Ein viraler Beitrag behauptet, dass ein Desktop-PC für 1.499 USD Nvidias KI-Geschäft ernsthaft gefährden kann. Dieser Post verbreitet sich gerade rasant auf X.
Der Markt wartet nicht ab, um dies zu bewerten. Bereits jetzt verlassen Kapitalströme die Nvidia-Aktie. Dieses Geld könnte zumindest vorerst bei AMD landen.
Eine 1.499-USD-Box und eine große Behauptung?
Der Beitrag stammt von einem Account namens Bull Theory, der als renommierter Forscher gilt, und wurde am 16.6. veröffentlicht.
AMD hat möglicherweise gerade Nvidias lukrativstes Geschäft gebrochen, nämlich die Vermietung von KI-Rechenleistung in der Cloud. Auf der CES im Januar zeigte AMD-Chefin Lisa Su einen Mini-PC in diesem Preisbereich. Das Gerät kann große KI-Modelle auf einem Schreibtisch ausführen, ohne Cloud und ohne gemietete GPU.
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Im Beitrag wird die Rechnung als sehr nachteilig für Nvidia dargestellt. Ein Berater wird zitiert, der eine monatliche Cloud-Rechnung von 2.800 USD gegen nur wenige Dollar für Strom getauscht hat.
Jedes Unternehmen, das diese Box kauft, argumentiert der Beitrag, zahlt ab dann dauerhaft nicht mehr für Cloud-KI. Besonders Anwälte, Banken und Ärzte mit vertraulichen Daten könnten laut Beitrag als Erstes wechseln.
Es überrascht daher nicht, dass die Nvidia-Aktie bereits eine massive institutionelle Kapitalerosion erlebt, wie der negative CMF-Indikator zeigt. Darauf gehen wir später noch näher ein.
Die Bedrohung für Nvidia ist größer als eine einzelne Box
Der Slogan überschätzt zwar eine einzelne Box, doch der Trend dahinter ist real. Die größere Gefahr liegt nicht auf dem Schreibtisch, sondern in der Cloud.
Die größten Kunden von Nvidia entwickeln inzwischen eigene KI-Chips, um weniger abhängig zu sein. Google hat sich verpflichtet, Anthropic bis zu eine Million Chips bereitzustellen und spricht mit Meta über eine Belieferung.
Amazon nutzt bereits eigene Chips im eigenen Cloud-Angebot im großen Stil. Solche Eigenentwicklungen machen inzwischen rund 28% der ausgelieferten KI-Server aus, vor einem Jahr waren es knapp ein Fünftel.
Auch günstigere Hardware setzt sich durch. AMDs Ryzen AI Halo Box wurde diesen Monat für 3.999 USD vorbestellbar, während Nvidias DGX Spark mit 4.699 USD teurer ist. Beide Entwicklungen zielen auf die Nachfrage nach Nvidia-Chips, von der das Unternehmen lebt.
Nvidia hält weiterhin etwa 70% am KI-Chip-Markt, es handelt sich also um eine Erosion, nicht um einen Zusammenbruch. Dennoch umgehen nun erstmals sowohl große Kunden als auch ein günstigerer Konkurrent Nvidia.
Das Kapital hat sich bereits festgelegt: Nicht auf Nvidia
Die These ist laut, doch das entscheidende Signal ist leiser. Bereits jetzt bewegt sich Kapital. Der Chaikin Money Flow misst, ob Geld in eine Aktie hinein- oder abfließt. Bei Nvidia ist dieser Wert mit -0,168 klar negativ, dies ist der schwächste Wert unter den großen Chip-Unternehmen.
AMD steht am anderen Ende mit einem positiven Wert von +0,209, das ist aktuell eine der stärksten Akkumulationen im Bereich der KI-Chips.
Auch das aktuelle Muster stimmt überein. Im SOXX-Halbleiterindex erreicht Nvidia lediglich 58,5 bei der relativen Stärke, während AMD mit 123 deutlich vorn liegt.
Das Unternehmen, das die KI-Rechenleistung maßgeblich geprägt hat, hinkt seinem eigenen Sektor hinterher, während der frühere kleinere Konkurrent nun die Führung übernimmt.
Auch Nvidia-Trader bewegen sich in diese Richtung
Die Positionierungen ändern sich mit der Entwicklung. Am Optionsmarkt ist das Put/Call-Verhältnis von Nvidia beim Volumen inzwischen auf etwa 0,63 gestiegen. Nur einen Tag zuvor lag dieses Verhältnis mit 0,49 noch klar bei Calls. Ein steigendes Verhältnis zeigt, dass mehr Puts im Verhältnis zu Calls gehandelt werden, was auf eine verstärkte Absicherung gegen fallende Kurse deutet. Obwohl das Put/Call-Verhältnis insgesamt noch calls-lastig ist, sind seit dem viralen Mini-PC-Post am 16.6. mehrere bärische Positionen hinzugekommen.
Krypto-Trader handeln aktuell in die gleiche Richtung. Auf Nansen hält das Smart Money seine größte Short-Position im Chip-Sektor gegen Nvidia, vor allen anderen Konkurrenten. Die Optionen-Abteilung und der Perpetual-Markt sind selten einer Meinung.
Im Moment sprechen beide gegen die Nvidia-Aktie, da sich das Geld bereits für eine Richtung entschieden hat. Dennoch kann NVDA weiterhin einen Anstieg von fast 10 % seit Anfang des Jahres verzeichnen und liegt zum Veröffentlichungszeitpunkt bei rund 207 USD.









