Krypto-Gutachter Pekuna im Interview: Vollzugsdefizite, Regulierungen und jede Menge Steuern

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IN KÜRZE
  • „Im Jahr 2015 habe ich dann zum ersten Mal Bitcoin gekauft. Für jemanden, der beim Finanzamt war, sicherlich eine Besonderheit.“

  • „Wenn PayPal die Kryptowährungen jetzt als Zahlungsmethode anbietet, dann wird die Anzahl der Transaktionen plötzlich explodieren, weil die Nutzung einfach ist.“

  • „Momentan ist es so: Der Dumme zahlt die Steuern, weil er sie freiwillig angibt.“

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Ich hatte das große Glück mit Werner Hoffman, einem Krypto-Gutachter von Pekuna, zu sprechen. Werner hat seine berufliche Karriere beim Finanzamt begonnen. Als Diplom-Finanzwirt hat Werner einen guten Einblick in die Finanzwelt des Finanzamts.

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Nachdem er beim Finanzamt durch verschiedene Abteilungen gewandert ist, war er beim Landesamt für Steuern tätig. Als Beamter auf Lebenszeit hat er sich dort vor allem mit den Bereichen Einkommenssteuer und Risikomanagement befasst. Durch die Nähe zu EDV und IT hat Werner sein Interesse an der IT-Thematik entdeckt. Parallel hat Werner dann noch Informatik studiert, seinen Bachelor in Informatik gemacht und während des Studiums den ersten Kontakt zu den Kryptowährungen gehabt.

Ich war damals recht aktiv im Chaos Computer Club. IT-Security fand ich super spannend. Dann kam jemand auf mich zu und meinte, „Hey hast du schon von Bitcoin gehört? Das müsste doch genau dein Ding sein!“ – IT-Security und Finanzen in einem. Das war der Auslöser im Jahr 2014. Im Jahr 2015 habe ich dann zum ersten Mal Bitcoin gekauft. Für jemanden, der beim Finanzamt war, sicherlich eine Besonderheit.

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Werner hat dann irgendwann beim Finanzamt gekündigt und war als Software-Freelancer für Startups tätig. Werner plante dann für ein Jahr nach Berlin zu gehen. Dort lebt er seitdem seit über drei Jahren.

Berlin und endlich Krypto

In Berlin stieg er dann noch wesentlich tiefer in das Thema Bitcoin ein.

Mit dem Bullrun im Jahr 2017 kamen dann erste steuerliche Fragen in Bezug auf Krypto auf. Da ist mir dann klargeworden, das ist ja richtig kompliziert. Und wenn es einer wissen sollte, dann ja wohl ich. Selbst ich war am struggeln mit der Thematik. Damals gab es auch noch wesentlich weniger Informationen. Ich habe mich dann intensiv mit der Thematik beschäftigt und dann ist die Idee für unser Business draus entstanden.

Mit zwei Mitgründern hat Werner dann im Jahr 2019 seine Firma Pekuna gegründet. Dort berät er all diejenigen, die ihre Krypto-Transaktionen steuerrechtlich beraten haben möchten. Eine der häufigsten Fragen, die Werner bei seiner Beratung begegnet, ist die nach dem aktuellen Stand der Krypto-Versteuerung in Deutschland. Dazu erklärt mir Werner:

Eine komplexe Frage, hier ein Roundup: Wir sind in Deutschland im Steuerparadies, was Krypto angeht. Das ist den meisten Leuten gar nicht klar. Es gibt in keinem großen Land die Regelung, dass alles, was du im Privatvermögen ein Jahr hältst, komplett steuerfrei ist. In den USA gibt es die Longtime-Holding-Period mit einem vergünstigten Steuersatz. In Deutschland haben wir eine absolut privilegierte Situation. Ich habe Kunden, die Gewinne in Millionenhöhe komplett steuerfrei haben – früh gekauft, zum richtigen Zeitpunkt verkauft.

Steuerpflichtige Vorgänge und Jahresfristen

Welche Punkte könnten für Krypto-Enthusiasten im alltäglichen Umgang mit den Coins interessant sein?

Dazu sollten wir uns einmal ansehen, was die steuerpflichtigen Vorgänge sind. Für jeden steuerpflichtigen Vorgang muss man sich anschauen, was waren die Anschaffungskosten und wann war der Anschaffungszeitpunkt? Das Ganze muss man über eine Verbrauchsreihenfolge berechnen, weil es ja nicht DEN Bitcoin gibt. Es ist ja eine Wallet in der Einheit, also keine Einzelnachverfolgbarkeit. Üblicherweise verwendet man hier FiFo, First in First out. Die zuerst angeschafften Sachen werden zuerst wieder veräußert. Dann muss man berechnen, ob die Jahresfrist erfüllt ist.

In der Praxis ist die Rückverfolgbarkeit in Bezug auf die Coins nicht ganz so einfach…

In der Praxis ist das natürlich komplex. Zu beachten sind auch die Verkäufe gegen Fremdwährung. Extrem kompliziert ist der Tausch von der einen Kryptwährung in die andere Kryptowährung. Da gibt es Länder, in denen es einfacher geht. Frankreich sieht alle Kryptowährungen als einen Pool. Erst, wenn du wieder in Fiat gehst, gilt es als Verkauf. In Deutschland gilt jeder Tausch zwischen Kryptowährungen als steuerpflichtiger Vorgang. Das macht die Abrechnung sehr aufwändig, weil man bei jedem Tausch die Preise nachforschen muss. Auch die Verwendung als Bezahlmittel – übrigens sind Kryptowährungen kein anerkanntes Bezahlmittel in Deutschland – gilt als Veräußerung. Für die Steuererklärung ist hier dann wieder relevant, ob die Jahresfrist eingehalten wurde, sonst muss man die Kursgewinne versteuern.

Mit PayPal kommt das Chaos

So richtig unübersichtlich wird es ja dann, wenn große Zahlungsanbieter wie PayPal die Coins als Zahlungsmittel einsetzen und anbieten. Dazu erklärt Werner:

Wenn PayPal die Kryptowährungen jetzt als Zahlungsmethode anbietet, dann wird die Anzahl der Transaktionen plötzlich explodieren, weil die Nutzung einfach ist. Millionen von Nutzer haben dann über PayPal Zugriff auf die Kryptowährungen. Auf einen Schlag ist alles da. Die Einfachheit wird die Regulation sprengen, weswegen wir im regulatorischen Bereich eine Vereinfachung erwarten. Es gibt Fälle, die in der Praxis unmöglich abzuarbeiten sind. Beispielsweise Trading Bots. Die sind zwar noch selten, aber nicht unüblich. Da kommen in kürzester Zeit Unmengen von Transaktionen zusammen.

Immer mehr Menschen werden in Kryptowährungen bezahlt. Noch – so die Annahme vieler Krypto-Fans – fehlen den Finanzämtern die Möglichkeiten diese Finanzströme nachzuweisen. Allerdings merkt Werner an, dass auch in Krypto gezahlte Gehälter und Rechnungen auf die Steuererklärung gehören. Mit einem guten Argument: Die Finanzämter können in den nächsten 10 Jahren rückwirkend Nachweise fordern. Und wie sich die Technologie in Bezug auf das Tracking von Krypto-Strömen entwickeln wird, ist natürlich ungewiss.

Es gibt schon Wege mit Krypto zu handeln, sodass es nicht auffällt. Man muss schon Energie darauf investieren. In der Steuerfahndung gibt es den Spruch, „Die meisten Fälle kommen von den Exfrauen und Nachbarn.“ Je mehr Menschen davon wissen, desto riskanter ist das Ganze.

Wann wird das Finanzamt misstrauisch?

Werner führt aus, dass das Finanzamt momentan noch über keine technischen Mittel verfügt, um Rückschlüsse über die Blockchains zu ziehen.

Reale Gefahren sind die Banken. Du hast dein Krypto-Vermögen, tradest, brauchst es aber irgendwann auf deinem Konto in Fiat, weil du deine Miete zahlen möchtest.

Er erklärt, dass größere Beträge auch bereits im vierstelligen Bereich die Alarmglocken der Banken klingeln.

Dann sperrt die Bank das Konto, da geht es um Geldwäsche und Schwarzarbeit. Irgendein Risikosystem schlägt bei denen aus, eine Überweisung aus dem Ausland mit kryptischem Verwendungszweck. Dann musst du einen Herkommensnachweis bringen, um wieder Zugang zu deinem Bankkonto zu erhalten. Die Bank gibt das weiter an die BaFin, die BaFin an die Finanzämter. Somit wissen die Finanzämter dann Bescheid und spätesten im nächsten Jahr kommen Nachfragen.

Kryptowährungen sind ja ein internationales Phänomen. Kann ich nicht meine Krypto-Finanzen Offshore betreiben?

Von den IRS gibt es relativ große Fahndungen. Besonders große Börsen wie Kraken müssen Nachweise bringen und diese Informationen tauschen die Finanzämter auch untereinander aus. Auch die nordischen Länder sind da aufmerksam und geben Daten an deutsche Finanzämter weiter. Die Finanzämter rüsten auf, auch wenn Kryptowährungen noch kein Asset der Massen sind. Es gibt eine Arbeitsgruppe von Mitarbeitern des Bundesfinanzministeriums und Landesfinanzministerium, die sich mit der Versteuerung von Kryptowährungen beschäftigen. Mit wachsender Regulierung kommt dann der Vollzug in die Realität.

Lohnt es sich heute schon Krypto-Steuern zu zahlen?

Noch gibt es viele zu schließende regulatorische Lücken. Viele Krypto-Enthusiasten beschäftigen sich mit der Frage, ob es bereits heute Gründe für die steuerliche Angabe von Coin-Geschäften gibt.

Momentan ist es so: Der Dumme zahlt die Steuern, weil er sie freiwillig angibt. Langfristig wird sich das aber auszahlen, weil das sind all die, die keinen Besuch von der Steuerfahndung bekommen. Es gibt bereits Fälle, bei denen die Steuerfahndung ermittelt.

Steuern auf Krypto sollen laut des Finanzgerichts Stuttgart verfassungswidrig sein. Was sagts du dazu?

Wir sind bei Krypto beim privaten Veräußerungsgeschäft. Die Richter haben in der Urteilssprechung das strukturelle Vollzugsdefizit angemerkt: Die Besteuerung muss gleichmäßig sein. Es darf niemand benachteiligt oder bevorzugt werden. Auch im Vollzug muss es fair zugehen. Es gibt auch eine Stellungnahme der Finanzämter, dass es kein strukturelles Vollzugsdefizit aufgrund der Nachvollziehbarkeit gäbe. Ferner gelten hier auch Mitwirkungspflichten für alle, somit verstößt der eine gegen das Gesetz, der andere nicht.

Werner erklärt mir daraufhin, dass diese Botschaft aber Gegenwind erntete:

Daraufhin hat ein Professor nachgehackt, der wissen wollte, wie ein struktureller Vollzug im Bereich der Kryptowährungen aussieht, wenn es kein strukturelles Vollzugsdefizit gibt. Es gibt keine Möglichkeit, dass das deutsche Finanzamt sagt, alle Transaktionen auf der Blockchain von in Deutschland Ansässigen können wir exportieren und denen strukturiert nachgehen. Grund dafür ist die Dezentralität. Es ist auch unrealistisch, dass die deutschen Finanzämter den Krypto-Austausch ausschließlich über einen Knotenpunkt erlauben.

Arbeitnehmerschutz und die Zukunft der Regulierung

Welche Fun Facts gibt es aus der Regulierungslandschaft im deutschen Raum diesbezüglich?

Als Teil der Lohnzahlung wird es dann richtig heftig. In Deutschland gibt es einen starken Arbeitnehmerschutz, der sagt, dass dein Arbeitgeber nur einen gewissen Prozentsatz in Sachwerten zahlen darf. Kryptowährungen sind Sachwerte. Wenn dein Chef dich als Angestellter in Kryptowährungen zahlt, ist das illegal und die Gehaltsansprüche sind nicht erfüllt. Fakt ist, dass der Gesetzgeber weit hinter der Realität hinterher ist.

Für die Zukunft gibt es also noch Nachholbedarf für die Behörden?

Ja. Auch was die Gleichstellung von Kryptowährungen angeht. Ist Bitcoin eher das Gold? Oder was ist mit Stablecoins, müsste man die nicht eher wie eine tatsächliche Währung behandeln? Auch im Bereich ICO, greift hier nicht das Wertpapiergesetz? Hier gibt es schon eine Bewegung, die zwar eine einheitliche Technologie sieht, aber den individuellen Stand jeder Kryptowährung berücksichtigt sehen möchte.

Danke, Werner!

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Alex hat ihren Bachelor in Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert, danach Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut studiert und ihren Master in Arabistik an der Freien Universität Berlin absolviert. Seit 2017 ist sie als Krypto-Journalistin tätig.

MEHR ÜBER DEN AUTOR

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