CoinMarketCap “Confidence”-Metrik für Handelsplattformen

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IN KÜRZE
  • CoinMarketCap führt eine neue Metrik ein, um Wash Trading zu bekämpfen.

  • Der "Confidence"-Score legt das berichtete und das geschätzte Handelsvolumen zusammen.

  • Nach der Übernahme durch Binance bestehen Interessenskonflikte bei CoinMarketCap.

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

CoinMarketCap hat eine neue Metrik zur Bewertung von Handelsplattformen hinzugefügt. Das “Confidence”-Rating vergleicht das von den Handelsplattformen angegebene Handelsvolumen mit dem theoretisch durch CoinMarketCap geschätzten Handelsvolumen.

Vormals berichtete CoinMarketCap beide Werte separat. Dadurch sollen die Effekte von Wash Trading auf das Handelsvolumen verringert werden.

Confidence-Rating soll vor Wash Trading schützen

Ein zunehmendes Problem ist, dass Krypto-Börsen häufig ein zu hohes Handelsvolumen angeben. Einerseits tun einige Handelsplattformen dies bewusst, um eine höhere Glaubwürdigkeit vorzuspiegeln. Allerdings greifen auch die Initiatoren von Krypto-Projekten und Trader auf Wash Trading zurück, um die Kurse zu manipulieren.

Dabei werden Einheiten einer Kryptowährung immer wieder von der selben Person, oder einer geschlossenen Gruppe von Personen gekauft und sofort wieder verkauft. Dies verfälscht das berichtete Handelsvolumen nach oben. CoinMarketCap schätzt daher das tatsächliche Handelsvolumen anhand von theoretischen Modellen.



Das Confidence-Rating gibt dabei auf einer Skala von 0 bis 100 an, in wie weit das berichtete Handelsvolumen mit diesen theoretischen Modellen übereinstimmt.

Hofberichterstattung für Binance

Es muss angemerkt werden, dass die Analysen von CoinMarketCap mittlerweile mit Vorsicht zu genießen sind. Die Analyseplattform wurde kürzlich von der weltgrößten Krypto-Börse Binance übernommen.

Binance und deren CEO Changpeng Zhao sind nicht unbedingt für Transparenz bekannt. So ist nach wie vor nicht bekannt, wo Binance eigentlich seinen Geschäftssitz hat. Wikipedia gibt als Geschäftssitz Malta an, die maltesische Regierung bestreitet dies jedoch. Auf der LinkedIn-Seite gibt die Handelsplattform “Asien” als Geschäftssitz an.

Im Mai sprach Zhao davon, dass Binance keinen Hauptsitz bräuchte, da Bitcoin schließlich auch keinen hat. Das ist für Kryptowährungen und dezentrale Organisationen auch akzeptabel, allerdings nicht für zentralisierte Handelsplattformen, welche die Gelder ihrer Kunden treuhänderisch verwahren.

Mit der Übernahme von CoinMarketCap dürfte Binance diese intransparente Politik weiter fortsetzen. Da CoinMarketCap auch Handelsplattformen vergleicht, ist ein Interessenskonflikt unumgänglich. Es gibt bereits erste Berichte darüber, dass CoinMarketCap die Konkurrenten von Binance unfair bewertet.

Auch mit der Einführung des CoinMarketCap Confidence Scores könnte ein ähnlicher Interessenkonflikt am Werk sein. Zwar erhält nicht nur Binance einen Wert von 100 für nahezu alle Märkte, sondern auch die meisten anderen namhaften Börsen. Dies kehrt allerdings dies unter den Tisch, dass Wash Trading zu einem gewissen Teil auf allen Handelsplattformen stattfindet.  Dadurch ergeben sich Möglichkeiten, den Score zu Gunsten von Binance zu beschönigen.

Einerseits bevorzugt diese Bewertung automatisch die größeren Krypto-Börsen, da Wash Trading auf diesen Handelsplattformen nicht so stark ins Gewicht fällt. Sofern die Abweichung von den theoretischen Modellen unter einem bestimmten Prozentsatz liegt, erhält die Börse automatisch eine Bewertung von 100. Dadurch fällt jede Abstufung weg, die möglicherweise ein ungünstiges Licht auf Binance werfen könnte.

Die Frage, welcher Prozentsatz an Wash Trading vernachlässigbar ist, ist Interpretationssache. Man sollte allerdings davon ausgehen, dass CoinMarketCap den Prozentsatz nicht so niedrig anlegen würde, dass Binance gegenüber anderen Börsen eine niedrigere Bewertung erhält.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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