Glosse: Über die Gesellschaft von gestern und die Gesellschaft von morgen

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Meine erste Dienstreise für BeInCrypto habe ich gut überstanden. Dabei führte mich mein Weg nach Amsterdam zur Conference Exchanges und meine Mission war gleichsam einfach und kompliziert: So viele Interviews wie möglich durchführen. Insgesamt ist es mir jedoch gelungen einige gute Partner zu finden. Sie können sich also damit bereits auf eine Serie von exklusiven Interviews freuen, die BeInCrypto in den nächsten Wochen veröffentlichen wird. Den Anfang machte bereits Rieke Smakman, mit der ich über die Karrieremöglichkeiten von Frauen in der Kryptowirtschaft gesprochen habe.



Leider blieb zwischen Arbeit und dem ausschweifenden Amsterdamer Nachtleben nur wenig Zeit, die Stadt zu besichtigen. Nach acht Stunden Konferenz wartete dann noch ein Anzeigentext, der dringend aus dem Englischen übersetzt werden musste. Da die Lobby im Hotel laut und ungemütlich war, suchte ich dazu eine nahe gelegene Bar auf.



Finanzjargon: Zwischen Betrugsmaschen und organisiertem Verbrechen

Wenn man, wie in diesem Fall, Arbeit und Nachtleben miteinander verbindet, lässt man seine Gedanken gerne abschweifen. Dabei könnte einem auffallen, dass man mit einem solchen Text locker jeden Bullshit-Bingo-Wettbewerb für Marketingsprech und Werden-Sie-schnell-reich-Betrugsmaschen gewinnen könnte.

Dass sich viele Formulierungen aus dem dezentralen Finanzjargon dagegen sperren, eingedeutscht zu werden und dass es sich im deutschsprachigen Raum für eine Nachrichtenseite gehört, ihre Leser zu siezen, auch wenn das in der Kryptowirtschaft eher unüblich ist, lässt solche Texte nicht gerade weniger wie eine Betrugsmasche klingen.

Mehr noch, manche Formulierungen könnten auch direkt von einer Verbrecherbande stammen: “Wir haben Mechanismen, mit denen Sie ihr geliehenes Geld auf jeden Fall zurückerhalten…plus Zinsen. Wenn die Kreditnehmer mal nicht zahlen können, dann werden sie automatisch liquidiert. Gezeichnet: Inkasso Sewastopol!”

Sind Texte über Anlagemöglichkeiten im dezentralen Finanzwesen also Bullshit? Nein, sind sie nicht. Die Kryptowirtschaft bietet eine Vielzahl an möglichen Anlageformen, wobei jeder sein Risiko selbst wählen kann, vom Handel mit Hebelwirkung, über Staking und Kreditvergabe, bis hin zum kompletten einfrieren des Portfolios durch Hedge-Positionen.

Das alles sind real existierende Finanzprodukte, die gewieften Investoren helfen, hohe Profite auf ihre Einlagen einzufahren. Zwar haben auch die sichersten Anlagen in diesem Bereich ihre Risiken, aber insgesamt besteht in der Kryptowirtschaft derzeit ein weit besseres Verhältnis zwischen Anlagerisiko und Rendite, als in der klassischen Finanzwelt, bei einem frei wählbaren Risiko.

Junge Leute brauchen Krypto-Erfahrung

Mich hat kürzlich ein Freund gebeten, ihn in die Kryptowirtschaft einzuführen. Leider sind seine Möglichkeiten, Kryptowährungen zu kaufen und zu handeln derzeit noch stark eingeschränkt, denn er wird erst im Herbst diesen Jahres volljährig. Damit verpasst er wohl den größten Teil des erwarteten Kursanstiegs durch das Halvening im Mai.

Natürlich könnte ich meinem Freund, sofern es nur um vergleichsweise geringe Beträge geht, in dieser Hinsicht etwas aushelfen. Da sich aufgrund des vertrackten Krypto- und Finanzjargons bei Außenstehenden wohl die Fußnägel bei dem Gedanken hochrollen, stellt sich allerdings folgende Frage: Soll man junge, insbesondere minderjährige Menschen wirklich an die Kryptowirtschaft heranführen?

Absolut ja! Denn nur so haben wir eine Chance, nach Jahrzehnten endlich wieder eine Generation heranwachsen zu lassen, die finanziell gebildet ist. Unser staatliches Schulsystem sieht eine persönliche finanzielle Ausbildung nicht vor. Und selbst wenn es das täte, wären unsere Lehrer leider unfähig, finanzielle Verantwortung zu vermitteln, da sie diese selbst meist nicht gelernt haben.

Meiner Meinung nach sollte man das sogar in die Kreditwürdigkeit junger Menschen einfließen lassen. Nur wer ein paar mal seine privaten Schlüssel verloren hat, oder Liquidationen zum Opfer gefallen ist, hat auch genügend Erfahrung und Verantwortung, einen Finanzierungskredit für ein Haus aufzunehmen. Vielleicht lässt sich ja dadurch die nächste Immobilienblase verhindern.

Grachten-Rundfahrt

Immerhin hatte ich am Tag nach der Konferenz noch die Gelegenheit, eine Rundfahrt durch die Grachten Amsterdams zu buchen. Durch einen elektronischen Audioguide erfährt man allerhand, zum Beispiel wie die Stadt mehrfach abgebrannt ist, bis die Bewohner beschlossen hatten, Holz als Baumaterial zu verbieten und wie unsere Altvorderen die Grachten mehrfach erweitert und weitere Maßnahmen getroffen haben, um den ständigen Überschwemmungen Herr zu werden.

Man erfährt weiterhin die Bedeutung der drei Kreuze in der Amsterdamer Stadtflagge. Der Sage nach symbolisieren diese die drei größten Gefahren des alten Amsterdam: Feuer, Wasser und die Pest. Übertragen auf die heutige Zeit dürften dies die Flut an Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft, die durch die Klimaerwärmung ausgelösten Hitzewellen und das Coronavirus sein.

Reichtum und dessen Neuverteilung

Man fährt vorbei an den alten Villen, in denen vormals die reichen Händler wohnten, die in Amsterdam einen perfekten Umschlagplatz für Waren aus aller Welt fanden. Der Audioguide erzählt von opulenten Banketts, die hinter den Mauern stattfanden und die Grundlage für den sozialen Austausch der damaligen Oberschicht bildeten.

Heute befinden sich in den prächtigen Herrenhäusern Geschäfte, Wohnungen und staatliche Einrichtungen. Dabei mag man sich die Frage stellen, was aus den reichen Händlern der Stadt wohl geworden ist. Laut den Theorien von Karl Marx müssten diese ja immer mehr und mehr Reichtum akkumuliert haben, was gleichzeitig zu einer Verelendung der restlichen Bevölkerung führen müsste.

Die Tatsache, dass heute die Mittelschicht in den Häusern der damaligen Superreichen wohnt und die Ärmsten Teile der Bevölkerung in einem Luxus leben, den man sich damals nicht einmal vorstellen konnte, verrät uns, dass diese Theorie nicht stimmt. Auch wenn die Einkommensschere während normalen Zeiten in der Regel auseinander geht, so steigt dennoch der Wohlstand der Armen. Dazu kommt, dass die Karten durch sich ändernde Marktbedingungen, neue Technologien und Wirtschaftskrisen immer wieder neu verteilt werden.

Die Probleme unserer Generation

Letztlich stellt sich die Frage, wie es denn um die Zukunftsaussichten der heranwachsenden Generation bestellt ist. Ähnlich wie damals, sind diese im Wesentlichen von drei Dingen bedroht. Als Antwort auf wirtschaftliche Unsicherheit gibt es die Kryptowirtschaft. Wir sind dabei, ein völlig neuartiges Finanzsystem aufzubauen, welches wesentlich verantwortungsvoller ist, als die gefährliche und räuberische Fiskalpolitik der Zentralbanken.

Um den Klimawandel zu bekämpfen, so fürchte ich, werden wir zwingend Geoengineering betreiben müssen. Um die Kimaziele des IPCC zu erreichen, müssten wir nach dem derzeitigen Erkenntnisstand innerhalb der nächsten 30 Jahre den Ausstoß von CO2 weltweit komplett einstellen. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, uns dadurch nicht wirtschaftlich zu ruinieren, da sonst andere Staaten nicht den selben Fehler begehen werden.

Selbst falls uns das gelingen sollte, können wir dadurch den Schaden, den wir bereits angerichtet haben, nicht reparieren. Dabei gibt es Möglichkeiten, wie beispielsweise maritime Wolkenaufhellung, welche wesentlich günstiger sind, als eine Reduktion unseres CO2-Ausstoßes auf null innerhalb von 30 Jahren und, vor Allem, sofort wirksam werden.

Alleine mit dieser Technologie wird geschätzt, dass wir die gesamte globale Erwärmung seit dem vorindustriellen Zeitalter ausgleichen können. Wenn es den Menschen vor hunderten Jahren in Amsterdam schon gelungen ist, die Fluten zu zähmen, so sollte wir heute doch in der Lage sein, auch dem Klima Herr zu werden. Dazu brauchen wir allerdings eine solide wirtschaftliche Grundlage, die es uns erlaubt, Geld in die Erforschung dieser Technologien zu investieren.

Pandemie und Panik

Bleibt als letzte Gefahr das Coronavirus. Um eines vorneweg klar zu stellen, das Virus selbst macht mir keine Sorgen. In der Regel löst das Virus keine schwerwiegenden Symptome aus. Die Sterblichkeitsrate liegt bei unter 6% und beschränkt sich fast ausschließlich auf alte, oder vorerkrankte Menschen. Nein, das Virus macht mir keine Angst. Die Panik und die drohende Rezession schon.

Die derzeitige Situation erinnert mich an das Buch Der Wal und das Ende der Welt. Der Autor John Ironmonger erzählt in diesem Buch die Geschichte eines Finanzanalysten, der die beiden Faktoren berechnet, die zu einem apokalyptischen Zusammenbruch der Gesellschaft führen können: Eine Pandemie, gepaart mit einer Ölknappheit.

Im Verlauf des Buchs bricht eine hochgradig tödliche Grippe-Pandemie aus, der insbesondere junge Menschen zum Opfer fallen. Gleichzeitig unterbrechen geopolitische Spannungen die Ölversorgung. In der Folge kommt es zu einer Benzinknappheit, wochenlangen Stromausfällen, Hungersnöten und Plünderungen.

Im Vergleich dazu wirkt das Coronavirus geradezu harmlos. In Hinblick auf die Hamsterkäufe, die mitunter in Gegenden stattfinden, in denen kein einziger Erkrankter ist, stelle ich mir allerdings die Frage, ob Ironmongers Beschreibungen der wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie nicht möglicherweise noch untertrieben sind.

Drei Kreuze für die Zukunft

Die freie Marktwirtschaft und, damit verbunden, eine wohlhabende Gesellschaft kann alle drei Probleme, die uns derzeit bedrohen, lösen. Wir schaffen ein besseres Finanzsystem, wir können den Klimawandel wirkungsvoll bekämpfen und, wenn wir uns nicht in Panik versetzen lassen, werden wir auch das Coronavirus überstehen.

Der Kapitalismus wird sich durchsetzen. Ja, er ist kaltherzig und verwendet eine hässliche Sprache. Aber er hilft den Menschen. Mit der Welt ist alles in Ordnung.

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Tobias verfügt über einen Bachelorabschluss in angewandter Informatik, sowie einen Masterabschluss in Kognitionswissenschaft mit Fokus auf kognitiver Psychologie und künstlicher Intelligenz. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gent nahm er an einem Forschungsprojekt in Verbindung mit einem großen französischen Telekommunikationsanbieter teil. Hierbei erforschte er die Anwendung von Spieltheorie auf den gemeinschaftlichen Ausbau von WLAN-Netzen. Nachdem er die Universität verließ, wandte er sich dem Blockchain-Sektor zu, wo er als freier Forschungsmitarbeiter für Startup-Unternehmen arbeitet.

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