Der Auslandsgeheimdienst Deutschlands sucht Hacker auf der Gamescom. Der Bundesnachrichtendienst (BND) öffnet am Mittwoch seinen Karrierestand auf der Kölner Gaming-Messe, wo Besucher bei einer fünfstufigen Cybersecurity-Aufgabe mitmachen können.
Heute Abend startet Opening Night Live die Woche. Das Messegelände öffnet am Mittwoch und bleibt bis Sonntag geöffnet, mit mehr als 1.600 Ausstellern aus 67 Ländern.
Warum der BND auf der Gamescom nach Cyber-Talenten sucht
Die Behörde sucht Programmierer, Analysten und Cyber-Experten. Daher geht sie dorthin, wo diese Menschen ihre Wochenenden verbringen. Im vergangenen Jahr kamen rund 350.000 Besucher in die Hallen.
Die Ausstellerliste zeigt, warum so viele zur Messe kommen. Xbox, Nintendo, Sony und Electronic Arts (EA) sind dabei, ebenso wie HoYoverse, CD Projekt Red, SEGA, Bandai Namco und NetEase Games.
Erstpremieren reichen von Persona 4 Revival und Marvel Rivals bis zu Nintendo Switch Sports Resort. Daher sucht der BND in einem Pool von mehreren Hunderttausend technisch versierten Besuchern.
Die Veranstalter haben das Gelände zum ersten Mal komplett ausverkauft, insgesamt wurden 233.000 Quadratmeter gefüllt. Die Tickets für Samstag waren bereits weg, bevor die Türen geöffnet haben.
„Wir sehen eine große Überschneidung zwischen Gamern und den Fachkräften, die wir suchen: Sie sind technikaffin, übernehmen gerne verschiedene Rollen.” Julia Linner, Pressesprecherin des BND, wie diese Woche berichtet
Das Timing spielt eine wichtige Rolle. Europäische Dienste stehen jetzt staatlich unterstützten Angriffskampagnen gegenüber, die schneller wachsen als die eigenen Einstellungsprozesse. Chinesische Gruppen haben zum Beispiel ihr Angriffsvolumen verdoppelt, nachdem sie Routineaufgaben an Tools für Künstliche Intelligenz (KI) abgegeben haben.
Nordkorea zeigt das andere Problem. Forscher haben vor kurzem ein gefälschtes DeFi-Start-Up aufgebaut und drei mutmaßliche nordkoreanische Entwickler eingestellt, um sie von innen zu beobachten.
Was die 5-stufige Cyber-Aufgabe wirklich prüft
Berichte zu den Plänen der Behörde beschreiben fünf Stationen mit praktischen Sicherheitsaufgaben. Die Recruiter schauen darauf, wie die Kandidaten denken, und nicht nur darauf, wer am schnellsten fertig ist.
Das Angebot davor bleibt einfach gehalten. Die eigene Veranstaltungsseite lädt Besucher ein, vorbeizukommen und Karrieremöglichkeiten beim Auslandsnachrichtendienst Deutschlands zu entdecken.
Allerdings ist die Konkurrenz nur wenige Hallen entfernt. Xbox, Nintendo und EA suchen die gleichen Ingenieure, und der Bundes-Tarif schlägt deren Angebot selten. Daher wirbt der BND eher mit den Aufgaben als mit dem Gehalt.
Gute Defensive bleibt auch im Finanzbereich selten. Krypto-Plattformen verloren 75,87 Millionen USD in 40 Hacks im Juni, wie das Sicherheitsunternehmen PeckShield berichtet. Auch der Sicherheitschef von Binance nennt Phishing und gestohlene Zugangsdaten als größte Gefahr für Wallets, nicht Quantencomputer.
Auch aus der Gaming-Branche kommt ein warnendes Beispiel. Etwa 93% der Web3-Gaming-Projekte sind laut einer Studie von Caladan aus 2026 mittlerweile praktisch tot. Technisches Talent wechselt also schnell das Feld, wenn eine Branche stagniert.
Der BND veröffentlicht seine Einstellungszahlen nie, daher bleibt das Ergebnis unsichtbar. Trotzdem zeigt der Stand, wie offen Deutschland inzwischen um dieselben Fachkräfte wirbt, die auch kriminelle Netzwerke anlocken. Ob andere europäische Dienste im nächsten Jahr einen eigenen Gamescom-Stand buchen, wird zeigen, ob das Experiment Erfolg hatte.









