Im September schlugen mehrere Länder der Europäischen Union vor, ein spezifisches Gremium zur Regulierung von Kryptowährungen einzurichten. Es ist bekannt, dass Europa im technologischen Bereich bereits im Rückstand ist, während Asien und die Vereinigten Staaten um diese Führung konkurrieren. Diese beginnende Regulierung von Kryptowährungen könnte je nach gewähltem Modell ihre Rettung oder Ende sein.

BeInCrypto hat mit den Gründern des Unternehmens Onyze gesprochen. Bei Onyze geht es um die Verwahrung digitaler Vermögenswerte. Die Kunden von Onyze wären also direkt von den Maßnahmen betroffen.

In unserem Interview geht es um Fragen rund um Europa, Finanzen, Geopolitik und Kryptoregulierungen. Mit dabei waren Ángel Quesada, CEO und Gründer von Onyze, Alvaro Alcañiz, CMO und Gründer von Onyze, und Eneko Knörr, Gründer von Onyze.

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Die EU wird mit nationalen und europäischen Behörden ein neues Kollegium von Aufsichtsbehörden einrichten, um digitale Währungen zu überwachen. Welche Währung wird es treffen?

Ángel Luis Quesada: Es wird alle Kryptowährungen betreffen, aber ich denke nicht, dass es a priori negativ ist. Ich denke, es ist notwendig, dass eine Regulierungsbehörde aktiv wird und entscheiden kann, ob ein digitaler Vermögenswert mehr oder weniger sicher oder ein mögliches Betrugs- oder Ponzi-Projekt ist. Oder einfach, um zwischen Dienstprogramm oder Sicherheit unterscheiden zu können.

Mehr oder weniger stark sind alle digitalen Assets betroffen. Wichtig zu wissen ist, welche Art der Regulierung gedacht ist. Wird das Gremium die Kryptowährungen als „unsicher“ kennzeichnen, Vermögenswerte verändern oder sogar innerhalb der EU verbieten?

Dies sind die Zweifel, die immer dann aufkommen, wenn eine Regulierung beginnt. Und in diesem Fall glaube ich, dass die Europäische Gemeinschaft die richtigen Schritte unternimmt. Wir werden sehen, wann die endgültige Regulierung startet.

Geht es um Libra oder die Kryptowährungen im Allgemeinen?

Das neue College of Digital Currency Supervisors zielt darauf ab, eine strikte Kontrolle über Kryptowährungen aufzubauen. Ist das eher eine Reaktion auf das Libra-Projekt oder eine generelle Reaktion auf die Kryptowährungen?

Eneko Knörr: Ich denke, das ist von Libra unabhängig. Regulierung und Überwachung sind in Ordnung, solange nicht beabsichtigt wird, weiter zu gehen. Die Einschränkung von Kryptowährungen wie Bitcoin wäre nicht wünschenswert.

Die Durchsetzung dieser Gesetze in einer globalisierten Welt und im Internet ist sehr kompliziert. In dem Entwurf wurde die Möglichkeit besprochen, Untersuchungen und Inspektionen durchzuführen. Ferner geht es um Bußgelder in Höhe von bis zu 5% des Jahresumsatzes der Emittenten oder die doppelte Höhe der Gewinne oder Verluste, die durch die Kryptowährungen entstanden sind. Wie effektiv ist dieses Vorgehen?

Álvaro Alcañiz: Über solche Maßnahmen ohne vorherigen Kontext zu sprechen, ist nicht ideal.Um diese Maßnahmen richtig bewerten zu können, sollte dies in einem bestimmten Kontext erfolgen.

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Geht es um Machtverlust oder Verbraucherschutz?

Wie ist es möglich, dass die Verordnungen bei diesem schnelllebigen Sektor stets aktuell sind?

Álvaro Alcañiz: Damit diese Vorschriften funktionieren, ist letztendlich eine ständige Iteration erforderlich. Dadurch können diese Dokumente mit jeder neuen Wendung in der Gesellschaft „lebendig“ und auf dem neuesten Stand sein.

Die europäischen Regulierungsbehörden befürchten, dass die Weltwirtschaft von einer globalen digitalen Währung überschattet wird. Das Libra-Projekt hätte das Potenzial, zur Weltwährung zu werden. Schließlich hätten 2.7 Millionen Nutzer durch Instagram, Facebook und WhatsApp Zugang dazu. Zeigt dies, dass die Behörden aufgewacht sind und das Potenzial von Kryptowährungen erkannt haben?

Ángel Luis Quesada: Die Behörden schlafen nicht so „wie wir oft denken“, obwohl ihre Bewegungen und Strategien uns oft zweifeln lassen. Sie können Dinge nicht regulieren, sobald sie auf dem Markt sind. Zunächst gilt es diese Neuzugänge zu verstehen, Probleme zu erkennen und schließlich Lösungen zu entwickeln.

In Spanien sind die Regulierungen für den Krypto-Bereich schon weit ausgearbeitet. Was bedeutet das für Spanien und welche Motivation steckt dahinter?

Dies impliziert logischerweise, dass ein großes Interesse an Kryptowährungen und ihrem Potenzial besteht. Fraglich ist, ob Angst vor einem möglichen Konkurrenten besteht oder Angst vor Geldwäsche zur Finanzierung von Terrorismus. Vielleicht sehen sie auch einfach das Potenzial für die Verbrauchen und wollen den Verbraucherschutz erhöhen. Die EU bietet dem Endverbraucher in der Regel hohen Schutz.

Ángel Luis Quesada erklärt zudem, dass die Behörden die Kryptowährungen als digitale Vermögenswerte mit der Notwendigkeit für Regulierungen sehen.

Es ist klar, dass sie den Wert digitaler Vermögenswerte verstehen, und die Notwendigkeit, sie zu regulieren, impliziert, dass sie sie in das derzeitige Wirtschaftssystem integrieren wollen. Besser als Verbündeter als als Feind und als unregulierte globale digitale Währung.

Glaubst du, dass es ihnen tatsächlich um die Bürger geht? Oder doch eher darum Macht an die Öffentlichkeit und die Macht über das Geld zu verlieren?

Álvaro Alcañiz: Bei großen Entscheidungen ist immer eine Partei unzufrieden. Es ist ein drastischer Paradigmenwechsel, was bedeutet, dass viele Menschen über Nacht aus dem Spiel aussteigen werden. Für die Regulierungsbehörden ist das Durchsetzen von Regularien mit großen Schwierigkeiten verbunden. Einerseits geht es um Schutz, andererseits geht es darum die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Innovationen nicht zu behindern.

Es ist eine Diskussion. Und beide Parteien müssen bereit sein in bestimmten Aspekten nachzugeben, sodass beide Philosophien nebeneinander existieren können.

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Libra bietet Angriffsfläche durch Zentralität

An Libra haben wir gesehen, dass die Behörden die Macht haben diese Projekte zu stoppen. Dies ist der Zentralisierung und dem ganz offensichtlichen Sündenbock zu verdanken. Dank des anonymen Erschaffers des Bitcoins, Satoshi Nakamoto, haben die Regulierungsbehörden wenig Angriffsfläche. Sie haben einfach keine Macht über ein dezentrales Produkt.

Álvaro Alcañiz: Ich denke nicht, dass Libra und Bitcoin vergleichbar sind. Ich glaube einfach nicht, dass das Ergebnis, das Zuckerberg nach der Ankündigung von Libra durchaus beabsichtigt war. Er wollte testen, wie die Opposition mit einem solchen Projekt hinsichtlich Regulierung umgehen würde.

Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, dass die Regulierungsbehörden heute die Spielregeln festlegen und dass bestimmte Projekte mit der alleinigen Mission geboren wurden, die Existenzberechtigung dieser Organismen zu zerstören. Dies spielt sicherlich in den Umgang mit ein. Denn jeder von uns würde sich verteidigen, wenn er angegriffen werden würde.

Die Behörden machten deutlich, dass sie offenbar große Angst vor den Stablecoins haben. Warum ist das so?

Eneko Knörr: Es überrascht mich, weil die wirkliche Bedrohung für die Behörden eher Bitcoin ist, dezentralisiert, unmöglich zu kontrollieren usw. als Stablecoins. Ich glaube, dass sie es vorziehen, wenn es schon Stablecoins gibt, dass sie dann von den Zentralbanken ausgegeben werden.

Vielen Dank, Ángel Quesada, Alvaro Alcañiz und Eneko Knörr!

Auf Spanisch geschrieben von Daniel Ramirez-Escudero, übersetzt von Alexandra Kons.