DeFi Daily: Maker DAO Anleger werden nicht entschädigt

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IN KÜRZE
  • Für Maker DAO Anleger, welche durch den schwarzen Donnerstag Verluste einstecken mussten, gibt es keine Entschädigung.

  • Der Hype um DeFi und die ICO-Blase haben viele Gemeinsamkeiten, aber einige Unterschiede.

  • Der Ethereum-Entwickler Anthony Sassano erlaubte sich einen kleinen Scherz.

  • promo

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Nach einer langen Wartezeit hat die Maker DAO Community darüber abgestimmt, ob Vault-Anleger eine Entschädigung für die Verluste des schwarzen Donnerstags erhalten sollen.



Noch im April sprachen sich die Besitzer von MKR Tokens für eine Entschädigung aus. Eine Arbeitsgruppe stellte daraufhin verschiedene Kompensationspläne zusammen, über welche die Besitzer von MKR Tokens nun abstimmen konnten. Knapp zwei drittel der abgegebenen Stimmen entfielen auf die Option, keinerlei Entschädigung zu gewähren.

Der Vorfall im einzelnen

Am 12. März brachen die Krypto-Märkte und damit auch der Kurs von Ethereum erdrutschartig ein. Da die Ethereum Blockchain aufgrund des hohen Transaktionsaufkommens überlastet war, schlugen die Kursupdates über das Oracle von Maker DAO fehl. Dadurch rutschte der Wert von den ETH Tokens, welche die Anleger als Sicherheit im Maker Vault hinterlegten unter die Liquidationsgrenze.



Die Einlagen der Anleger wurden daraufhin sofort versteigert. Da das Ethereum-Netzwerk jedoch immer noch überlastet war, konnten sich einige Teilnehmer der Auktion die ETH Token für nahezu keinen Gegenwert aneignen. Plötzlich war Maker mit rund 4 Mio. USD im Minus.

Die DAO musste weitere MKR Tokens drucken und versteigern, um die Schulden auszugleichen. Von den Auktionserlösen floss jedoch nichts an die Anleger. Einige verstimmte Anleger starteten eine Sammelklage gegen die Maker Foundation über eine Summe von 28 Mio. USD. Sie gaben an, die Stiftung habe die Risiken von Kredit- und Anlageformen auf ihrer Plattform nicht korrekt dargestellt.

Verzwickte Governance bei Maker

Die Arbeitsgruppe begann ihre Arbeit bereits im Juni. Sie legte einen Kompensationsplan vor, über dem im Juli abgestimmt wurde. Rund 60 % der Stimmen schmetterten den Plan jedoch nieder.

Die Gruppe legte daraufhin vier verschiedene Pläne aus, welche zu einer gemeinsamen Abstimmung vorgelegt wurden. Diesmal waren es über 65 % der Stimmen, welche eine Entschädigung ablehnten. MKR-Eigner hatten auch die Möglichkeit, der Arbeitsgruppe ein Misstrauensvotum auszusprechen, eine Entschädigung jedoch prinzipiell zu befürworten. Diese Option erhielt jedoch keine einzige Stimme.

Damit dürfte ein Entschädigung der Anleger endgültig vom Tisch sein. Sie bleiben auf einem geschätzten Gesamtschaden von 2,5 Mio. USD sitzen. Dabei handelt es sich um die Summe, die sie vermutlich erhalten hätten, falls die Liquidation reibungslos verlaufen wäre.

DeFi- und ICO-Hype im Vergleich

Der Gemini-Gründer Cameron Vinklevoss äußerte sich jüngst zu den Parallelen, die viele in der Kryptowirtschaft zwichen dem heutigen DeFi-Markt und der ICO-Blase von 2017 ziehen. Er sagte ein Vergleich sei unstatthaft.

Tatsächlich gibt es zwar viele Parallelen, allerdings auch einige Unterschiede. Die enorme Vielzahl an neuen Tokens und offensichtlichen Shitcoins die auf den Markt kommt und dabei eine beachtliche Marktkapitalisierung erreicht, ist vermutlich der wichtigste Punkt, der deutlich an eine Spekulationsblase erinnert.

Sehr wahrscheinlich wird der Kurs von DeFi Governance Tokens stark durch Spekulationen beeinflusst. Zwar ist es nur logisch dass DeFi-Anleger bereit sind, für Mitbestimmungsrechte Geld zu bezahlen. Bedenkt man allerdings dass die Marktkapitalisierung der Tokens häufig mehr als die Hälfte der angelegten Summe ausmacht, erscheinen DeFi Tokens deutlich überbewertet. Dazu kommt, dass viele Tokens nicht einmal an Abstimmungen teilnehmen. Auch die umstrittene Abstimmung bei Maker DAO erreichte eine Teilnahmequote von nicht einmal zehn Prozent.

Genau wie Token Sales ist Liquidity Mining ein Weg, Tokens zu verteilen und gleichzeitig die Entwicklung eines Projekts zu finanzieren. Token Sales kranken meist daran, dass die Käufer von Tokens meist hinterher keine Verwendung dafür haben und sie auf dem Sekundärmarkt verkaufen. Dem gegenüber steht bei Liquidity Mining der Vorteil, dass die Tokens nur an die tatsächlichen Nutzer einer Plattform ausgezahlt werden.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass DeFi-Plattformen zuerst funktionstüchtig sein müssen, bevor der Token etwas Wert ist. Meist bezahlen sich die Entwickler aus einem Entwicklungs-Fonds, dessen Wert an den Token-Kurs gekoppelt ist. Die Initiatoren von DeFi-Plattformen haben daher einen starken Anreiz, auch tatsächlich ein erfolgreiches Projekt aufzubauen, anstatt wie bei vielen ICOs einen Exit Scam zu versuchen. Sollte es doch zu einem Exit Scam kommen, kann das Projekt meist immer noch, wie bei SushiSwap, von Mitgliedern aus der Community weitergeführt werden.

Nur WENIGE verstanden den Witz

Die Vergleiche zwischen der ICO-Blase und DeFi heute werden dadurch unterstrichen, dass kürzlich ein reiner Scherz-Token auftauchte, auf Uniswap kurz pumpte und danach wieder in sich zusammenfiel. Der Ethereum-Entwickler Anthony Sassano legte den als reinen Scherz angelegten Token FEW auf und verteilte ihn per Airdrop an die Mitglieder einer Telegram-Gruppe.

Über seinen Twitter-Kanal shillte er seinen Token. Erst einen Tage später klärte er den Scherz auf, seine Twitter-Follower nahmen ihm den Scherz jedoch übel.

Tatsächlich kauften einige den Token über die dezentrale Handelsplattform Uniswap, da sie dachten, FEW sei mit einem ernsthaften Projekt verbunden. Wie bei ICOs ist es auch bei DeFi Tokens stets nötig, eigene Nachforschungen anzustellen. Einen Token zu kaufen ohne zu wissen was er tut, führt meist zu nichts gutem.

Marktbericht

DeFiPulse berichtet derzeit ein Total Value Locked (TVL) von 9,30 Mrd. USD (-2,1 %). Der DeFiPulse Index steht bei 85,44 (-10,4 %).

Die größte DeFi-Plattform ist derzeit Uniswap (1,73 Mrd, -3,5 %), gefolgt von Aave, welche mit 1,34 Mrd. USD (+11,3 %) auf den zweiten Platz aufstieg. Für MakerDAO fehlt nach wie vor das Update.

Laut CoinMarketCap haben Yield Farming Plattformen ein TVL von 3,46 Mrd. USD (+4,5 %).  Die größten Plattformen sind Uniswap (1,38 Mrd.), Curve Finance  (698 Mio.), SushiSwap (441 Mio.) und yearn.finance (370 Mio.).

Stand: 24. September 2020, 2:11 Uhr.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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