Der Ökonom Nouriel Roubini hat das „Ende des Petrodollars“ erklärt und unterstützt nun einen neuen, tokenisierten Reserve-Asset namens ‚Technodollar‘, der an produktive US-Vermögenswerte gebunden ist. Das ist Roubinis erster offizieller Schritt in den Bereich der digitalen Vermögenswerte, nachdem er jahrelang einer der bekanntesten Kritiker von Krypto war.
Im Expert Council Podcast sagte Roubini diese Woche, dass Stablecoins Investoren nicht davor schützen, von derselben Inflation und Entwertung betroffen zu werden, wie sie auch bei traditionellen Fiatwährungen auftritt.
Er erläuterte, dass das nächste Reserve-Asset mit Technologie, künstlicher Intelligenz, Verteidigung, Halbleitern und anderen Bereichen der US-Wirtschaft verknüpft sein sollte.
Die Aussagen erfolgten, während das Atlas Capital Team USAFi auf den Markt brachte. Dabei handelt es sich um einen tokenisierten Reserve-Asset, der in Dubai nach den Vorgaben des Asset-Referenced Virtual Asset Frameworks der Virtual Assets Regulatory Authority herausgegeben wird.
Nach Angaben von Atlas stellt USAFi eine neue Kategorie regulierter digitaler Reserve-Infrastruktur dar. Der Token ist als permissionless ERC-20 konstruiert und wird direkt durch den Atlas America Fund besichert, einen bei der SEC registrierten, aktiv gemanagten ETF, der an der Nasdaq unter dem Ticker USAF gehandelt wird.
Die Illusion der Sicherheit auf der Blockchain
Viele Krypto-Investoren haben stabile, an den US-Dollar gekoppelte Stablecoins wie USDT und USDC über Jahre als sicheren Ort für Kapital in volatilen Märkten betrachtet.
Laut Roubini übersieht diese Sichtweise jedoch ein größeres Problem. Stablecoins können zwar beim Zahlungsverkehr helfen, sie folgen aber weiterhin einer Fiatwährung, deren Kaufkraft in Zeiten hoher Inflation sinken kann.
„Stablecoins sind als Zahlungsmittel nützlich, aber wenn die Kritik an Kryptowährungen das Risiko der Entwertung durch Inflation war, dann unterliegt etwas, das keine Zinsen bringt wie ein Stablecoin, also ein digitaler Dollar mit null Prozent Zinsen, demselben Entwertungsrisiko wie eine Fiatwährung“, so Roubini. „Stablecoins sind ein äußerst unvollkommenes Mittel, um sich abzusichern. Sie sind im Grunde eine digitale Version von Fiatwährungen und tragen alle deren Probleme.“
Sein Argument ist einfach: Ein Token, der nur den US-Dollar abbildet, löst die Schwäche des Dollars nicht. Diese Schwäche wird lediglich auf die Blockchain übertragen.
Bedeutend ist dies besonders in einer Wirtschaft, in der Inflationsphasen, geopolitische Schocks und klimabezogene Risiken häufiger auftreten. Roubini betont, dass Investoren in solch einem Umfeld Zugang zu Vermögenswerten benötigen, die den realen Wert erhalten, statt digitales Bargeld zu halten, das keine Rendite erzielt.
Vom Petrodollar zum Technodollar
Atlas sieht USAFi als Teil einer größeren Veränderung im globalen Reserve-System.
In einem Whitepaper zum Start erklärt das Unternehmen, dass nach dem Goldstandard von 1944 bis 1971 und der Energie-basierten Petrodollar-Phase ab den 1970er-Jahren nun eine neue Ära beginnt: die des „Technodollars“.
Die These lautet, dass die US-Wirtschaft immer stärker von Technologie statt vom Öl angetrieben wird. Atlas meint, ein Reserve-Asset, das durch KI-bezogene Aktien, Halbleiter, Verteidigungstechnologie, Cyber-Infrastruktur, kurzfristige Treasuries, Gold und klimaresistente Immobilien besichert ist, biete dem modernen Wirtschaftsumfeld einen besseren Schutz.
Die Sicherheiten von USAFi kommen aus dem Atlas America Fund, der bei BNY Mellon verwahrt wird. Atlas erklärt, der Fonds setze beim Risikomanagement auf maschinelles Lernen.
„Die Maschinen machen die Vorarbeit, und die Menschen im Investment-Committee, das Nouriel leitet, treffen die Entscheidung“, sagte Reza Bundy, CEO und Vorsitzender von Atlas Capital.
Das Asset auf die Blockchain bringen
Atlas arbeitet mit Securitize zusammen, um das Asset auf öffentliche Blockchains zu bringen. Securitize ist die Tokenisierungsplattform hinter mehreren institutionellen Angeboten für reale Vermögenswerte, unter anderem für die tokenisierte Infrastruktur von BlackRock.
Das Ziel ist, USAFi als Blockchain-basiertes Pfand nutzbar zu machen, statt es nur in geschlossenen institutionellen Bereichen zu halten.
„Wir sind der Meinung, dass die tokenisierte Version sehr gut als Reserve-Asset für DeFi-Pfand funktionieren könnte“, sagte Carlos Domingo, Gründer und CEO von Securitize.
Die Einführung spiegelt zudem eine breitere Entwicklung im Bereich der Tokenisierung realer Vermögenswerte wider. Tokenisierte Treasuries und Geldmarktfonds haben bereits Zuspruch gefunden, aber Atlas stellt USAFi als flexibleres Reserve-Asset für Zeiten mit Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit vor.
Für Roubini ist der Kernpunkt, dass digitale Vermögenswerte nicht allein auf Replikate von Fiatwährungen setzen dürfen. Wer Schutz vor Entwertung sucht, benötigt seiner Meinung nach eine Veränderung beim zugrundeliegenden Pfand.
USAFi ist Roubinis erster großer Test für diese Idee.









