Payward, die Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken, wirft Etana Custody und dessen Geschäftsführer vor, ein Schema ähnlich einem Schneeballsystem betrieben zu haben. Der mutmaßliche Betrug betraf mehr als 25 Millionen USD aus den Rücklagen der Kunden.
Die zweite überarbeitete Klageschrift wurde am 4. Mai 2026 beim U.S. District Court für den Bezirk Colorado eingereicht. Sie erweitert die bisherigen Vorwürfe wegen Vertragsbruchs um konkrete Betrugsvorwürfe gegen das Treuhandunternehmen und Geschäftsführer Dion Brandon Russell.
Hintergründe des mutmaßlichen Treuhandbetrugs
Payward gibt an, dass Etana die Reservegelder der Kraken-Kunden mit eigenen Unternehmensmitteln gemischt hat. Laut Klage wurden mindestens 16 Millionen USD in sogenannten Seabury Trade Capital Notes angelegt.
Diese Wertpapiere fielen später aus. Die Gerichtsdokumente behaupten, Russell habe die Zweckentfremdung persönlich veranlasst, während auf dem Dashboard weiterhin angebliche vollständige Sicherheiten angezeigt wurden.
Im April 2025 forderte Kraken eine Auszahlung von etwa 25 Millionen USD an. Laut Payward reagierte Etana mit angeblich erfundenen Abstimmungsproblemen und verzögerte die Auszahlung.
Dem Unternehmen fehlte die Liquidität, um die Gelder zurückzugeben. Nach Angaben der Klage verwendete Etana vielmehr neue Einlagen, um frühere Defizite zu decken. Das Gesamtmuster wird in der Klage als „ponzi-ähnlich” bezeichnet.
Insolvenzverfahren begrenzt die Rückholung
Etana wurde im November 2025 liquidiert, nachdem die Aufsichtsbehörden in Colorado Anordnungen zum Stopp und zur Aussetzung des Geschäftsbetriebs erlassen hatten. Laut dem vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter liegen die Barbestände bei etwa 6,83 Millionen USD. Die Verbindlichkeiten übersteigen 26 Millionen USD, wobei der größte Teil auf die Forderungen von Kraken entfällt.
Der Insolvenzverwalter arbeitet mit Payward zusammen, stellt Dokumente bereit und macht ehemalige Mitarbeiter verfügbar.
Vermögenswerte in Kryptowährungen, die bei Amazon Web Services gespeichert waren, waren kurzzeitig nicht erreichbar. AWS stellte das Konto im März 2026 wegen unbezahlter Gebühren ein.
Das Bundesverfahren gegen die Etana-Gesellschaften ist vorerst ausgesetzt, läuft jedoch gegen Russell weiter. Ihm droht eine persönliche Haftung wegen Betrugs und zivilrechtlichen Diebstahls. Da der Insolvenzverwalter auf eine umfassende Verteidigung verzichtet, hängt die Rückzahlung für Payward vom weiteren Anspruchsverfahren und möglichen Versicherungsleistungen ab.





