihren Alltag bewältigen wollen, scheint es nur wenige faire Spielregeln zu geben. Vor allem dann, wenn die gegnerische Fraktion versucht, einen Beitrag fälschlicherweise als “anstößigen Beitrag” der anderen Partei zu kennzeichnen.

Insbesondere Personen, die den Beitrag des Gegners “falsch kennzeichnen” tun dies letztendlich, um ihm den Zugang zu seinen Social-Media-Kanälen zu verwehren. Im Rahmen von Saylors Pfandsystem würde dies Einzelpersonen eine neue Waffe und einen neuen Mechanismus in die Hand legen, um ihre Gegner finanziell zu schädigen.

Statt schlechtes Verhalten zu verhindern, schaffen die orangen Häkchen eher einen Anreiz dafür. Mit anderen Worten: Jeder, der ein oranges Häkchen hat, hätte eine Zielscheibe auf dem Rücken und wäre ein potenzielles Opfer.

Ein Preis, der sich lohnt?

Die zentrale Behauptung von Saylors Vorschlag ist, dass ein 20 US-Dollar Pfandsystem Spammer und andere negative Akteure abschrecken würde. Das Problem ist allerdings, dass diese negativen Akteure, anders als die meisten normalen Nutzer, aus Profitgründen posten.

Wie viele Beiträge muss ein Betrüger verfassen, um ein williges Opfer zu finden und ein großes Geschäft zu machen? Ich weiß es nicht, aber ist es nicht zumindest möglich, dass diese Betrüger die 20 US-Dollar Kaution als Preis für ihre Geschäfte betrachten könnten?

Könnte es nicht sein, dass Betrüger, nachdem sie sich die “Legitimität” eines orangen Häkchens gesichert haben, versuchen, diese vermeintliche Authentizität zu nutzen, um ihren Betrug fortzusetzen? Ich kann zu diesen Punkten nur Vermutungen anstellen, aber es gibt genügend Fragen, die mich nachdenklich machen.

Musk ist nicht die Lösung

Was ist mit Elon? Würde seine Twitter-Übernahme nicht den wesentlichen Teil meines Arguments entkräften?

Nein.

Selbst wenn sich durch die Übernahme von Musk alles auf Twitter grundlegend ändern würde, würden die signifikanten Probleme mit dem Plan von Saylor weiterhin bestehen. Die Anreize führen nach wie vor in eine falsche Richtung und normale Nutzer müssten einen Vertrauensvorschuss von 20 US-Dollar aufbringen. Das ist alles schön und gut, bis du deine ersten 20 US-Dollar verlierst.

Würdest du gerne noch einmal würfeln?

Dank seiner Unterstützung für Bitcoin und Dogecoin ist Musk zu einer weithin anerkannten Figur in der Krypto-Szene geworden. Er hat sich allerdings noch nicht an etwas wirklich Herausforderndem versucht. Bisher hat sich der reichste Mann der Welt nur mit einfachen Alltagsproblemen wie der Entwicklung selbstfahrender Autos oder der Beförderung von Menschen in die Erdumlaufbahn beschäftigt.

Sollte Musk Twitter wirklich kaufen, müsse der Milliardär wahrscheinlich damit anfangen, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten.

Wie würdest du dich fühlen, wenn Musk deine 20 US-Dollar wegen eines kleinen (schlecht moderierten) Twitter-Fehltritts “stehlen” würde. Wahrscheinlich nicht sonderlich gut und Musk würde das sicherlich auch wissen.

Es ist die Mühe nicht wert

Saylor ist einer der großen Befürworter von Bitcoin und sein Engagement für die Sache ist bewundernswert. Aber genau aus diesem Grund würde ich am liebsten aufhören, mir jedes Mal die Hand vors Gesicht zu schlagen, wenn Saylor diesen schrecklichen Plan vorstellt.

Deshalb sage ich Ihnen bei allem Respekt, Michale Saylor:

Bitte höre auf, deinen schrecklichen Bitcoin-Twitter-Plan anzupreisen. Es lohnt sich einfach nicht, den Saft aus diesem “Orange Check” herauszupressen.

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Robert D. Knight ist Journalist und Texter, der sich seit über vier Jahren dem Krypto-Bereich widmet. Seine vielfältigen Erfahrungen umfassen Agenturarbeit und PR im Blockchain-Bereich.

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