Wallet-Verbot: Krypto in Gefahr wegen “Unhosted”

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IN KÜRZE
  • Wie sollten Wallets reguliert werden?

  • Unhosted ist doch illegal, oder?

  • Vier Experten schildern uns ihre Meinung.

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Das Trust Project ist ein internationales Konsortium von Nachrichtenorganisationen, die Standards für Transparenz entwickeln.

In Europa steht ein Verbot des Unhosted Wallet im Raum. Noch verhandelt die EU zur wichtigen Krypto-Entscheidung, die Fronten sind jedoch verhärtet. Was sagen Krypto-Experten zu der derzeitigen Lage?

Stell dir vor, dein Trezor oder Ledger Hardware-Wallet wird einfach verboten. Von einem auf den anderen Tag ist es illegal, weil z.B. deine Krypto-Adresse nicht verifizierbar ist. Genau dieses Szenario wird in der EU momentan diskutiert. Als Trilog bezeichnet, kämpfen Parlament und Rat zurzeit gegeneinander: Sollen Unhosted Wallets verboten werden oder nicht?

Du fragst dich, was ein Unhosted Wallet ist? Diesen Begriff verwenden die zuständigen europäischen Organe für ein übliches Self-Custodial-Wallet. Also ein Wallet, bei welchem du selbst die Private Keys hältst. Politiker müssen ja eben deren eigenen Fachbegriffe einführen.

Hast du deine Coins also nicht bei einer Exchange liegen, sind die Chancen hoch, dass es sich um ein Self-Custodial-Wallet handelt.

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Ein Bild von BeInCrypto

Wir haben Experten führender internationaler Krypto-Unternehmen befragt, um dir ein Verständnis über die Auswirkungen im Krypto-Space zu geben. Nikolas Kunkel von MakerDAO vertritt dabei ganz die Meinung “Not your keys, not your coins”.

Diese Aussage kommt aus der Ecke der wahren Krypto-Enthusiasten, die der Meinung sind, du solltest deine Private Keys immer selbst halten.

“Mit dem Begriff Unhosted Wallets geht eine negative Assoziation einher. Dieser impliziert bereits, dass ein Hosted Wallet normal ist. Dabei ist es doch gerade das Versprechen von Krypto, sein eigenes Geld und Daten zu kontrollieren.”

Niklas kann der Vorstellung, wir müssten Kontrolle aufgeben, um Krypto salonfähig zu machen, nichts ab. Er geht sogar noch viel weiter und sagt “wenn du als User ein Hosted Wallet benutzt, könntest du auch gleich keines benutzen”.

Offensichtlich spielt er damit auf die Regulierung der Hosted-Wallets an. Da z.B. im Falle einer Exchange diese deine Private Keys hält, hast du nicht vollständige Macht über deine Kryptos. Wird die Exchange beispielsweise gehackt oder reguliert, hast du keine vollständige Kontrolle über deine Coins.

Müssen wir ein Wallet unbedingt hosten? Krypto geht doch auch unhosted …

Eine ganz andere Lösung schlägt Sebastian Barnescu, CEO von Chainproof und Head von Quantstamp Deutschland, vor.

“Früher oder später werden User nicht mehr wissen, ob sie die Blockchain benutzen. Vielleicht sind sich diese dann gar nicht mehr bewusst, welche Art von Wallet sie verwenden.”

Er vertritt die Ansicht, dass User eventuell sogar über das Interface des PCs auf ein Hardware-Wallet zugreifen können.

“Heutzutage braucht jeder User ein eigenes Hardware-Wallet, um Kryptoassets sicher aufzubewahren. In Zukunft, glaube ich, wird jeder User nur einen kleinen Teil an Krypto halten.”

Dieser kleine Teil sollte sicher genug auf der Hardware am PC aufbewahrt werden können. “Aber ich könnte auch total falsch liegen”, fügt er am Ende hinzu.

Anders sieht dies Tomas Bertani, Project Lead von pNetwork.

“Regulation ist unumgänglich, es muss geschehen.”

Das Krypto-Ökosystem wächst laut Tomas so schnell wie kein anderes international, da gehören Regulierungen einfach dazu. Manche Projekte explodieren einfach (Anm.: wie z.B. LUNA), dann müssen die Regierungen einschreiten.

Allerdings hängt es von allen bereits in Krypto Involvierten ab, die Regierungen zu beeinflussen. Dies meint Tomas keineswegs in einem negativen Sinne.

Wenn wir alle zusammen für Kontrolle und Sicherheit sorgen, somit keine Scams und Betrug erlauben, wird auch der Staat nicht zu stark eingreifen. Der Staat könnte dann erkennen, dass das Space unabhängig ist.

“Wenn wir nicht für Sicherheit sorgen, wird Krypto nicht so erfolgreich sein.”

Tomas sieht also die Diskussion um das Unhosted Wallet durch die Krypto-Communities selbst beeinflusst.

Ginge es auch ohne Gesetze?

Paul Claudius, Co-Founder von DIA, glaubt, dass Gesetze es für DeFi noch leichter machen.

“Regulationen halten DeFi nicht auf. Die DeFi-Programmierer müssen die Interfaces ausbauen, damit auch mehr User einsteigen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, von den DeFi-Zinsen zu profitieren.”

Dabei bezieht sich Paul ganz konkret auf das erst vor kurzem veröffentlichte Schreiben des deutschen Bundesfinanzministeriums (BMF). Dazu haben wir hier berichtet. Glücklicherweise lernen Politiker in Sachen Blockchain in letzter Zeit dazu und nehmen eine Stellung ein. So geschehen mit dem BMF.

Der DIA-Founder sieht also die Gesetze um Unhosted Wallets als kein großes Problem an. Anhand dieser vier Expertenmeinungen sehen wir, wie schwer es ist, eine einheitliche Meinung, selbst im Expertenbereich, zu finden.

Die Mehrheit der Befragten stellt sich jedoch eher auf die Seite von: Neue Gesetze rund um Unhosted Wallets bitte in milder Form bzw. gar nicht. Wir werden sehen, ob uns der europäische Gesetzgeber hört.

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Toni begann 2017 während seines Studiums der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, sich für Kryptowährungen zu interessieren. Er entwickelte ein gutes Verständnis des Kryptomarktes und der Investitionsmöglichkeiten, wie ICOs und DeFi durch seine eigene Forschung und Investitionen. Ein echter Krypto-Degen mit akademischem Wissen und viel Berufserfahrung.

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