Dr. Michael Gebert: Interview Teil II

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IN KÜRZE
  • Dr. Michael Gebert ist Geschäftsführer der CrowdSourcing Association, Gründungsmitglied des deutschen CrowdFunding Netzwerkes und Vorsitzender der European Blockchain Association im Interview.

  • Über Regulierungen und Potenziale...

  • Und die europäische Blockchain Branche.

  • promo

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BeInCrypto ist Partner der European Blockchain Association (EBA) und der HK Blockchainweek. Im Zuge dessen konnten wir mit einem Panelisten der HK Blockchainweek, Dr. Michael Gebert, sprechen.



Dr. Michael Gebert ist Geschäftsführer der CrowdSourcing Association, Gründungsmitglied des deutschen CrowdFunding Netzwerkes und Vorsitzender der European Blockchain Association. Er ist als Berater für die EU-Kommission (CrowdFunding Interest Group) in Brüssel tätig. Außerdem wurde er als Mitglied für die TAB-Supportgruppe „Digital Work“ des Deutschen Bundestages nominiert.

Daniel Ramirez-Escudero: Warum glauben Sie, dass der Focus der aktuellen Regulierungsmaßnahmen auf den Stablecoins liegt und nicht auf Bitcoin oder anderen dezentralen Kryptowährungen? Viele unserer Leser haben sich diese Frage gestellt.



Dr. Michael Gebert: Das war interessanterweise nicht nur ein Anliegen ihrer Leser, sondern auch die erste Reaktion der gesamten Krypto-Community. Nachdem wir die EU-Kommission darauf angesprochen hatte, meinten sie, dass sie die Stablecoins als besonders kritisch ansehen, da sie sich Sorgen um die Geld- und Wettbewerbspolitik machen, für die Stablecoins eine Gefahr sein könnten.

Das war der Hauptgrund, weshalb die aktuellen Regulierungsmaßnahmen verabschiedet wurden. Das Stablecoins Crypto-Assets sind, ist irrelevant. Deshalb ist die negative Sichtweise der Krypto-Community eher unbegründet.

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Die Politiker wollen nur sicher gehen, dass die Wettbewerbs- und Geldpolitik nicht außer Kraft gesetzt wird. Meine Empfehlung für Stablecoin-Firmen: Analysieren Sie das bereits bestehende Regelwerk der Geldpolitik und nehmen Sie dies als Grundlage für Produkte.

Daniel Ramirez-Escudero: 40 USD-Stablecoins mit einem Volumen von ca. 11 Milliarden USD sind aktuell auf dem Markt. Allerdings gibt es nur 5, die an den Euro gekoppelt sind, mit einem Volumen von gerade mal 74 Millionen USD. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür? Glauben Sie, dass es in der Zukunft mehr an Euro gekoppelte Stablecoins geben wird?

Dr. Michael Gebert: Bevor es überhaupt ICOs oder Stablecoins an sich gab, wurden Kryptowährungen überwiegend in USD gehandelt. Deswegen haben sich damals die meisten Stablecoinentwickler für USD entschieden.

Das hat nichts mit dem Euro als Währung an sich zu tun. Nur ist Wechsel auf eine andere Fiatwährung, insbesondere aufgrund der schwankenden Wechselkurse, eher schwierig.

Einen Stablecoin zu entwickeln ist mit vielen Hürden verbunden. Man muss sich um viele Faktoren wie z.B. Design, Marketing Transparenz usw. kümmern. Es dauert alleine mindestens 9 Monate ein funktionierendes Konzept zu entwickeln, bis der Stablecoin überhaupt erst auf den Markt kommen kann.

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Das Interesse an Stablecoins, die an den Euro gebunden sind, wird wegen der Coronakrise noch weiter ansteigen. Es sind bereits viele neue Firmen entstanden, die Euro-basierte Stablecoins anbieten möchten. Zurzeit gibt es viele Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung des US-Dollars, die vermutlich noch länger anhaltend wird. Unternehmen, die sich auf an den Euro gekoppelten Stablecoins spezialisieren, haben jetzt gute Chancen.

Die Zukunft der Stablecoins

Daniel Ramirez-Escudero: Glauben Sie, dass die aktuellen Regulierungsmaßnahmen zu mehr oder weniger Euro-Stablecoins führen werden?

Dr. Michael Gebert: Die Maßnahmen werden zu mehr Rechtsfragen führen. Die notwendigen Prozesse werden insgesamt wesentlich aufwendiger und komplexer sein. Das ist jedoch nichts Negatives. Investoren haben dadurch mehr Sicherheit und Stabilität.

Wir sind schon auf viele Kryptoprojekte gestoßen, deren Vorhaben sich vielleicht gut anhören, allerdings bei genauerer Betrachtung  viele Zweifel aufkommen lassen.

Wir glauben an das Potenzial dezentraler Netzwerke. Schlechte und schädliche Marktteilnehmer müssen allerdings durch Regulierungsmaßnahmen im Vorfeld aussortiert werden, damit die Investoren in einem seriösen und sicheren Umfeld agieren können.

Die internationale Rolle der EU

Daniel Ramirez-Escudero: Die USA und China befinden sich aktuell in einem Wettkampf um die Vorherrschaft im Technologiesektor. Die EU scheint zwischen beiden Fronten zu stehen. Was müsste die EU unternehmen, um attraktiver für Tech-Frmen, wie z.B. Blockchainunternehmen zu werden?

Dr. Michael Gebert: Europa war schon immer in der Rolle, quasi der „Belag“ des globalen „Sandwiches“ zu sein. Asien und die USA sind in dieser Metapher die „Brötchen“. Ob das in diesem Fall gut ist, kann ich nicht wirklich sagen, nur, dass es die Wahrheit ist.

Das in der letzten Woche verabschiedete Handelsabkommen in Asien ist allerdings aus geopolitischer Sicht erwähnenswert, insbesondere, weil Japan daran teilnimmt. Japan könnte aufgrund seines hohen technologischen Standards zum Motor auf vielen Gebieten der technologischen Entwicklung, wie z.B. bei der 5G Technologie, werden.

Europa war bisher bei technischen Neuerungen eher vorsichtig. Europa steht deswegen vor vergleichsweise größeren Herausforderungen, wenn es mit dem raschen Fortschritt mithalten möchte. Die EU sollte nicht versuchen, das Rennen zu gewinnen. Sie sollte sich eher an der Entwicklung in der östlichen Hemisphäre orientieren, insbesondere was China betrifft. Traditionell hat sich Europa bisher am Westen orientiert, ganz besonders nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Die USA werden das Rennen wahrscheinlich im Laufe 2021 verlieren. Der Silicon Valley, d.h. Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook bekommen Gegenwind aus China. Europa sollte sich in eine gute Position begeben, die es ermöglicht, mit beiden Teilen der Welt gut zusammenzuarbeiten.

Hoffentlich werden die Politiker das schaffen. Zurzeit sieht es eher ungünstig aus, da bisher nur wenige Fortschritte erzielt wurden und die Entwicklungen in China eher als Risiko anstatt als Chance wahrgenommen werden. Mich haben mich die Fortschritte in China – im positiven Sinne- überwältigt. Ich habe sie selbst erlebt.

Es ist heftig, wie weit fortgeschritten China im Vergleich zu Europa auf dieser Ebene ist. Ich wünsche mir, dass Europa sich gut positioniert und den Menschen Sicherheit und Verlässlichkeit anbieten kann.

Wann kommt der digitale Euro?

Daniel Ramirez-Escudero: Es gab enorme Fortschritte bei der Entwicklung von CBDCs (Central Bank Digital Currencies). Der EU scheint, wie es Christina Lagarde zeigte, der digitale Euro zu gefallen. Glauben Sie, dass die EU als erstes digitales Zentralbankengeld einführen wird oder China aufgrund seiner raschen Entwicklung schneller sein wird?

Dr. Michael Gebert: Es ist nur eine Frage der Zeit. Der digitale Euro wird kommen. Die Europäer könnten die ersten sein, werden es aber voraussichtlich nicht schaffen. Machtkämpfe innerhalb der EU bremsen den Prozess. Außerdem beobachten die Europäer meistens erst das Weltgeschehen, um anschließend bereits im Vorfeld erdachte Lösungsansätze zu implementieren.

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China wird wahrscheinlich als Erstes loslegen. Zuerst werden sich die Leute darüber aufregen. Danach werden die Medien Druck machen, und anschließend werden die bereits fertigen digitalen Währungen eingeführt werden.

Daniel Ramirez-Escudero: Wie wird sich der digitale Euro auf das Leben der EU-Bürger auswirken?

Dr. Michael Gebert: Mein Herz sagt mir, dass wir uns in einer dramatischen Situation befinden. Ein digitaler Euro könnte zur absoluten Gläsernheit der Bürger führen. Die Vorstellung, sein Geld quasi „sicher unter der Matratze lagern zu können“, wäre damit Geschichte.

Für die Unternehmen hingegen wäre die Einführung äußerst vorteilhaft. Unternehmensbeziehungen können damit verbessert und technische Innovationen ermöglicht werden. Außerdem ist der digitale Euro natürlich eine sehr verlässliche und vertrauenswürdige Zahlungsmöglichkeit.

Daniel Ramirez-Escudero: Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit, dass in Deutschland Kryptowährungen als Währung, und nicht als Asset eingestuft werden?

Dr. Michael Gebert: Das hängt ganz vom Ermessen des Finanzministers und den Entwicklungen im Land ab. Vermutlich wird das wie bei Euroeinführung ablaufen. Bevor der Euro eine richtige Währung geworden ist, wurde er bereits von vielen Fachleuten verwendet.

Erst wenn sich der Handel von Kryptowährungen bei diesen Leuten, wie z.B. Firmenbesitzern, durchgesetzt hat, ist es denkbar, das Kryptowährungen nicht mehr als Assets eingestuft werden, sondern als tatsächliche Währungen.

Den zweiten Teil des Interviews mit Dr. Geber findest du hier!

Auf Englisch geschrieben von Daniel Ramirez-Escudero, übersetzt von Maximilian Mußner.

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