Die Verbraucherfreiheit und die Zukunft der Stablecoins

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IN KÜRZE
  • Die Idee, das Verbraucher mehr Entscheidungsfreiheit haben sollten, hat zwar bis jetzt die Entwicklung einiger Stablecoins beeinflusst, aber sie hat nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient.

  • Mit einem persönlichen Stablecoin könnte quasi jeder ein Bankier sein.

  • Die Entscheidungen der Verbraucher werden die Zukunft des Geldes und der Stablecoins maßgeblich mitgestalten.

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

Stablecoins sind seit 2014 immer populärer geworden. Es gibt einen entscheidenden Faktor für die künftige Entwicklung von Stablecoins, der bis jetzt kaum angeschaut wurde: Die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher.



Die Idee, das Verbraucher mehr Entscheidungsfreiheit haben sollten, hat zwar bis jetzt die Entwicklung einiger Stablecoins beeinflusst, aber sie hat nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient. Vor allem, da sie die Expansion des Stablecoin-Universums vorantreiben wird.

BeInCrypto hat sich für dich die besten und bestehenden Möglichkeiten zur Deckung eines Stablecoins (Rohstoffe, Fiat, Krypto, Algorithmen, Währungskörbe), die unterschiedlichen Arten von Stablecoins (Retail und Wholesale) und die rechtlichen Aspekte (gesetzliches Zahlungsmittel, privates Geld) genauer angeschaut. Wir werden sehen, was sich letztens Endes durchsetzen wird. Hier sind einige Möglichkeiten.



Verbraucherfreiheit bei der Geldwahl ist nichts Neues

Im frühen neunzehnten Jahrhundert konnten sich US-Amerikanische Verbraucher beispielsweise aussuchen, welche Banknote sie beim Bezahlen verwenden.

Sie konnten beispielsweise Geld verwenden, das von einer großen, weit entfernten Bank ausgegeben wurde, da die Banknoten weitflächig akzeptiert wurden. Die damaligen Sicherheitsmechanismen funktionierten trotzdem gut. Sie konnten aber auch die von ihrer lokalen Bank ausgegebenen Scheine verwenden, wenn sie ihre Gemeinde unterstützen wollten.

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Auch nachdem die US-Regierung die Geldausgabe in den 1860er Jahren monopolisiert hatte, konnte sich ein Verbraucher immer noch zwischen den von seiner lokalen oder nationalen Bank ausgegebenen Scheinen, oder aber mit Silber oder Gold gedeckten Banknoten entscheiden. Sowohl die Banknoten als auch die Geldscheine sind damals mit demselben Nennwert gehandelt worden.

Wie könnte die Verbraucherfreiheit in Geldangelegenheiten das expandierende Stablecoin-Universum beeinflussen? Welche Arten von neuen Stablecoins könnten entstehen? Hier sind einige Ideen.

Proprietary-Stablecoins

Sogenannte „Proprietary-Stablecoins“ sind Stablecoins, die von privaten Unternehmen angeboten werden und die einzigen Stablecoins, die derzeit existieren. Die Anbieter können die verschiedene Mittel für deren Deckung verwenden. Die Coins eigenen sich sowohl für Retail- als auch für Wholesale-Geschäfte.

Retail-Stablecoins wie Tether, USDC, DAI und Diem, sind weit verbreitet, werden aber nicht als tatsächliches Geld oder gesetzliches Zahlungsmittel angesehen. Das US Office of the Comptroller of the Currency meint, dass sie sie quasi einem Zahlungsmechanismus entsprechen.

Wholesale-Stablecoins sind ähnlich. Diese Stablecoins, wie der Utility Settlement Coin (Fnality) und der JPM Coin, sind Teil eines geschlossenen Systems und erleichtern Überweisungen auf institutioneller Ebene.

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Regionale Stablecoins

„Proprietary-Stablecoin“ Stablecoins sind eigentlich so etwas wie ein Berechtigungsschein („Scrip“). In den USA ist ein Scrip ein nicht auf dem US-Dollar basierendes privates Geld, das nur in einem geschlossenen oder geografisch begrenzten System benutzt wird. Es kann auch nicht direkt durch US-Dollars substituiert werden. Es gibt mehrere physische Scrips in den USA und in Großbritannien.

Zum Beispiel könnte eine Stadt einen Stablecoin einführen, der in der ganzen Stadt bei lokalen Geschäften verwendet werden kann und sogar die Stadtkasse aufbessert. Das ist (in den USA) völlig legal.

Stadtbewohner könnten diesen regionalen Stablecoin verwenden, um lokale Geschäfte zu unterstützen. Sie könnten Rabatte erhalten, wenn sie mit dem Stablecoin der Stadt bezahlen. Der Erlös, den die Stadt wegen des Stablecoins erzielt, könnte z.B. in lokale Parks oder Schulen investiert werden.

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Stablecoins als gesetzliches Zahlungsmittel

Nationen könnten auch Stablecoins ausgeben, die quasi den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels haben oder imitieren. Dadurch könnten Stablecoins auch für offizielle Transaktionen, wie z.B. Steuerzahlungen, eingesetzt werden.

Mehrere Formen von gesetzlichen Zahlungsmitteln in einem Land zu haben, ist nichts Neues. Einige Zeit nach der Gründung der USA konnten die Bürger Zahlungen an die Regierung mit einigen ausländischen Münzen tätigen. Zum Beispiel erklärte der US-Kongress 1827 den spanischen Real zum gesetzlichen Zahlungsmittel.

Eine Nation könnte theoretisch sogar einen privaten bzw. Proprietary-Stablecoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären. Die Verbraucher könnten sich dann dafür entscheiden, den Stablecoin ihrer Nation zu verwenden, anstatt einen, der von einer privaten Firma betrieben wird.

Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Nationen in Zukunft digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) herausgeben werden, als dass sie einen oder mehrere Stablecoins zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären. Ein CBDC würde einer Regierung vergleichsweise mehr Kontrolle und wohl eine höhere Seigniorage bieten.

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Allerdings könnte ein Stablecoin, der als gesetzliches Zahlungsmittel gilt, einem Land (beispielsweise einem Schwellenland), ermöglichen, seine Staatsschulden auszuweiten.

In den USA gibt es tatsächlich ein Model, dass dies ermöglicht. Im Jahr 1863 erlaubte der Kongress, dass Nationalbanken auch ungedeckte nationale Banknoten ausgeben dürfen. Der Kongress wollte damit einen eigenen Markt für Staatsschulden zu schaffen. Zuvor lag die gesetzliche Mindestreserve aller Banken bei 100%.

Ein aufstrebender Staat könnte einen Stablecoin kreieren, der ganz oder teilweise durch seine Staatsschulden gedeckt ist und so dessen Wert steigern.

Flavored Stablecoins

In der fernen Zukunft könnte es auch – wie ich sie bezeichne – „flavored“ Stablecoins geben.

Stell dir vor, dass ein Stablecoin mit risikoarmen Aktien oder Anleihen gedeckt ist, die Teil eines bestimmen oder mehrerer Wirtschaftssektoren(en) sind. Zum Beispiel könnte man die Stablecoins mit grüner Energie oder anderen umweltfreundlichen Werten decken, wobei ein Teil der Seigniorage des Stablecoins in die Finanzierung grüner Projekte fließt.

Vielleicht gibt es auch irgendwann einmal einen Stablecoin, der mit den Aktien von Raumfahrtunternehmen oder deren Technologie gedeckt ist. Die Profite könnte man wiederum in Bildung investieren. Man könnte dann grünen Stablecoins gegen Weltraumfahrt-Stablecoins tauschen. Die Möglichkeiten für die Deckung von „Flavored Stablecoins“ sind theoretisch unbegrenzt.

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Persönliche Stablecoins

Es ist auch gut möglich, dass sich irgendwann mal persönliche Stablecoins im Stablecoin-Universum etablieren könnten.

Ein Individuum könnte die Stablecoins ausgeben und dabei die Sicherheiten selbst verwahren, sich selbst um regulatorische Aspekte kümmern und den Coin auf einer Blockchain lancieren, die z.B. die Tilgungen und andere logistische Angelegenheit verwaltet.

Mit einem persönlichen Stablecoin könnten Einzelpersonen ihr Vermögen monetarisieren. Auch das ist nichts Neues. Allerdings gab es das seit den frühen neunzehnten Jahrhundert in den USA nicht mehr.

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Die ersten Banken in den USA waren im Grunde wohlhabende Einzelpersonen, die ihr Gold, ihre Aktien und andere Vermögenswerte monetarisierten. Sie bauten gemäß den staatlichen Vorschriften ein Geschäft in einer Stadt auf, ließen einige Banknoten drucken und begannen dann, diese auszugeben. Ihr Vermögen deckte die Dollar-Banknoten.

Das Vermögen wuchs meistens oder warf sogar Dividenden ab. Da die Individuen (die Bankiers) die Banknoten in ihrer Community ausgeben konnten, erhielten sie im Endeffekt einen Zinsfreien Kredit. Mit dem Geld konnten die Bankiers auch theoretisch andere Assets kaufen oder sie wiederum an andere verleihen.

Auf ähnliche Weise würden persönliche Stablecoins funktionieren. Mit einem persönlichen Stablecoin könnte quasi jeder ein Bankier sein.

Die Verbraucher entscheiden über die Zukunft

In dem immer größer werdenden Stablecoin-Universum werden die richtigen Regulierungen sowie gut verständliche und leicht zugängliche Informationen eine entscheidende Rolle spielen.

Kontroversen wie die um Tether müssen vermieden werden. Darüber hinaus benötigen die Verbraucher ein umfassendes Wissen über die verfügbaren Stablecoins, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Die Entscheidungen der Verbraucher werden die Zukunft des Geldes und der Stablecoins maßgeblich mitgestalten. Wir werden sehen, wie sie sich entscheiden werden und was uns die Zukunft bringt.

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Übersetzt von Maximilian M.

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Franklin Noll, PhD, ist eine anerkannte Autorität in der Geschichte des Geldes, einschließlich Banknoten und Kryptowährung. Er hat ausführlich über diese Themen geschrieben und gesprochen, darunter Film- und Radioauftritte sowie Blogs für das US-Finanzministerium und Bloomberg News. Er ist der Präsident von Noll Historical Consulting.

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