Revolut hat sein internes Einstellungs-Handbuch veröffentlicht, das das Wachstum des Unternehmens erklärt. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mehr als eine Million Bewerbungen geprüft, um ungefähr 1.000 Stellen zu besetzen. Die Annahmequote lag dabei bei fast 0,1%.
Das Fintech-Unternehmen aus London beschreibt die Veröffentlichung als kostenfreie Vorlage für Gründer. Revolut ist überzeugt, dass kleine Teams mit außergewöhnlichen Menschen konsequent bessere Ergebnisse erzielen als große Teams mit durchschnittlichen Mitarbeitern.
Talentdichte statt Mitarbeiterzahl
Revolut erklärte, dass das Unternehmen von 100 Mitarbeitern im Jahr 2017 auf mehr als 12.000 im Jahr 2025 gewachsen ist. Um dieses Wachstum zu erreichen, musste Revolut seinen gesamten Einstellungsprozess grundlegend neu aufbauen.
Die Vorlage stammt von QuantumLight, dem quantitativen Venture-Unternehmen von Revolut-CEO Nik Storonsky. Die Anleitung wurde erstmals 2025 veröffentlicht, als QuantumLight einen Debütfonds in Höhe von 250 Millionen USD aufgelegt hat und wird nun für alle Portfolio-Unternehmen genutzt.
Das Wachstum ist beeindruckend. Die Bewertung von Revolut stieg von 45 Milliarden USD im Jahr 2024 auf 75 Milliarden USD bei einem Verkauf im November, was einem Plus von 67% entspricht. Damit wurde Revolut zum wertvollsten privaten Tech-Unternehmen Europas.
Das Unternehmen hat mehr als 65 Millionen Kunden und erzielte 2025 einen Rekordjahresgewinn von 2,3 Milliarden USD.
Mit dem dadurch entstandenen Momentum konnte Revolut schneller expandieren, unter anderem durch eine Expansion in Frankreich im Umfang von 116 Millionen USD, unterstützt von Präsident Emmanuel Macron.
Einstellung nach Einstellung statt Erfahrung
Die Anleitung empfiehlt aufstrebenden Unternehmen, ehrgeizige Bewerber mit Entwicklungspotenzial zu wählen, statt auf Jahrzehnte an Berufserfahrung zu setzen. Revolut bevorzugt Führungskräfte mit sieben bis acht Jahren Erfahrung oder Teammitglieder mit zwei bis drei Jahren, die mit dem Unternehmen wachsen können.
Revolut berichtet zudem, dass das Unternehmen erfahrene Führungskräfte durch ehrgeizige Nachwuchskräfte ersetzt hat.
„Dichte skaliert, Bürokratie nicht.”, erklärte Revolut in einem Beitrag.
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Nahezu jede Stelle wird durch drei strukturierte Interviews besetzt. Das erste ist eine Problemlösungsaufgabe: Die Bewerber erhalten keine Daten, bis sie gezielt danach fragen, um ihre Fähigkeit zum Denken unter Unsicherheit zu testen.
Das zweite Gespräch, von Revolut „Bar Raiser” genannt, übernimmt Name und Vorgehen von Amazon, das dieses Verfahren seit 1999 nutzt: Ein speziell geschulter Interviewer kann jeden Bewerber ablehnen, der nicht mindestens zu den besten 50% der aktuellen Kollegen zählt. Im dritten Schritt wird die Management-Einschätzung geprüft.
Revolut hat außerdem externe Personalberater durch ein internes Team ersetzt, das leistungsabhängig bezahlt wird. Das Unternehmen ist überzeugt, dass herkömmliche Agenturen keine langfristige Qualität sicherstellen.
Warum das relevant ist
Das Modell hat auch Interesse bei konkurrierenden Banken geweckt. Der JPMorgan-Chef Jamie Dimon äußerte sich kürzlich anerkennend über das hohe Tempo von Revolut, obwohl er die Krypto-Regulierung kritisierte.
„Ich bin neidisch, verdammt. Sehen Sie sich diese Leute an. Sie sind schnell”, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Dimon.
Revolut expandiert weiterhin, hat seine erste Bank außerhalb Europas dieses Jahr in Mexiko eröffnet und baut das Bankgeschäft mit digitalen Vermögenswerten weiter aus, etwa mit einer physischen Krypto-Karte.
Die Veröffentlichung dient auch dem Venture-Fonds von Storonsky, der dieses System an Gründer verkauft. Ob ein von Revolut und seinen Investoren entwickeltes Modell auch für langsamere, regulierte Wettbewerber geeignet ist, ist weiterhin offen.









