Teil III: Die Geschichte eines Scams

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IN KÜRZE
  • „Das klang überzeugend, aber im Nachhinein natürlich nicht mehr.“

  • „Die Leute waren wie vom Boden verschwunden.“

  • „In der Zwischenzeit bin ich auf eine Gruppe von weiteren Opfern aufmerksam geworden.“

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Die Welt der Kryptowährungen ist groß und hier fließt viel Geld. Entsprechend kommen immer wieder fragwürdige Plattformen auf den Plan, die genau diesen Geldfluss in die eigenen Taschen lenken möchten. Und hier ist Vorsicht geboten: nicht jede Trading-Plattform ist empfehlenswert. Wir haben mit einem vermeintlichen Betrugsopfer gesprochen. Lasst uns in seine Geschichte eintauchen…



Robert* ist im besten Alter und schaute sich auf einer Dating-App nach einer netten Begleitung um. Doch die Dame, die Robert dabei kennenlernte, stellte sich sehr schnell als Flop und Grund für einen finanziellen Verlust in sechsstelliger Höhe heraus.

Wie Robert in den Scam hineingerutscht ist und was es mit der überaus fragwürdigen UI Group auf sich hat, hat BeInCrypto bereits in Teil I und Teil II dieser Serie berichtet.



„Das klang überzeugend, aber im Nachhinein natürlich nicht mehr.“

Nachdem Robert für sich beschlossen hatte kein Geld mehr einzuzahlen, ging es darum die Betrüger möglichst lange hinzuhalten. Schließlich wollten diese noch mehr Geld von ihm sehen:

Ich habe dann versucht auf Zeit zu spielen und gesagt, ich möchte Dokumente von ihnen haben und muss eine Anfrage bei meiner Bank stellen. Ich habe dann in regelmäßigen Abständen Anrufe von den Kontaktpersonen erhalten. Für mich war klar, ich bin Opfer dieser Masche geworden.

Beim Rekapitulieren der Situation fielen Robert einige „Red Flags“ in Bezug auf den Scam auf. Beispielsweise zeigte keine der Kontaktpersonen der Plattform jemals ihr Gesicht. Alle Gespräche erfolgten ausschließlich auf mündlicher Basis und offizielle Verträge gab es auch nicht.

Sie erklärten mir, dass dies an Corona läge, normalerweise würde man sich mit den Partnern in einem Café treffen. Das klang überzeugend, aber im Nachhinein natürlich nicht mehr.

UI Group Scam: Resch Anwälte

Während Robert die Situation Revue passieren lässt, wird ihm klar, dass seine anfänglichen Zweifel wohl durchaus berechtigt waren und er es tatsächlich mit einem Scam zu tun hat:

Ich bin einfach zu weit gegangen, ich habe viel zu viel Geld eingezahlt. Bei der zweiten Einzahlung auf Coinbase kamen mir auch schon erste Zweifel, ob ich mein Geld jemals wiedersehen werde. Schon an diesem Punkt wollte ich das Geld wieder auf mein Konto zurücktransferieren.

Damals versuchte der Betroffene sich im Internet näher über die UI Group zu informieren. Leider vergebens, aber die Kontaktpersonen hatten für das Fehlen tiefergehender Informationen selbstverständlich auch eine Erklärung parat:

Die Kontaktperson hat mir dann erklärt, dass, wenn jeder von dieser Seite wissen würde, würde das Konzept nicht aufgehen und das Angebot wäre ausschließlich für ausgewählte Investoren gedacht.

Eine weitere „Red Flag“, die auf einen Scam hindeutet.

„Die Leute waren wie vom Boden verschwunden.“

Nachdem Robert also versuchte die Kontaktpersonen der UI Group hinzuhalten und gleichzeitig die Polizei miteinzubeziehen, verschwanden die Kontaktpersonen von der Bildfläche:

Nach zwei Wochen waren die Nummern dann nicht mehr erreichbar. Die Leute waren wie vom Boden verschwunden. Ich hatte dann nur noch die gefakten Namen und die blockierten Nummern.

In der Zwischenzeit hatte er bereits online Strafanzeige gestellt und einige Tage später meldete sich ein Ermittler bei Robert.

Er erklärte mir, dass dieser digitale Krypto-Betrug schwer aufzudecken sei. Da der von mir eingezahlte Betrag allerdings recht hoch war, seien die Chancen für Ermittlungen hoch.

UI Group Scam: Screenshot

Dann vergingen einige Wochen, in denen Robert nichts mehr von den Behörden hörte. Anschließend meldete sich die Staatsanwaltschaft für eine erneute Aussage durch Robert.

Kurz darauf wurde das Verfahren eingestellt, weil die Täter nicht identifizierbar sind, Spuren fehlen und ich habe direkt Widerspruch eingelegt.

Somit stand Robert allein da, aber ist dann selbst aktiv geworden.

„In der Zwischenzeit bin ich auf eine Gruppe von weiteren Opfern aufmerksam geworden.“

Robert nutzte die Zwischenzeit, um weitere Informationen über die UI Group zu sammeln und weitere Scam-Opfer ausfindig zu machen.

Ich habe das Who is Who herausgefunden, andere Geschädigte ausfindig gemacht und mich bei der Organisation EFRI gemeldet. Anschließend wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Ich habe dann Akteneinsicht beantragt, aber nicht erhalten. Die Ermittlungen laufen also noch.

Bei der EFRI, European Funds Recovery Initiative, handelt es sich um eine Initiative zur Bekämpfung der Internetkriminalität gegen Verbraucher und Kleininvestoren in Europa. Hier können sich Betrogene nicht nur im Ernstfall melden, sondern bereits vor dem Ernstfall Informationen über bekannte Scam-Plattformen einholen.

Der monatliche Schaden, der europäischen Kleinanlegern derzeit durch Betrug auf Online-Handelswebsites (im Folgenden auch als Broker-Betrug oder Investment-Betrug bezeichnet) in Europa zugefügt wird, wird auf 1 Milliarde [1] Euro pro Monat (!) geschätzt. Dies ist nur eine grobe Schätzung, da es bisher – 10 Jahre nach Beginn dieser Art von Straftaten – in den einzelnen europäischen Ländern keine einheitliche Sammlung von Strafanzeigen für diese Art von Straftaten gab.

Und um dem Problem Herr zu werden, unterstützt EFIR eine dahingehende Petition. Die Initiative spricht aber auch ganz klar die andere Seite des Problems der Scams an: Das Fehlen einer einheitlichen Sammlung macht eine zentrale, effiziente und wirksame Verfolgung der Straftaten äußert schwierig. An europaweiten koordinierten Ermittlungen in Bezug auf betrügerische Gruppen wie der UI Group fehlt es, laut EFRI.

Des Weiteren bemüht sich die EFRI Gelder europäischer Organisationen, Zahlungsdienstleister und Banken zu sammeln, um die Betroffenen zu entschädigen.

„Versammelt euch!“

Nur, was tun, wenn man Opfer eines Scams geworden ist? Zunächst einmal empfiehlt ERFI weitere Opfer des Scams ausfindig zu machen, sich zu vernetzen und möglichst viele Informationen zu sammeln. In einem nächsten Schritt sollen sich die Betroffenen an die Finanzinstitute wenden, die die Zahlungen möglich gemacht haben, und Beschwerde wegen Geldwäsche einreichen.

Ganz ähnlich beschreibt es auch Frans Roest, Betrugsforscher und Autor über Investitionsbetrug und Betrug mit binären Optionen, in seinem Forschungsreport „Introduction into Binary Options and the fight against Binary Option-Investment-fraud“:

Akzeptieren Sie Ihre Verluste und gehen Sie zu den Behörden. Handeln Sie nicht allein, sondern suchen Sie Kontakt zu anderen Opfern.

Und bei der Suche nach weiteren Geschädigten ist Robert durchaus fündig geworden. Wie es weitergeht, erfahrt ihr nächste Woche in Teil IV!

*Name von der Redaktion geändert.

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Alex hat ihren Bachelor in Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert, danach Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut studiert und ihren Master in Arabistik an der Freien Universität Berlin absolviert. Seit 2017 ist sie als Krypto-Journalistin tätig.

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