Mehr als 15 der größten Banken weltweit entwickeln derzeit tokenisierte Finanzdienstleistungen auf privaten Blockchains. Laut JPMorgan ist dieses Vorgehen langfristig ein größeres Risiko für Bitcoin (BTC) als MicroStrategy.
Die Analysten der Bank, unter der Leitung von Nikolaos Panigirtzoglou, erklären, dass Zahlungen und Vermögenswerte, die auf permissioned Netzwerken verarbeitet werden, dazu führen könnten, dass öffentliche Blockchains mit der Zeit an Aktivität, Liquidität und Kapital verlieren.
Wall Street: Aufbau von tokenisierter Finanzinfrastruktur im großen Maßstab
JPMorgans Kinexys-Plattform hat seit ihrer Einführung mehr als 3 Bio. USD abgewickelt und verarbeitet mittlerweile täglich mehr als 7 Mrd. USD. JPMorgan startete die Plattform im Jahr 2020 unter dem Namen Onyx und benannte sie 2024 in Kinexys um, während CEO Jamie Dimon Bitcoin weiterhin kritisierte.
Viele dieser Aktivitäten laufen über gemeinsam genutzte permissioned Netzwerke. Auf dem Canton Network tokenisiert DTCC die von ihr verwahrten US-Staatsanleihen, mit einem Ziel für das Jahr 2026. HSBC hat dort einen Pilotversuch mit tokenisierten Einlagen abgeschlossen und Goldman Sachs wickelt tokenisierte Anleihen auf denselben Plattformen ab.
Dieser institutionelle Wandel spiegelt sich inzwischen auch in den Gebühren wider. Canton wurde in diesem Jahr als führende gebührenwirksame Blockchain gelistet. In den 30 Tagen bis Ende Juni erzielte sie etwa 60 Millionen USD, verglichen mit 11 Millionen USD bei Ethereum, wie DeFiLlama berichtet.
Die Entwicklung geht weit über ein einzelnes Unternehmen hinaus. Über 15 große Banken sind an einem gemeinsamen Netzwerk für tokenisierte Einlagen der The Clearing House beteiligt. Das Projekt ist Teil einer größeren Bewegung hin zu tokenisiertem institutionellen Settlement, mit einem geplanten Start im Jahr 2027, wie PYMNTS berichtet.
Warum dieser Trend Bitcoin belasten könnte
In einem Bericht vom 9. Juli erklärte JPMorgan, dass das Hauptrisiko für Bitcoin in der zunehmenden Nutzung von Blockchains besteht, die öffentliche Netzwerke überspringt. Institutionen bevorzugen permissioned Systeme wegen ihrer Steuerungsmöglichkeiten, dem Datenschutz und der rechtlichen Sicherheit.
Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt in eine ähnliche Richtung. Sie weist darauf hin, dass öffentliche, permissionless Blockchains Skalierbarkeits- und Integritätsprobleme hätten und setzt sich daher für regulierte, einheitliche Ledger ein.
Die Größenordnung ist deutlich messbar. Öffentliche Blockchains beherbergen rund 31 Milliarden USD tokenisierter realer Vermögenswerte, etwa zwei Drittel davon auf Ethereum (ETH), so rwa.xyz.
JPMorgan geht davon aus, dass ein Großteil dieser Emission und Abwicklung mit zunehmendem Marktwachstum auf permissioned Infrastrukturen wechselt.
Die Analysten sehen MicroStrategy dabei als zweitrangiges Risiko. Der Anteil des Unternehmens am Gesamtangebot von Bitcoin liegt bei etwa 4 %, und die neue MicroStrategy-Bitcoin-Verkaufspolitik sorge lediglich kurzfristig für Volatilität, stelle aber kein strukturelles Risiko dar.
Als Gegenargument gilt, dass Bitcoins Wert auf Knappheit und Neutralität basiert, nicht darauf, alltägliche Finanzprozesse zu ermöglichen. Einige Berater bevorzugen bereits Stablecoins und Tokenisierung statt einer direkten Bitcoin-Position.
Derzeit geben Banken das Tempo vor und setzen Blockchain zu ihren Bedingungen ein. Ob öffentliche Netzwerke künftig einen bedeutenden Anteil an den tokenisierten Märkten erreichen, könnte die nächste Phase der Krypto-Adoption bestimmen.









