Der Ethereum (ETH)-Kurs ist auf etwa 1.711 USD gefallen, da die Nettoabflüsse aus den Spot-Ethereum-ETFs in die siebte Woche in Folge gingen, obwohl die Daten auf der Blockchain ein anderes Bild zeichnen.
Es sieht so aus, als gäbe es eine Rotation von den beiden größten Krypto-Fonds zu neueren Produkten. Ethereum befindet sich dabei in einer schwierigen Position und hat keine klare Richtung.
Bitcoin- und Ethereum-ETFs: Siebte Woche mit Nettoabflüssen
Spot-Bitcoin (BTC)-ETFs verzeichnen nun die siebte Woche in Folge Nettoabflüsse. Die wöchentlichen Spot-ETF-Flows, also der Unterschied zwischen frischen Einzahlungen und Abflüssen aus den Fonds, gingen von einem massiven Abzug in Höhe von 1,72 Milliarden USD am 5. Juni auf 68 Millionen USD am 22. Juni zurück.
Auch bei Ethereum-ETFs gab es sieben Wochen in Folge Nettoabflüsse. Der letzte wöchentliche Abzug lag bei 66 Millionen USD, deutlich weniger als die 255 Millionen USD Mitte Mai. Der Rückgang verlangsamt sich also. Allerdings hat die Woche gerade erst begonnen, daher bleibt abzuwarten, wie der Trend bis Freitag aussieht.
Beide Hauptfonds verlieren Geld, jedoch sinkt die Geschwindigkeit der Abflüsse aktuell.
Der Unterschied wird deutlich, sobald kleinere Fonds betrachtet werden.
XRP-, Solana- und HYPE-Fonds erhalten Kapitalzuflüsse
Während die großen Fonds verlieren, verzeichnen XRP-ETFs die achte Woche in Folge Zuflüsse und blieben selbst Anfang Juni trotz sinkendem Kurs im grünen Bereich.
Solana (SOL)-Fonds blieben seit Mitte Mai überwiegend positiv, mit nur wenigen kleinen Abfluss-Wochen und rund 836 Millionen USD an Nettovermögen.
Hyperliquid (HYPE)-Fonds haben seit dem Start am 13. Mai keine einzige Woche mit Nettoabflüssen verzeichnet und bisher rund 183 Millionen USD eingesammelt. Dieser Trend könnte auf eine frühe Rotation bei Krypto-ETFs hindeuten, auch wenn die Beträge der Altcoin-Zuflüsse noch klein sind.
Auch wenn Kapital Ethereum verlässt, zeigen die Daten auf der Blockchain ein anderes Bild.
Nachfrage nach Ethereum-Staking übersteigt Abflüsse deutlich
On-Chain-Signale stehen im Widerspruch zu den ETF-Abflüssen. Die Warteschlange der aussteigenden Validatoren enthält etwa 223.000 ETH, die auf das Unstaking warten, während gleichzeitig circa 2,68 Millionen ETH gestaked werden wollen.
Das ist etwa zwölfmal mehr Nachfrage nach Ethereum-Staking als Druck durch Abflüsse, also das Gegenteil dessen, was bei einer Verkaufswelle zu erwarten wäre. Die realisierten Flüsse bestätigen das. Die täglichen Einzahlungen von Validatoren sind in den letzten zehn Tagen wieder positiv, nachdem die ersten Junitage noch von Ausstiegen geprägt waren.
Das nicht gestakte ETH, das tatsächlich zu Börsen gelangt, bleibt gering. Selbst am geschäftigsten Tag wurden etwa 24.000 ETH bewegt, das ist nur ein Bruchteil der täglichen Zuflüsse zu Börsen. Das deutet darauf hin, dass Abhebungen aus dem Staking nicht auf den Markt kommen.
Auch die Guthaben auf Börsen und der Staking-Token zeigen eine ruhige Entwicklung.
Börsenabflüsse nehmen ab: stETH-Peg bleibt stabil
Das Bild bei den Börsenabflüssen bleibt stabil. Die Nettoveränderung der ETH-Bestände an Börsen, eine Kennzahl für ein- und ausgehende Token, sank von etwa minus 564.000 ETH am 9. Juni auf minus 442.000 ETH am 22. Juni, also weiterhin ein Nettoabfluss.
Der stETH-Peg blieb nahe 1,0, selbst bei einem Rückgang des ETH-Kurses um rund 20% Anfang Juni. Ein stabiler Peg zeigt, dass Halter nicht panikartig unstaken und verkaufen.
Wenn also auf der Blockchain weiter gehalten wird, verschiebt sich die Frage nach der Rotation darauf, in welche Richtung die Kapitalflüsse tatsächlich gehen.
Eine ruhigere Rotation, die ETF-Zahlen verbergen
Eine direkte Messgröße zeigt ein anderes Bild. Ein maßgeschneiderter Rotations-Score misst den ETH-Anteil am kombinierten BTC- und ETH-Fünf-Tages-Nettofluss und bewertet ihn im Z-Score anhand der eigenen 30-Tage-Historie. Der Wert liegt bei 1,05 und weist damit auf eine leichte ETH-Tendenz hin. Allerdings beträgt der ETH-Anteil an diesem Fluss nur 21%, daher fließt weiterhin das meiste Kapital in Bitcoin.
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Der Wert signalisiert Veränderung, nicht das absolute Niveau. Der ETH-Anteil lag zuvor meist bei 12% bis 15%, daher ist der Sprung auf 21% etwa eine Standardabweichung über dem eigenen Durchschnitt.
Einfach gesagt: Am Rande rotiert Kapital derzeit schneller als gewöhnlich in Richtung ETH, auch wenn jede ETF-Zahl negativ bleibt. Die Schlagzeilen zu den Fondsflüssen übersehen das, aber eine genaue Betrachtung der Verteilung zeigt es. Mit knapp über der +1-Marke ist dies allerdings erst ein schwaches, frühes Signal, noch kein bestätigter Trend.
Die Lücke zwischen den wöchentlichen ETF-Daten und dem On-Chain-Bild ist damit die eigentliche Bewährungsprobe.
Was eine große Rotation bestätigen würde
Im Moment ist die große Rotation nur ein Muster, noch keine bestätigte Bewegung. Dazu müssten XRP-, SOL- und HYPE-Zuflüsse steigen, während Bitcoin und Ethereum weiter Kapitalabflüsse verzeichnen.
Die These wäre hinfällig, wenn es wieder grüne Wochen für die großen Coins gibt oder die Zuflüsse bei Altcoins stoppen.
Ethereum bleibt weiterhin besonders, da das Netzwerk gesund ist, aber die ETF-Nachfrage schwach bleibt. Anhaltende Ethereum-ETF-Abflüsse neben einem positiven Rotations-Score deuten darauf hin, dass nicht das gesamte Kapital aus dem Fonds auch den Vermögenswert verlässt. Eine Rückkehr zu positiven wöchentlichen Zuflüssen würde eine Ethereum-ETF-Erholung von einer tiefgreifenden Rotation zu Konkurrenzprodukten unterscheiden.









