Teil IV: Die Geschichte eines Scams

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IN KÜRZE
  • Wir haben mit Betrugsopfern über ihre Erfahrungen gesprochen.

  • Wie bahnt sich ein Anlagebetrug an?

  • Und welche Red Flags sind auf dem Weg dorthin zu sehen?

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Die Welt der Kryptowährungen ist groß und hier fließt viel Geld. Entsprechend kommen immer wieder fragwürdige Plattformen auf den Plan, die genau diesen Geldfluss in die eigenen Taschen lenken möchten. Und hier ist Vorsicht geboten: nicht jede Trading-Plattform ist empfehlenswert. Wir haben mit einem vermeintlichen Betrugsopfer gesprochen. Lasst uns in seine Geschichte eintauchen…



Robert* ist im besten Alter und schaute sich auf einer Dating-App nach einer netten Begleitung um. Doch die Dame, die Robert dabei kennenlernte, stellte sich sehr schnell als Flop und Grund für einen finanziellen Verlust in sechsstelliger Höhe heraus.

Wie Robert in den Scam hineingerutscht ist und was es mit der überaus fragwürdigen UI Group auf sich hat, hat BeInCrypto bereits in Teil I, Teil II und Teil III dieser Serie berichtet.



Ein Bild der Resch Rechtsanwälte

„Das Ergebnis war immer gleich, das Geld war weg.“

Robert machte sich also auf die Suche nach weiteren Geschädigten und wurde fündig. Er wurde auf eine Gruppe von weiteren Opfern aufmerksam, die zwar nicht alle von der UI Group gescammt wurden, allerdings von ganz ähnlichen Plattformen und immer über ein ähnliches Schema. In der Gruppe tauschen sich rund 50 Geschädigte aus.

„Die meisten sind Männer aus Russland, aber auch aus Deutschland, Schweden und anderen Ländern. Was uns verbindet: Wir sprechen alle Russisch und sind alle von einer Frau über eine Dating-Webseite gelockt worden. Es war immer das gleiche Schema, manche haben mehr investiert, manche weniger. Das Ergebnis war immer gleich, das Geld war weg.“

Die Geschädigten schlossen sich zusammen, sammelten ihre Daten und tauschten sich über die gestellten Strafanzeigen aus. Auf der Grundlage dieser Datenbasis wollen die Opfer herausfinden, ob die Fälle möglicherweise zusammengehören.

„Wir haben dann einen Forensiker in Deutschland gefunden, der die Bewegungen unserer Wallets analysiert. Das grobe Muster hat er bereits herausgefunden, alle unsere Transaktionen liefen über Zwischenkonten. Auch das ist ein Indiz dafür, dass unsere Fälle zusammenhängen. Diese Erkenntnisse möchte er für die Ermittler zusammenfassen, um die Ermittlungen voranzutreiben.“

Ein Screenshot der UI Group

BeInCrypto hat mit einem weiteren Geschädigten aus der Gruppe gesprochen. Auch Iwan* hat mittlerweile eigene Ermittlungen angestellt und erklärt:

„Offenbar hat die Bande ihren Sitz in der Ukraine, betreibt Callcenter mit zig Angestellten, wird auf hoher Beamtenebene lobbyiert und setzt nach unseren Erkenntnissen Milliarden um. Zielgruppe ist, soweit uns bekannt, die russischsprachige Bevölkerung.“

Geldwäsche über Krypto

Bei derartig hohen Einnahmen kommt natürlich die Frage auf, wie Banden wie die UI Group ihre Einnahmen in den regulären Geldkreislauf integrieren. Darüber hat BeInCrypto mit Walter Leonhart, einem Forscher, Analyst und Autor, gesprochen. Leonhart ist Experte auf dem Gebiet der Scams und erklärt zum Thema Geldwäsche:

„Wege zur Geldwäsche sind Sportwetten, Agribusiness und über Kryptowährungen, weil über letzteres Thema noch kaum ein Finanzamt viel Ahnung hat.“

Wie auch von Europol an dieser Stelle weiter ausgeführt. Ferner beschreibt er die Klassiker der Geldwäsche als Immobilien und Kunst.

„Der Kunstmarkt ist in den USA zumindest komplett unreguliert, Kunstobjekte kann man normalerweise problemlos von A nach B über Grenzen bringen oder – wenn es um richtig teure Objekte geht -, in steuerfreien Freeports einlagern, wie es sie beispielsweise in Luxemburg oder Genf gibt.“

Die Scammer im Fall der UI Group haben scheinbar den primären Weg über Krypto gewählt. Wie es für die Gelder weiterging, ist nicht klar. Allerdings erklärt Iwan, dass die UI Group wohl zu einem breiteren Netzwerk gehört:

„Die Gruppierung betreibt mehrere Brokerportale. Es handelt sich hierbei um Scambroker mit einer guten Fassade und Legende. Es werden alte Domains aufgekauft und angepasst.“

Informationen über diese neuen Seiten gibt es kaum. Zum einen, weil sie mitunter nicht lange bestehen und zum anderen, weil in kurzen Abständen immer neue Webseiten dazukommen.

„Et voilà hat man den ersten erfolgreichen Deal!“

Auch Iwan wurde über ein Dating-Portal angeschrieben und kam in näheren Austausch mit einer Dame. Diese gab sich, wie auch beim ersten Betroffenen, beruflich erfolgreich, wohlhabend und seriös. Nach und nach gewann Iwan vertrauen und wurde nach ungefähr zwei Wochen zum ersten Mal auf ein mögliches Investment angesprochen.

„Danach erzählt das Herzblatt von einem Schwager/Cousin der als Finanzanalytiker arbeitet und sie bei ihren Aktiengeschäften begleitet. Danach wird vorgeschlagen, dass sie ihn fragen könnte, ob er Zeit für eine Zusammenarbeit hätte. Wer schlägt so eine Chance schon aus? Spätestens am nächsten Tag bekommt man die Zusage, dass der Schwager/Cousin trotz eines straffen Terminkalenders Zeit finden würde, um mit dem Opfer zu telefonieren/zusammenarbeiten.“

Wie schon in unserem ersten Fall geht es nach der telefonischen Kontaktaufnahme schnell weiter. Die Betrüger klären die Zusammenarbeit mit den Opfern. Iwan empfindet die Kontaktpersonen als kompetent und wickelt seinen ersten Krypto-Transfer via PC-Fernzugriff mit der Kontaktperson ab.

„Unter sorgsamer Aufsicht des Schwagers/Cousins werden finanzielle Mittel an den Krypto-Account überwiesen, in Bitcoins konvertiert und an das Brokerkonto überwiesen. Dabei bekommt der Verbrecher Einsicht in die finanzielle Lage des Opfers, da der Prozess über PC-Fernzugriff überwacht wird. Sobald die Finanzen beim Broker gutgeschrieben werden, eröffnet man mit dem Schwager/Cousin in der Regel eine short/long Position auf ein Währungspaar mit Stoploss und Take profit. Et voilà hat man den ersten erfolgreichen Deal!“

Es geht um Vertrauen und Gier

Zu diesem Zeitpunkt kommt eine dritte Kontaktperson ins Spiel, der altbekannte Trading-Profi. Die Kommunikation mit dieser Person findet über Telegram, Skype oder AnyDesk statt.

„Der Dialog ist betont professionell. So fährt man innerhalb einer Woche ca. 10% Gewinn ein. Die Gier erwacht!“

Somit gewinnen die ahnungslosen Opfer Vertrauen in die Investmentstrategie. Die Betrüger ermutigen sie gleichzeitig noch mehr Geld einzuzahlen und die Investoren gehen dem nach. Iwan hatte in der Zwischenzeit weiterhin Kontakt zu der Dame des Dating-Portals und fuhr gleichzeitig einen Gewinn von 68.000 Euro ein.

Bei all diesen Hochgefühlen sollte man aber nicht vergessen, dass auch die Ukrainischen Behörden eine Warnung für einige der von den Betroffenen genannten Plattformen veröffentlicht hat.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr nächste Woche in Teil V!

*Namen von der Redaktion geändert.

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Alex hat ihren Bachelor in Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelms Universität Bonn absolviert, danach Deutsch als Fremdsprache am Goethe Institut studiert und ihren Master in Arabistik an der Freien Universität Berlin absolviert. Seit 2017 ist sie als Krypto-Journalistin tätig.

MEHR ÜBER DEN AUTOR