Das Coronavirus kann Zentralbanken zwingen, ihre Haltung gegenüber digitalen Währungen zu überdenken

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Ökonomen glauben, dass die Coronavirus-Pandemie, welche sich über Europa und Amerika ausgebreitet hat, die Weltwirtschaft an den Rand einer Rezession bringen kann.

Analysten von JP Morgan sagen voraus, dass eine Rezession in Zusammenhang mit dem COVID-19 genannten Coronavirus die USA und Europa bis Juli 2020 erreichen wird.

Die Wirtschaftskrise von 2008 führte zur Entstehung von Bitcoin, als mögliche Lösung um das Geldmonopol der Zentralbanken durch Dezentralisierung zu brechen. Nun könnte eine bevorstehende wirtschaftliche Krise die Tokenisierung von physischen Assets auslösen.

Coronavirus-Ausbruch löst Aktiencrash aus

Auch am Montag kam es zu einer Volatilitätsunterbrechung an der Wall Street, wodurch der Handel für 15 Minuten eingestellt wurde. Die war der dritte Vorfall dieser Art innerhalb einer Woche. Der jüngste Rückgang der Aktienkurse hat die Federal Reserve zu einer Notfallsenkung der Leitzinsen veranlasst, um der schwächelnden Wirtschaft auszuhelfen. Auf den Finanzmärkten gab es seit der Lehmann-Pleite 2008 keinen Ausverkauf in diesem Ausmaß.



Bei näherer Betrachtung gibt es einige Gründe für diesen Ausverkauf. Die Unternehmen werden ihre wirtschaftlichen Ziele für die nächsten Quartale wahrscheinlich nicht erreichen können, was Investoren in Panik versetzt. Nach einigen Schätzungen von JP Morgan wird die US-Amerikanische Wirtschaft voraussichtlich im ersten Quartal um zwei Prozent und im zweiten Quartal um drei Prozent schrumpfen wird. [Business Insider]

Europa, welches das jüngste Epizentrum des Coronavirus-Ausbruchs ist, wird vermutlich auch in eine Rezession abrutschen. Länder wie Italien, Deutschland, Spanien und Großbritannien werden einen deutlichen Rückgang ihrer Wirtschaftsleistung erleben. Laut den Schätzungen wird ein Rückgang um 1,8 und 3,3 Prozent in den ersten zwei Quartalen erwartet.

Laut dem amerikanischen Think Tank CSIS hat COVID-19 einen Schock sowohl im Angebot, als auch der Nachfrage ausgelöst, der sich durch die gesamte Weltwirtschaft zieht. Die UN erwartet dadurch einen Rückgang der Auslandsinvestitionen um 5 bis 15 Prozent auf ihren niedrigsten Stand seit der Finanzkrise.

Die nächste Rezession kann Kryptowährungen in den Mainstream heben

Die vergangene Wirtschaftskrise von 2008 hat dazu geführt, dass der bislang noch pseudonyme Entwickler Satoshi Nakamoto Bitcoin erfunden hat. Der Genesis-Block von Bitcoin, der erste Block, der je auf einer Blockchain erzeugt wurde, hat bekanntermaßen eine Schlagzeile der New York Times zitiert, welche auf die Bankenrettungen verwies.

Für eine lange Zeit wurden digitale Währungen nur von wenigen Leuten verwendeten, die an die Vision einer dezentralen Währung glaubten. Erst vor Kurzem hat die Krypto-Hausse von 2017 die Öffentlichkeit auf Bitcoin aufmerksam gemacht.

Zwar sind die Kurse danach etwas eingebrochen, dies hat Konzerne, Unternehmer, Investoren und Akademiker allerdings nicht angeschreckt. Einige größere Finanzinstitute haben in der Zwischenzeit erfolgreiche Versuche angestellt, Blockchain-Technologie für sich zu nutzen. Besonders Deutschland hat sich mit einer Reihe von neuen Regulierungen als Vorreiter dafür etabliert, Kryptowährungen mit klassischen Bankendienstleistungen zu vereinen. Diese gelten seit dem Anfang diesen Jahres.

Laut einigen Schätzungen beträgt der Europäische Anteil an der Kryptowirtschaft 30%. In einem Bericht über die Tokenisierung von Assets sagt Deloitte voraus, dass Finanzdienstleistungen durch Blockchains verfügbarer, schneller, günstiger und benutzerfreundlicher werden. Dadurch können möglicherweise Billionen, welche in illiquiden Assets angelegt sind für den Handel verfügbar werden.

Eine weitere Rezession könnte das öffentliche Vertrauen für Zentralbanken erschüttern und Kapital von den Finanzmärkten in die Kryptowirtschaft fließen lassen. Besonders Schwellenländer wurden bereits von einem Ausverkauf zugunsten des US-Dollar betroffen. Für Investoren könnte Bitcoin eine belibte Wahl werden, um sich gegen Verluste abzusichern.

Weiterhin könnten die Europäische Zentralbank (EZB), sowie andere Nationalbanken gezwungen sein, vereinfachte Gesetze für die Kryptowirtschaft im Fall einer Rezession zu erlassen. Die Zentralbanken werden unter einem hohen öffentlichen Druck stehen, die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei könnten sie auf den Krypto-Markt zurückgreifen, um einen verbesserten Kapitalfluss zu gewährleisten.

Unternehmen sind möglicherweise nicht für Heimarbeit gerüstet

Bei Fluglinien stellen sich bereits massive Verluste ein, da viele Regierungen Reiseverbote erlassen haben. Diese könnten ab Mai 2020 von Insolvenzen bedroht sein.

China, welches für seine industrielle Produktionsleistung bekannt ist, hat noch nie zuvor eine vergleichbare Störung der Lieferketten erlebt. Das hat auch andere Länder betroffen, die ihrerseits den Export von grundlegenden Lebensmitteln eingeschränkt haben.

Einige Regierungen, wie kürzlich die deutsche Bundesregierung haben Richtlinien zur Vermeidung sozialer Kontakte erlassen. Dies hat Unternehmen dazu gezwungen, Heimarbeit einzuführen. Während das für Büroangestellte noch relativ einfach zu bewerkstelligen ist, mussten herstellende Betriebe vorläufig stillgelegt werden.

Eine Studie von 2018 kommt zu dem Schluss, dass eines von fünf Betrieben eine Breitbandanbindung mit Geschwindigkeiten zwischen 2 und 10 Mbps hat. Weitere 24% aller Unternehmen kommen auf Geschwindigkeiten zwischen 10 und 30 Mbps. In beiden Kategorien befinden sich hauptsächlich kleine Unternehmen, die im Zuge einer schwerwiegenden Rezession finanzielle Unterstützung bräuchten. Der Bericht nennt auch, dass nur 26% der Unternehmen in der EU Cloud-Technologie verwenden. Insgesamt sind damit die meisten kleineren Betriebe in Europa nicht dafür ausgerüstet, ihren Mitarbeitern Heimarbeit zu ermöglichen.

Kleine und mittelständische Betriebe tragen wesentlich zur Wirtschaftsleistung bei und schaffen Arbeitsplätze. Laut einem Ökonomen von Bloomberg, Maeva Cousin, könnte Heimarbeit für einige dieser Unternehmen eine Zwischenlösung darstellen. Da 17% der Europäer im herstellenden Gewerbe tätig sind, zuzüglich zu 14% im Handel und 5% in Hotels und Restaurants, sind derzeit viele Menschen ohne Beschäftigung. Weiterhin schätzt Cousin dass die Coronavirus-Pandemie dazu führt, dass die Weltwirtschaft $2,7 Billionen verliert. Auf unsere Gesellschaft kann dies weitreichende Konsequenzen haben.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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