Die Aktie von Shopify (SHOP) stieg am 5. August um 17%, nachdem das Unternehmen im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen übertroffen und damit ein monatelanges Narrativ über eine Bedrohung des Geschäfts durch künstliche Intelligenz widerlegt hat.
Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 34% auf 3,58 Milliarden USD und lag damit 140 Millionen USD über den Schätzungen. Shopify hat zudem die Prognose für das laufende Quartal angehoben.
Wall Street sah die KI-Bedrohung falsch
CNBC-Moderator Jim Cramer kritisierte Analysten, die im Sommer den Untergang von Shopify vorausgesagt hatten. Sie argumentierten, dass sogenanntes „Vibe Coding” kleinen Händlern erlauben würde, ganz auf Shopify zu verzichten. Vibe Coding beschreibt informelle KI-Tools, die es auch Nicht-Entwicklern ermöglichen, mit einfachen Spracheingaben Software zu erstellen.
Cramer bezeichnete diese Argumentation als falsch. Die Kunden von Shopify sind meist kleine und mittelgroße Unternehmen. Diese haben selten die Ressourcen, um eigene Handelssoftware zu entwickeln oder zu pflegen — unabhängig davon, wie fortschrittlich KI-Tools werden.
„Ich bin so wütend auf Leute, die behauptet haben, wissen Sie was, Shopify wird von Vibe Code verdrängt, als könnten kleine und mittelgroße Unternehmen irgendwie auf Sie verzichten, wo Sie doch so viel mehr machen als nur die Abwicklung.”
— Jim Cramer, Mad Money
Allerdings sind nicht alle so zuversichtlich. Rothschild & Co Redburn setzte die Bewertung von Shopify im Juli auf „neutral” herunter. Das Unternehmen warnte, dass Metas Einsatz von KI-Tools für kleine Unternehmen den Vorsprung von Shopify verringern könnte.
Finkelstein sagt: KI schafft Kunden, statt sie zu verringern
Shopifys Präsident Harley Finkelstein widersprach dem Narrativ einer KI-Bedrohung direkt. Er erklärte Cramer, dass KI einen Boom bei der Gründung neuer Unternehmen auslöst. Wenn mehr Unternehmer Läden eröffnen, gibt es auch mehr potenzielle Shopify-Händler, nicht weniger.
„Shopify wurde schon lange vor dem Börsengang unterschätzt, und das stört mich nicht. Ich beweise gern das Gegenteil.”
— Harley Finkelstein, Präsident, Shopify
Dass Cramer öffentlich einen anderen Standpunkt einnimmt, ist nicht neu. Er sorgte diese Woche für Schlagzeilen, als er sagte, er würde seine Bitcoin verkaufen — wegen einer Warnung zu Quantencomputern von IBM.
Zudem werden einige Investoren beim Thema KI-Bewertungen insgesamt vorsichtiger. Michael Burry wies kürzlich auf ein mögliches Risiko eines Crash wie 1987 hin, obwohl wichtige Indizes zuletzt neue Höchststände erreicht haben.
Vorerst sprechen die Zahlen von Shopify für die bullischen Investoren, nicht für die bärischen. Sollte der von Finkelstein beschriebene KI-getriebene Geschäftsboom aber nachlassen, könnte die Meinungsänderung der Wall Street zu Shopify nicht von Dauer sein.









