Deutschlands Online-Drogenplatz „Chemical Revolution“ stehen vor Gericht. Die Geschichte dahinter klingt eher wie der Stoff für eine Serie. Eine Mischung aus Darknet, Bitcoin und Drogen machte Chemical Revolution zu einem der größten Online Drogenbörsen Deutschlands. Rund elf Angeklagte stehen vor Gericht. Sie sollen zwischen September 2017 und Februar 2019 über ihre Handelsplattform Drogen gegen Kryptowährungen verkauft haben.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt gibt an, dass über die Handelsplattform Chemical Revolution mindestens 130 KG Amphetamine, 42 KG Cannabis, 17 KG kristallines Ecstasy, 6 KG Kokain und 1 KG Heroin verkauft wurden. Dadurch sollen die Betreiber der Plattform rund eine Million Euro eingenommen haben. Aufgrund der Größe des Prozesses findet dieser in der Giessener Kongresshalle statt.

Rauschgifthandel im Darknet

Die Behörden nahmen im Jahr 2018 einen 26-jährigen Tatverdächtigen aus Brandenburg an der Havel fest. Bei diesem stellten die Ermittler erhebliche Mengen an Betäubungsmittel sicher. Darunter 50 Kilogramm Amphetamin, 16 Kilogramm Cannabis, 2 Kilogramm MDMA, 900 Gramm Kokain, 600 Gramm Heroin sowie eine hohe Anzahl an Ecstasy-Tabletten und sogenannten LSD-Trips.

Der Tatverdächtige soll diese Drogen für die Tätergruppierung hinter dem Drogenmarktplatz Chemical Revolution aufbewahrt und versandt haben, berichtete das BKA im Jahr 2019. Die Ermittler konnten im weiteren Verlauf dann noch 10 andere mutmaßliche Angehörige der Gruppe festnehmen.

Die Käufer bezahlten die im Onlineshop erhältlichen Rauschmittel mit Bitcoin. Allerdings nicht nur auf der Plattform Chemical Revolution, sondern auch auf dem Marktplatz „Wall Street Market“, den der 26-jährige Hauptverdächtige ebenfalls betrieb.

Ein Bild von BeInCrypto.com.

How to Sell Drugs Online (Fast)

Ganz wie in einer kriminalistischen Serie lief die Operation Chemical Revolution ab. Verdeckte Ermittler kollaborierten mit Insidern, tätigten gefälschte Drogenkäufe und ließen das Drogenimperium hochgehen. Die Tatsache, dass die Täter sich nicht persönlich, sondern basieren auf Pseudonymen und Spitznamen kannten, erschwerte die Ermittlungen.

Warum der Drogen-Handelsplatz im Darknet so gut lief, lässt sich schnell erklären: Die Auswahl war groß und die Qualität der Produkte war überzeugend. So nahmen die Käufer auch höhere Preise in Kauf. Ferner gab es hier Kundenbewertungen, schnelle Lieferungen und diskrete Verpackungen. Chemical Revolution verfügte also über alle wichtigen Faktoren für eine erfolgreiche E-Commerce-Seite, wie die Deutsche Welle am 5. August berichtete.

Chemical Revolution ist bei weitem nicht der einzige Online Drogen-Hot Spot im Darknet. Eine ganz ähnliche Geschichte kennen wir vom Handelsplatz Silk Road, der der US-Amerikaner Ross Ulbricht im Jahr 2011 aufbaute. Ulbricht machte als Betreiber der Silk Road einen Umsatz von 1,2 Milliarden USD, wurde allerdings im Jahr 2015 zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Auch hier ging es um Drogen, die die Kunden unter anderem mit BTC bezahlten. Für das Image der beliebten Kryptowährung war dies sicherlich ein Rückschlag. Doch klar ist auch, dass Drogen mit allen möglichen Formen von Werten gehandelt werden. Das Darknet und der Bitcoin sind da sicherlich nur ein Teil des großen Puzzles.