Silber (XAG/USD) wird aktuell nahe 79 USD gehandelt, nachdem ein Kursanstieg um 3% innerhalb eines Tages einen mehrmonatigen Widerstandsbereich überwinden konnte. Gleichzeitig fiel der Dollar weiter in seinem eigenen Abwärtstrendkanal.
Das aktuelle Setup vereint ein charttechnisches Muster, einen zugleich schwächer werdenden makroökonomischen Gegenspieler sowie Daten aus dem Terminmarkt, die auf eine ruhige, aber anhaltend bullische Tendenz hinweisen. Ob Silber sein Allzeithoch bei 121,65 USD ansteuern kann, hängt davon ab, welches Signal den Ausschlag gibt.
Silber baut bullisches Fortsetzungs-Setup nach 167%-Anstieg auf
Silber ist seit seinem Tief im Oktober 2025 bei 45 USD um 167% auf ein Allzeithoch von 121 USD Ende Januar gestiegen. Seit diesem Höchststand bewegt sich das Edelmetall in einem fallenden Kanal, der von zwei parallel abwärts laufenden Trendlinien begrenzt wird.
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Falling Channels sind nicht immer bärisch. Entstehen diese nach einer längeren Rallye, lösen sie sich oft als Fortsetzungsmuster auf. Das Muster steht für eine Pause, bevor sich der vorherige Trend fortsetzt.
In der aktuellen Sessions stieg Silber um etwa 3% auf rund 79 USD. Damit wurde ein mehrmonatiger Widerstandsbereich überwunden, der zuvor alle Rallye-Versuche begrenzt hatte. Dieser Widerstand wird später im Text noch genauer erläutert. Zunächst ist die nächste Hürde die obere Trendlinie des Kanals. Wird diese überwunden, kann die bullische Fortsetzung für Silber (XAG) weitergehen.
Das Kaufsignal ist technisch sauber, aber eine Kursbewegung an nur einem Tag hat ohne makroökonomische Unterstützung wenig Aussagekraft. Der weitere Weg des Dollars ist daher der wichtigere Faktor.
Dollar-Schwäche stärkt die Argumente für steigende Silberpreise
Der US-Dollar-Index (DXY) fällt seit Anfang April. Der Index misst den Dollar im Vergleich zu einem Korb aus wichtigen Währungen.
Silber und Dollar bewegen sich in der Regel gegenläufig. Ein schwächerer Dollar macht Silber für ausländische Käufer günstiger und steigert die Nachfrage aus aufstrebenden Märkten. Außerdem sinken dadurch die Opportunitätskosten für das Halten eines nicht verzinsten Vermögenswertes.
Der Fall des Dollars wird durch makroökonomische Entwicklungen verstärkt. Am 6. Mai sind die Preise für Brent- und WTI-Rohöl um 7% bis 8% gesunken. Der Auslöser war die positive Erwartung einer Einigung zwischen den USA und Iran, die eine Öffnung der Straße von Hormus ermöglichen könnte.
Eine endgültige Vereinbarung würde die Nachfrage nach Dollar als sicheren Hafen verringern und den DXY noch stärker schwächen. Fällt der DXY um weitere 1,55%, könnte ein Ausbruch aus dem Abwärtskanal den Silberpreis zusätzlich stützen.
Ob der Rückgang des Dollars bereits eingepreist wird, hängt jedoch von der Positionierung am Terminmarkt ab.
COT-Report zeigt vorsichtige Risikoreduktion mit bullischer Tendenz
Der aktuelle Commitments of Traders (COT) Report der Commodity Futures Trading Commission stammt vom 28. April. Er zeigt, dass Trader ihre Silber-Engagements insgesamt reduzieren.
Das gesamte Open Interest, also die Zahl der offenen Futures-Kontrakte, fiel um 14.187 auf 101.275. Sowohl Long- als auch Short-Positionen wurden abgebaut, jedoch gingen die Short-Positionen schneller zurück. Nicht-kommerzielle Spekulanten reduzierten Long-Positionen um 1.919 Kontrakte und Short-Positionen um 2.359 Kontrakte. Damit gingen Shorts etwa 23% zügiger zurück als Longs.
Die Netto-Spekulationsposition bleibt strukturell long mit einem Verhältnis von 4,4 zu 1 bei Longs zu Shorts (31.314 zu 7.154). Kommerzielle Hedger bleiben mit 69,2% des Open Interest überwiegend short. Das ist üblich, weil sie physische Bestände absichern.
Trader reduzieren zwar Risiken, doch der marginale Flow ist bullisch. Shorts werden schneller abgebaut als Longs. Da sowohl Makro-Faktoren als auch die Positionierung übereinstimmen, zeigt die Kursentwicklung von Silber den tatsächlichen Weg zum Allzeithoch.
Silber-Kursziele: Der Weg zurück zum Allzeithoch bei 121 USD
Silber hat gerade die 78 USD überschritten, die dem 0,236-Fibonacci-Level entsprechen. Dieses Level war zuvor mehrfach ein mehrmonatiger Widerstand.
Ein nachhaltiges Überwinden eröffnet das nächste Kursziel bei 90 USD (0,382 Fibonacci). Hier würde auch der obere Trendkanal durchbrochen. Oberhalb von 90 USD folgt als Ziel 99 USD (0,5 Fibonacci). Das entspricht einem Zuwachs von 24% gegenüber dem aktuellen Kurs.
Das Level bei 99 USD ist entscheidend. Nach dem Hoch Ende Januar gab es mehrere Rallye-Versuche, die jeweils an der Marke von 99 USD scheiterten. Ein Überwinden dieses Niveaus wäre der erste echte Ausbruch aus der bisherigen Struktur nach dem Allzeithoch.
Oberhalb von 99 USD öffnet sich der Weg zu 108 USD (0,618 Fib), 120 USD (0,786 Fib) und dem Allzeithoch bei 121 USD. Diese Bewegung entspricht einem Anstieg um 53 % vom aktuellen Kurs. Allerdings hängt es davon ab, wie sich die COT-Positionierung und der DXY im Laufe des Monats entwickeln, ob dieses Niveau im Mai erreicht wird.
Auf der Unterseite ist der Spielraum enger. Wenn Silber den Wert von 78 USD nicht halten kann, bleibt der Kurs im Kanal. Ein Rückgang in Richtung 64 USD und 60 USD, also zum unteren Rand des Kanals, wäre dann das nächste Risiko. Ein Fall unter 60 USD würde die gesamte Fortsetzungsannahme schwächen. Zurzeit trennt 99 USD einen Anstieg des Silberpreises auf das Allzeithoch bei 121 USD von einem Rückgang bis 64 USD.





