Die Bedeutung der Hashrate für Bitcoins Halvening

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Nachdem die Hashrate auf dem Bitcoin-Netzwerk am 5. März auf ihr Allzeithoch stieg, gab es einen steilen Einbruch im Zuge des Marktcrashs am 12. März. Dieser Artikel zeigt, was dies für Bitcoin, insbesondere in Hinblick auf das kommende Halvening, bedeutet.



Da es sich bei Bitcoin um eine Proof of Work Blockchain handelt, müssen die Miner Rechenleistung aufwenden, um Blöcke zu erzeugen und als Gegenleistung dafür eine Block-Entlohnung zu erhalten. Dadurch sichern sie die Blockchain gegen 51%-Angriffe ab.

Bisherige Entwicklung der Bitcoin-Hashrate

Egal ob es sich bei Blockchain-Minern um Privatpersonen handelt, oder um professionelle, groß angelegte Mining-Pools, der Entscheidungsprozess ist immer der selbe wie bei einem profitorientierten Unternehmen. Durch die Anschaffung von Mining-Hardware fallen Investitionskosten an, die anschließend durch einen positiven Cashflow wieder hereingeholt werden müssen.



Entscheidend für den Cashflow ist die Differenz zwischen den Erträgen, die ein Miner durch das Erzeugen von Blöcken erwarten kann und den Betriebskosten der Hardware. Der Hauptfaktor für die Betriebskosten ist der hohe Stromverbrauch von Mining-Equipment. Aus diesem Grund sind große Mining-Pools hauptsächlich in Ländern ansässig, in denen Stromkosten niedrig sind, wie beispielsweise in China. Weiterhin gibt es auch die Möglichkeit, durch Absprachen mit Kraftwerksbetreibern Strom direkt vom Kraftwerk zu beziehen, ohne dass ihn der Betreiber vorher in das Stromnetz einspeisen muss.

Auf der Einnahmen-Seite stehen die Bitcoins, die ein Miner am Tag erzeugt, multipliziert mit dem Tageskurs von BTC. Die täglichen Erträge in BTC ergeben sich aus dem Anteil, den ein Miner an der Gesamthashrate der Blockchain hat und der Anzahl an Bitcoins, die insgesamt an einem Tag ausgeschüttet werden.

Damit ein Miner profitabel arbeiten kann, müssen diese Einnahmen höher sein, als die Stromkosten der Hardware. Falls dies der Fall ist und Miner profitabel arbeiten, werden weitere Investitionen getätigt und mehr Miner gehen ans Netz, wodurch die Gesamthashrate steigt. Ist dies nicht der Fall, werden Miner vom Netz genommen und die Gesamthashrate sinkt.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Gesamthashrate (oben) über das letzte Jahr hinweg, verglichen mit dem Kurs von Bitcoin (unten):

Quelle: BitInfoCharts. Eingezeichnete Markierung: 12. März 2020.

Die Hashrate im Vorfeld des Halvenings

Im Vergleich der beiden Charts fällt auf, dass die Hashrate stark oszilliert. Dies hängt mit oben genannter Kosten-/Profitrechnung zusammen: Wenn die Hashrate eine Spitze erreicht, merken einige Miner, dass sie nicht mehr profitabel arbeiten und schalten ihre Hardware ab. Im Gegenzug merken diese Miner in einem Tal, dass sie wieder Profite machen können und schalten ihre Hardware an.

Weiterhin fällt auf, dass die Hashrate mit Verzögerung auf steigende Kurse reagiert. Dies liegt daran, dass nach einem Kursanstieg nahezu alle verfügbaren Miner ans Netz gehen. Durch den steigenden Kurs steigen auch die Anreize in weitere Mining-Hardware zu investieren. Dabei können die Hersteller der Hardware oft die Nachfrage nicht befriedigen, wodurch es zu diesen Verzögerungen kommt. Im Gegenzug fällt bei fallenden Kursen die Hashrate tendenziell mit einer geringen Verzögerung ab.

Im Mai diesen Jahres wird sich die Rate der Block-Erträge halbieren. Damit sind die Monate vor einer Halvening ein wichtiger Zeitpunkt für Miner, um strategische Entscheidungen zu treffen. Vorausgesetzt, dass alle anderen Parameter gleich bleiben, muss sich der Kurs von Bitcoin langfristig verdoppeln, damit die Mining-Hardware die selben Einnahmen liefert.

Seit September 2019 sehen wir einen leichten Anstieg der Hashrate, obwohl der BTC-Kurs stagnierte. Dies ist ein Zeichen dafür, dass Miner in neue, effizientere Hardware investierten. Diese sagten somit voraus, dass sich der Kurs nach dem Halvening in der Tat mindestens verdoppeln wird. Mit dem Kursanstieg beginnend im Januar schienen sich ihre Vermutungen zu bestätigen, wodurch die Hashrate schneller anstieg und schließlich am 5. März ihr Allzeithoch erreichte.

Nach dem Flash-Crash am 12. März brach die Hashrate natürlich ein, da es bei den derzeitigen Kursen weniger profitabel geworden ist, Mining-Hardware laufen zu lassen. Jedoch liegt die Hashrate derzeit auf einem höheren Niveau als in den letzten Monaten des Vorjahres, als der Bitcoin-Kurs noch deutlich höher war. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Miner in Hardware mit einer hohen Energieeffizienz wie den Antminer S17, oder den neu herausgekommenen S19 investiert und dabei weniger effiziente Hardware ausgemustert haben.

Money Talks

Da Miner bei ihren Investitionsentscheidungen Voraussagen über den zukünftigen Preis der Kryptowährung, die sie minen machen, bildet die Stimmung auf dem Mining-Markt, ab wie bullig oder bärig die Miner einer Währung entgegenstehen.

Selbstverständlich gibt es viele Analysten, die versuchen, die zukünftige Marktsituation vorherzusagen. Wie vertrauenswürdig diese Analysten sind, hängt wesentlich davon ab, sie stark ihr eigenes Wohlergehen davon abhängt, ob ihre Vorhersagen zutreffen, oder nicht. Dies ist das Prinzip, welches hinter Vorhersagemärkten steckt, die besonders im Bereich von Sportwetten außerordentlich verlässliche Vorhersagen liefern können: Da die Marktteilnehmer mit ihrem eigenen Einsatz haften, haben diese einen hohen Anreiz, verlässliche Vorhersagen zu treffen.

In diesem Licht betrachtet, sind Miner tatsächlich sehr verlässliche Quellen, um die zukünftige Preisentwicklung abschätzen zu können, da sich diese mit ihren Investitionsentscheidungen langfristig an eine Kryptowährung binden. Dies ist insbesondere bei Kryptowährungen wie Bitcoin der Fall, die hauptsächlich mittels spezialisierter Hardware geschürft werden, da diese ASICs im Gegensatz zu Grafikkarten keinen anderen Zweck erfüllen können. Wenn der Preis von Bitcoin einbricht, sinkt damit auch der Marktwert der ASICs beträchtlich.

Übertragen auf die derzeitige Situation bedeutet dies folgendes: In den vergangenen Monaten investierten die Miner stark in neue Hardware, was ein bulliges Signal war. Mit dem Marktcrash im Zuge der Coronavirus-Krise hat sich eine neue Situation ergeben, wodurch die Miner ihre Vorhersage möglicherweise ändern müssen. Unter Umständen werden dadurch einige Mining-Pools insolvent, oder müssen ihre Hardware teilweise wieder abstoßen.

In den nächsten Wochen könnte es sich lohnen, den Markt für gebrauchte ASICs, insbesondere diejenigen mit einer hohen Energieeffizienz im Auge zu behalten. Bleibt der Marktwert für gebrauchte Mining-Hardware stabil, so bedeutet dies, dass die Miner weiterhin einen starken Preisanstieg durch das Halvening erwarten. Sollte der Marktwert stark sinken, kann man darauf schließen, dass die Miner ihre Preisziele nach unten korrigieren, was ein bäriges Signal wäre.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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