Teil II: Die Geschichte eines Scams

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IN KÜRZE
  • Wir haben mit Betrugsopfern über ihre Erfahrungen gesprochen.

  • Wie bahnt sich ein Anlagebetrug an?

  • Und welche Red Flags sind auf dem Weg dorthin zu sehen?

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Die Welt der Kryptowährungen ist groß und hier fließt viel Geld. Entsprechend kommen immer wieder fragwürdige Plattformen auf den Plan, die genau diesen Geldfluss in die eigenen Taschen lenken möchten. Und hier ist Vorsicht geboten: nicht jede Trading-Plattform ist empfehlenswert. Wir haben mit einem vermeintlichen Betrugsopfer gesprochen. Lasst uns in seine Geschichte eintauchen…



Robert* ist in seinem besten Alter und schaute sich auf einer Dating-App nach einer netten Begleitung um. Doch der nette Kontakt, den Robert dabei kennenlernte, stellte sich sehr schnell als Flop und Grund für einen finanziellen Verlust in sechsstelliger Höhe heraus.

Nachdem Robert bei der UI Group zum Abfangen der Verluste durch die sinkenden Aktienkurse noch weiteres Geld eingezahlt hatte, gingen die Forderungen durch den vermeintlichen Trading-Experten weiter:



Der Trader meinte dann, dass wir, um Kosten und Gebühren zu sparen, mehr einzahlen müssen.

Natürlich gingen die Forderungen mittlerweile in astronomische Höhen, was auch den mutmaßlichen Betrügern aufgefallen sein dürfte. Denn, um die nächste Einzahlung zu rechtfertigen, bot der Kontakt Robert an auch selbst eine Einzahlung zu tätigen.

Erste Zweifel kommen auf…

Mit mehr und mehr Forderungen kamen Robert auch Zweifel an der Seriosität der Kontaktpersonen. Seine Recherchen in Bezug auf die UI Group gingen ins Leere, zu diesem Zeitpunkt gab es kaum ausreichend Informationen im Netz zu finden. Also ging er dazu über die Kurse zu hinterfragen:

Ich habe teilweise versucht die Aktien- und Edelmetallkurse auf der Plattform mit denen auf anderen Webseiten zu vergleichen, das sah alles plausibel aus.

Ein Bild von BeInCrypto.com

Diese Bemühungen blieben allerdings nicht unentdeckt:

Bei einer Session mit dem Trader hat er dies gesehen. Bei dem Ölpreisabfall erklärte er mir, dass das so nicht geplant war, dass wohl irgendeine Ölplattform in den USA bankrottgegangen sei. Ich habe natürlich nach diesen Informationen im Internet gesucht und ich habe tatsächlich einen Hinweis darauf gefunden.

Aus Sicht des vermeintlichen Traders ist der Hinweis auf die Problematik mit der Ölplattform natürlich klug gewählt, schließlich ist das ein wiederkehrendes Problem.

Ich war mitten in dieser Geschichte verwickelt, es war unglaublich schwer mich davon loszureißen. Und schließlich wollte ich meine Anfangsinvestition retten.

Unglaublich geschickt, mit psychologischem Hintergrundwissen und stetiger Präsenz schafften es die Kontakte Robert immer weiter in ihr Konstrukt hineinzuziehen.

„Psychologisch perfekt abgewickelt“

Noch stand die Einzahlung des vermeintlichen Profitraders aus. Während Robert weitere 25.000 Euro einzahlte, zahlte auch der Trader seinen Betrag ein.

Dann habe ich 25.000 Euro eingezahlt, er hat 50.000 Euro eingezahlt. Diese Einzahlung habe ich auf meinem Konto gesehen, ich war beruhigt.

Ein Bild von BeInCrypto.com

Und nun ging die Show noch ein wenig intensiver weiter: Nachdem die Hoffnung auf große Gewinne zunächst der Treiber gewesen war, kam jetzt Angst dazu. Denn Robert erklärt, dass wenige Tage später ein Support-Mitarbeiter anrief:

Nach einigen Tagen rief der Support-Mitarbeiter wieder an und erklärte mir, dass für Kunden mit einem Investitionsvolumen wie bei mir der Abschluss einer Versicherung notwendig sei. Die Versicherung diene dazu, mich vor vermeidlichen Verlusten zu schützen, und sollte 40.000 EUR kosten. Nach Einzahlung und Verifikation würden nur 5% von dieser Summe geblockt und der Rest zum Handeln meinem Account gutgeschrieben.

Nach einem Telefonat mit dem Trader hat Robert sich für die Versicherung in Höhe von 40.000 Euro entschlossen.

Es vergingen weniger als zwei Tage, da rief der Support-Mitarbeiter zum dritten Mal an und wollte wissen, woher der andere Betrag von 50.000 käme, der auf meinem Konto zu sehen ist. Er baute dann Druck auf, alles sähe nach Geldwäsche aus, ich wäre nicht der alleinige Investor. Ich war total verunsichert, psychologisch perfekt abgewickelt.

Aber, natürlich – wie kann es anders sein – ist auch in diesem Fall die Lösung des Problems Geld, mehr Geld und noch mehr Geld gewesen.

Die Lösung des Problems war die Eröffnung eines einen Federal Stamp-Accounts, um nicht alles zu verlieren. Und wieder ein langes Telefonat mit dem Trader und wieder stand ich vor der Wahl, meine Investition komplett zu verlieren oder weitere 40.000 EUR einzuzahlen, um danach weiter traden oder auf meinen Coinbase-Account Beträge zurücküberweisen zu können. Ich wollte unbedingt das Problem in den Griff bekommen. Traden wollte ich nicht mehr.

Robert ließ sich trotz starker Zweifel überzeugen, für 40.000 Euro den Federal Stamp-Account zu eröffnen.

Wer steckt hinter der UI Group?

Die Plattform der UI Group ist immer noch aufrufbar, obwohl die Behörden in Belize schon intensiv vor dieser Plattform gewarnt haben. Sieht man sich das WhoIsWho der Webseite an, erhält man nicht sonderlich viele Informationen.

Who is Who

Und auch der interne Auftritt der Webseite gibt den Anlegern wenig Grund zum Zweifeln. Als Partner sind unter anderem die Deutsche Bank und Barclays aufgeführt.

UI Group Screenshot

Ein ausführliches Impressum gibt es auf der Webseite zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels nicht. Dafür die Angabe eines Unternehmenssitzes auf Zypern – diese Information konnte von den Behörden aus Belize mittlerweile widerlegt werden.

UI Group Screenshot

Nach wie vor ist also unklar, wer hinter der UI Group steckt. Allerdings erklären die Verantwortlichen, dass die UI Group seit dem Jahr 2017 aktiv ist und im ersten Jahr rund 10.000 Neukunden begrüßen konnte. Im Jahr 2018 sollen es dann bereits 100.000 Konten gewesen sein:

Das Unternehmen registriert 100.000 Konten und erobert neue Länder. Die Teilnahme an internationalen Wettbewerben zahlt sich aus. Die Marke erhält renommierte Auszeichnungen.

UI Group Screenshot

Im Jahr 2019 ging es dann um die Verbesserung des Kundenservice und auch diesmal soll es internationale Auszeichnungen gegeben haben. Von wem und wofür? Unklar.

Welche Higlights erwarten uns im Jahr 2021?

Auf Digitpol lesen wir:

Das Ermittlungsbüro von Digitpol hat mehrere Beschwerden von Opfern erhalten. Nach Prüfung der Beweise kommen wir zu dem Schluss, dass die Website https://trade.u-i-group.com. und die Operationen unter https://trade.u-i-group.com betrügerischer Natur sind. Wenn Sie Geld an dieses Unternehmen überwiesen haben, wenden Sie sich an die Polizei oder an Digitpol.

Digitpol Screenshot

Es reicht!

Robert berichtet, dass damit sein Vermögen ausgeschöpft war.

Ich habe insgesamt 169.000 Euro investiert. Dann wollte ich meine Gewinne abheben und wollte 100.000 Euro auf meinen Coinbase-Account überweisen. Einen Tag später rief mich eine Person aus Belgien an, ein angeblicher Blockchain-Vertreter. Er hätte gesehen, dass ich Geld abheben wollte. Dazu würde ich einen Private Key benötigen, das würde wieder Geld kosten. Ich hatte aber kein Geld mehr, also war erst einmal Schluss. Dann habe ich langsam realisiert, dass das alles ein Scam ist.

Das Geld für den Private Key wollte Robert dann nicht mehr investieren.

Ich hatte die Entscheidung getroffen, dass es für mich reicht. Am gleichen Tag habe ich Strafanzeige bei der Polizei gestellt.

Und damit befinden wir mitten im Geschehen. Natürlich geht diese Geschichte noch weiter und darüber berichten wir bald!

Zu Teil 1 der Serie geht es hier entlang.

*Name von der Redaktion geändert.

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Alex hat ihren Bachelor in Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert, danach Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut studiert und ihren Master in Arabistik an der Freien Universität Berlin absolviert. Seit 2017 ist sie als Krypto-Journalistin tätig.

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