Um gesunde Unternehmen vor einer Pleite schützen, hat die Bundesregierung beschlossen, die Insolvenzantragspflicht bis Ende September auszusetzen. Nun wird der Beschluss bis zum Jahresende verlängert.

Einerseits sind durch die Corona-Lockdowns einige Unternehmen eigentlich gesunde Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage geraten. Die Hoffnung ist, dass diese Unternehmen durch das vorläufige Aussetzen der Insolvenzantragspflicht wieder gerettet werden können. Allerdings kommt es dadurch auch zu einer vermehrten Bildung von Zombie-Unternehmen.

Die Gefahren von Insolvenzverschleppung

Wie der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Christian Rieck auf seinem YouTube-Kanal erklärt, führt die Überschuldung eines Unternehmens zu einem Interessenskonflikt zwischen den Besitzern eines Unternehmens und ihren Gläubigern. Da die Anteilseigner nichts mehr zu verlieren haben, gehen sie unverhältnismäßig hohe Risiken ein, zu Lasten der Gläubiger und mittelbar der gesamten Volkswirtschaft.

Um diesen Interessenskonflikt zu vermeiden, sind überschuldete Unternehmen dazu verpflichtet, sofort Insolvenz anzumelden. Durch das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht werden sie, völlig legal, zu Zombie-Unternehmen. Christian Rieck empfiehlt daher, die Antragspflicht wieder vollumfänglich einzuführen, damit sich die Zombie-Unternehmen zu erkennen geben. Der Bundesregierung steht allerdings der Sinn nach Anderem.

Mögliche Interessenskonflikte sind nicht die einzige Gefahr, die von Zombie-Unternehmen ausgeht. Indem wirtschaftlich nicht tragfähige Unternehmen künstlich am Leben gehalten werden, kommt zu einer Fehlallokation von Kapital. Einfach ausgedrückt, Kreditgeber und Unternehmen wenden Geld dafür auf, um Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die auf dem Markt zu wenig nachgefragt werden. Zombie-Unternehmen stellen also Produkte her, die nicht benötigt werden. Damit sollten sie eigentlich vom Markt verschwinden, um ihr Kapital für stärker nachgefragte Produkte freizugeben.

Zusätzlich kommt, dass Unternehmen miteinander vernetzt sind. Sie sind voneinander in mehrerer Hinsicht abhängig, beispielsweise als Zulieferer, oder Schuldner. Gerät ein Unternehmen in die Insolvenz, wirkt sich das daher auch negativ auf die wirtschaftliche Zukunft anderer Unternehmen aus.

Eine Insolvenz ist daher ein Zeichen, das Unternehmen als langfristigen Partner möglichst zu vermeiden und die eigenen Wirtschaftsprognosen zu korrigieren, sollte man von dem insolventen Unternehmen abhängig sein. Je mehr Zombie-Unternehmen es gibt, desto mehr Unternehmen sind daher auch wirtschaftlich gefährdet und desto mehr Unternehmen werden schließlich pleite gehen, sobald die Insolvenzantragspflicht wieder eingeführt wird.

Große Koalition spielt auf Zeit

Mit ihrem harten Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie konnte die Bundesregierung in der Bevölkerung zweifellos Punkte, sowie einige Wählerstimmen sammeln. Allerdings fehlt hierbei das langfristige Denken. Das Ergebnis dieses kurzsichtigen Handelns ist schon lange absehbar. Für Anhänger der österreichischen Schule der Nationalökonomie ist die Frage mittlerweile nicht mehr, ob uns eine Wirtschaftskrise bevorsteht, sondern wann genau sie eintritt.

Spätestens mit der irgendwann zwingend nötigen Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht dürfte es dann so weit sein. Die staatlich legalisierte Insolvenzverschleppung verstärkt den kommenden Crash letzten Endes nur noch. Insgesamt dürfte es daher zur vermutlich größten Pleitewelle in der Geschichte der Bundesrepublik kommen.

Damit will sich selbstverständlich keine Regierungspartei belasten, zumal im Oktober 2021 die nächste Bundestagswahl ansteht. Ein Ende der Insolvenzverschleppung ist daher vor der Bundestagswahl wohl nicht absehbar. Die Zombiefizierung der deutschen Wirtschaft schreitet also weiter fort.

Gleichzeitig droht, sofern man den Warnungen der österreichischen Schule Glauben schenkt, im nächsten Jahr eine Hyperinflation des Euro. Mit den gesamtgesellschaftlichen Folgewirkungen dieser Fehlentwicklungen muss dann wohl eine andere Regierung leben.